US-Frachtkosten erreichen Fünf-Jahres-Hoch trotz stagnierender Nachfrage
US-Spediteure zahlten im dritten Quartal so viel wie seit 2021 nicht mehr – getrieben von Dieselpreisen und Fahrermangel.

US-Spediteure haben im dritten Quartal so viel für den Frachttransport gezahlt wie zuletzt 2021. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten US Bank Freight Payment Index hervor, über den Reuters aus Los Angeles berichtet. Die Ausgaben der Spediteure stiegen demnach um 32,1 Prozent gegenüber dem dritten Vorjahresquartal.
Als Treiber nennt der Index zwei Entwicklungen: die in die Höhe schießenden Dieselpreise infolge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran sowie einen Rückgang der verfügbaren Lkw-Fahrer nach bundesweiten Einwanderungsbehördeneinschreitungen. Beide Faktoren trieben die Raten weiter in die Höhe.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Nachfrage. Das nationale Sendungsaufkommen stieg im Jahresvergleich nur um knapp 0,5 Prozent. Die Kosten legen also deutlich schneller zu als die transportierte Menge – ein Muster, das die gesamte Branche unter Druck setzt.
Die Details
Der US Bank Freight Payment Index misst die tatsächlichen Zahlungen von Spediteuren für den Warentransport und gilt damit als belastbarer Indikator für die Kostenentwicklung in der US-Logistik. Im dritten Quartal schnellten die Ausgaben um 32,1 Prozent nach oben, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es ist der höchste Stand seit 2021.
Die Kostensteigerung erfasste das gesamte Land. Die Ausgaben stiegen in allen Regionen an, angeführt vom Südwesten mit einem Zuwachs von 51,6 Prozent. Kein Landesteil blieb von der Entwicklung verschont, was auf breit wirkende Kostentreiber hindeutet und nicht auf ein regionales Einzelphänomen.
Ein zentraler Faktor ist der Dieselpreis, der infolge der Feindseligkeiten mit dem Iran auf über 6 US-Dollar pro Gallone getrieben wurde. Diesel ist der wichtigste Betriebsstoff im Straßengüterverkehr, sodass jeder Preisanstieg unmittelbar auf die Transportkosten durchschlägt. Hinzu kommt ein knapper werdendes Angebot an Lkw-Fahrern: Maßnahmen zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze reduzierten die Zahl der Fahrer für den Transport nationaler Ladungen.
Bob Costello, Chefvolkswirt der American Trucking Associations, bringt die Lage auf den Punkt: „Die Ausgaben steigen deutlich schneller als das Frachtaufkommen.“ Bobby Holland, Direktor für Frachtgeschäftsanalysen bei der US Bank, ergänzt: „Selbst dort, wo die Aufkommen stagnieren oder rückläufig sind, führen eine knapper werdende Kapazität und höhere Betriebskosten zu steigenden Ausgaben.“ Damit wird deutlich, dass nicht die Nachfrage, sondern das Angebot – knappe Fahrer und teurer Kraftstoff – die Preise treibt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Kostenwelle, über die aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 05.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Dieselpreise in den USA in nur zwei Handelstagen um 23 Prozent zulegten und an den Terminmärkten 3,19 US-Dollar pro Gallone erreichten – der höchste Stand seit Oktober 2023. Besonders betroffen waren Großverbraucher wie Landwirte, Fernfahrer und Logistikunternehmen.
Am 11.03.2026 folgte der nächste Bericht: Der Dieselpreis vollzog in der Woche bis zum 9. März einen historischen Sprung. Laut der US-Energieinformationsbehörde (EIA) stieg der durchschnittliche Preis an Tankstellen um 96 Cent auf 4,859 US-Dollar pro Gallone – einer der größten prozentualen Wochenanstiege seit Beginn staatlicher Aufzeichnungen im Jahr 1994. Der Analyst Avery Vise von FTR Transportation Intelligence bezeichnete diesen Anstieg als beispiellos.
