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Wall Street erholt sich: KI-Optimismus, Yen-Intervention und Hedgefonds-Liquidation

Microsoft-Rally beflügelt Nasdaq, japanische Behörden intervenieren am Devisenmarkt, und ein KI-Hedgefonds liquidiert sein gesamtes Portfolio.

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Wall Street erholt sich: KI-Optimismus, Yen-Intervention und Hedgefonds-Liquidation

Die Wall Street hat am Donnerstag eine kräftige Erholung verzeichnet. Angetrieben wurde die Rally vor allem durch einen beeindruckenden Kursanstieg der Microsoft-Aktie um 15,5 Prozent, der neuen Optimismus rund um das Thema Künstliche Intelligenz entfachte. Der Nasdaq legte um 2,8 Prozent zu, der S&P 500 gewann 1,7 Prozent. Dabei ignorierten Aktienanleger weitgehend den gleichzeitigen Anstieg der Anleiherenditen.

Im Technologiesektor dominierten die Kursgewinne: Der Sektor legte insgesamt um 5 Prozent zu, während der sogenannte „SOX"-Chip-Index sogar um 8 Prozent anzog. Neben Microsoft stiegen auch Sandisk um 26 Prozent und Micron Technology um 18 Prozent. Auf der Verliererseite stand Meta mit einem Minus von 8 Prozent, Apple verlor 3 Prozent. Amazon legte nach Börsenschluss aufgrund starker Quartalsergebnisse um 8 Prozent zu.

Fed-Chef Warsh unter Beschuss

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh steht nach seiner Pressekonferenz vom Mittwoch in der Kritik. Beobachter bemängeln, dass er zwar viel gesprochen, aber wenig erklärt habe, wie er die Inflation konkret senken will. Besonders auffällig: Sein Bekenntnis zum 2-Prozent-Inflationsziel der Fed wirkte nach Einschätzung von Marktbeobachtern fragwürdig.

Der Anleihemarkt reagierte mit einem sogenannten „Bear Steepening" der US-Renditekurve. Die Rendite zweijähriger Anleihen sank leicht, während die Rendite dreißigjähriger Anleihen um 7 Basispunkte auf 5,24 Prozent stieg – den höchsten Stand seit Mitte der 2000er Jahre. Dieser Ausverkauf am langen Ende des Anleihemarktes gilt als Warnsignal: Mangelnde Klarheit einer Zentralbank über ihre Ziele und Strategie stößt bei Investoren auf Skepsis. In den kommenden Wochen und Monaten könnten weitere Marktturbulenzen folgen, während Warsh die Fed umzugestalten versucht.

Japanische Behörden greifen offenbar am Devisenmarkt ein

Am Devisenmarkt erlebte der japanische Yen einen seiner stärksten Handelstage seit Jahren. Der Dollar/Yen-Kurs brach um 2,5 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit der Intervention vom 30. April. Devisenanalysten gehen davon aus, dass japanische Behörden hinter dem Kursanstieg stecken, auch wenn es bislang keine offizielle Bestätigung aus Tokio gibt.

Der Yen hatte zuvor ein 40-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar markiert. Zuletzt hatte Tokio am 30. April interveniert und dabei 73 Milliarden US-Dollar eingesetzt, um den Kurs um etwa fünf „Big Figures" zu drücken. Die Wirkung hielt damals rund sechs Wochen an, bevor der Yen wieder auf das Niveau vor der Intervention zurückfiel. Entscheidend für die Nachhaltigkeit der aktuellen Bewegung dürfte die Zinsentscheidung der Bank of Japan am Freitag sein: Ein restriktives Signal könnte die Intervention deutlich wirksamer machen, ein taubenhaftes Signal hingegen den Yen erneut unter Druck setzen.

KI-Hedgefonds liquidiert Portfolio an Citadel

Inmitten des jüngsten Ausverkaufs bei Chip-Aktien wurde bekannt, dass der auf KI spezialisierte Hedgefonds Situational Awareness den Großteil seines Aktienportfolios an Ken Griffins Citadel verkauft hat. Der Fonds unter der Leitung von Leopold Aschenbrenner stand vor der Wahl, entweder frisches Kapital von Investoren einzusammeln oder das gesamte Portfolio abzustoßen – und entschied sich für Letzteres.

Der Fall ist kein Einzelfall: Globale Hedgefonds kämpfen derzeit mit ihrem größten monatlichen Drawdown seit Beginn der Aufzeichnungen, da der überfüllte KI-Trade an Attraktivität verloren hat. Besonders hart trifft es Asien-fokussierte fundamentale Long-Short-Fonds, die in diesem Monat im Durchschnitt 18,6 Prozent im Minus liegen. Spekulationen über weitere Margin Calls und Positionsliquidierungen nehmen zu.

Rohstoffe und Devisen im Überblick

  • Öl: Brent -2%, WTI -1% in einem volatilen Handel
  • Gold: +1%, Palladium: +5%
  • Dollar-Index: -1%
  • Europäische Aktien: +1%, Südkorea: -1,7%, Großbritannien: unverändert

Ausblick auf Freitag

Mehrere wichtige Ereignisse könnten die Märkte am Freitag bewegen: Allen voran die Zinsentscheidung der Bank of Japan sowie die vorläufigen Inflationsdaten der Eurozone für Juli. Zudem könnten die US-Notenbankvertreter Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan Erklärungen zu ihren abweichenden Meinungen aus dieser Woche veröffentlichen. Auf der Unternehmensseite stehen Quartalsergebnisse von Exxon, Chevron und Colgate-Palmolive auf dem Programm.

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