Am 17.09.2026 meldete aktien.news, dass die Transportbranche Alarm schlägt: Der Preis für eine Gallone Diesel lag am Mittwoch bei rund 6,31 US-Dollar, wie der Automobilclub AAA mitteilte, und damit mehr als 70 Prozent über dem Vorjahr. Analysten führten den Versorgungsschock auf den Krieg zwischen den USA und Iran zurück. Besonders hart traf es die Aktie von J. B. Hunt, die in der Handelssitzung am Mittwoch mehr als 13 Prozent verlor.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass die Transportkosten in den USA auf dem höchsten Niveau seit der Covid-Pandemie liegen. Laut AAA erreichte der Dieselpreis am 22. September einen Rekordwert von 6,53 US-Dollar. Für Unternehmen gebe es praktisch keine Möglichkeit, höhere Kosten zu vermeiden – sie gäben diese Belastung an die Konsumenten weiter, wodurch sich der inflationäre Druck in einer US-Wirtschaft verstärke, die bereits seit Jahren mit steigenden Preisen kämpfe.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem als Inflationssignal relevant. Wenn Transportkosten derart stark steigen, während die transportierte Menge kaum zulegt, deutet das auf angebotsseitigen Kostendruck hin. Die früheren Berichte von aktien.news zeigen, dass Unternehmen diese Belastung an die Konsumenten weitergeben – ein Mechanismus, der den inflationären Druck in den USA verstärkt und damit auch die Zinspolitik der Notenbanken beeinflussen kann.
Zweitens rückt die Branche selbst in den Fokus. Der US Bank Freight Payment Index zeigt, dass die Erlöse der Spediteure zwar steigen, die Kosten aber ebenso – und teils schneller. Wie fragil das Geschäftsmodell einzelner Transportdienstleister ist, zeigte sich bereits am 17.09.2026 am Kursverlust von J. B. Hunt von mehr als 13 Prozent an einem einzigen Handelstag. Anleger, die in Logistik- oder Transportwerte investiert sind, sollten die Schere zwischen Ausgaben- und Aufkommensentwicklung genau beobachten.
Drittens ist der Fahrermangel ein struktureller Faktor, der sich nicht kurzfristig auflösen lässt. Die Einwanderungsbehördeneinschreitungen reduzieren die verfügbare Kapazität, während der Dieselpreis vom geopolitischen Konflikt mit dem Iran abhängt. Beide Größen liegen außerhalb der Kontrolle einzelner Unternehmen – ein Umfeld, das die Margen der gesamten Lieferkette belastet.
Ausblick
Der US Bank Freight Payment Index wird regelmäßig veröffentlicht und dürfte auch im kommenden Quartal die zentrale Datengrundlage für die Kostenentwicklung im US-Frachtverkehr bleiben. Entscheidend für die weitere Richtung sind laut den im Quelltext genannten Faktoren zwei Variablen: die Entwicklung des Dieselpreises, der an die Feindseligkeiten mit dem Iran gekoppelt ist, und die Verfügbarkeit von Lkw-Fahrern im Zuge der Einwanderungsdurchsetzung. Solange beide Belastungen bestehen, deuten die vorliegenden Daten auf anhaltenden Kostendruck hin – unabhängig davon, wie sich das Frachtaufkommen entwickelt.
Kurz erklärt
- Freight Payment Index: Ein Index, der die tatsächlichen Zahlungen von Spediteuren für den Warentransport misst und so die Kostenentwicklung in der Logistik abbildet.
- Frachtaufkommen: Die Menge der transportierten Sendungen, gemessen in Anzahl oder Volumen, unabhängig vom dafür gezahlten Preis.
- Dieselpreis pro Gallone: Der durchschnittliche Tankstellenpreis für Dieselkraftstoff in den USA, der als zentraler Kostenfaktor im Straßengüterverkehr gilt.
