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Uber und Gewerkschaften vereint gegen Waymo in Washington D.C.

In Washington D.C. entbrennt ein richtungsweisender Arbeitskampf um autonome Fahrzeuge – mit einem überraschenden Bündnis.

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Uber und Gewerkschaften vereint gegen Waymo in Washington D.C.

In Washington D.C. zeichnet sich ein ungewöhnliches politisches Bündnis ab: Uber und Gewerkschaften kämpfen gemeinsam gegen die massenhafte Einführung autonomer Fahrzeuge. Auslöser ist der sogenannte „Autonomous Vehicle Deployment Authorization Amendment Act", ein Gesetzentwurf des Stadtrats des Distrikts Columbia, der den flächendeckenden Einsatz von Robotaxis und autonomen Lieferfahrzeugen in der US-Hauptstadt erlauben würde. Die Debatte trifft eine Stadt, die wirtschaftlich unter erheblichem Druck steht.

Die wirtschaftliche Lage in Washington D.C. verleiht dem Streit besondere Brisanz. Bis zu 35.000 Fahrer waren in den vergangenen Jahren in der Gig-Economy der Stadt tätig – das entspricht laut Daten aus dem Jahr 2024 rund 9 Prozent der Erwerbstätigen. Gleichzeitig hat der Großraum D.C. innerhalb eines Jahres über 100.000 Arbeitsplätze verloren, vor allem durch Stellenkürzungen auf Bundesebene. In diesem Klima sind Robotaxis zu einem hochpolitischen Reizthema geworden.

„Ich kann nicht verstehen, warum der Rat in einer Zeit, in der sich D.C. mitten in einer Arbeitslosenkrise befindet, in Erwägung zieht, Waymo zuzulassen – ein Unternehmen, das Tausende von Fahrern wie mich arbeitslos machen und die lokale Wirtschaft zerstören wird", sagte Crystal Middleton, Teilzeit-Fahrdienstleisterin und Mitglied der Gewerkschaft 32BJ SEIU, bei einer öffentlichen Anhörung Mitte Juli. Sie ergänzte: „Robotaxis zahlen keine Steuern. Sie ziehen hier keine Familien groß. Sie wählen nicht."

Vom Gewerkschaftsschreck zum Verbündeten

Dass Uber nun an der Seite der Gewerkschaften steht, ist historisch bemerkenswert. Das Unternehmen war jahrelang ein erbitterter Gegner organisierter Arbeitnehmerinteressen. Das prominenteste Beispiel: Im Jahr 2020 gab Uber über 59 Millionen US-Dollar aus – die größte Einzelspende auf beiden Seiten –, um in Kalifornien für die Proposition 22 zu lobbyieren. Diese Abstimmungsinitiative verhinderte, dass App-basierte Fahrer als Angestellte eingestuft wurden. Der Sieg löste landesweit scharfe Kritik von Gewerkschaftsführern aus. Teamsters-Präsident Sean O'Brien bezeichnete Uber damals als Unternehmen, das „arbeitende Menschen ausblutet".

Heute sieht sich Uber in einer anderen Lage. Die Partnerschaft mit Waymo, der Robotaxi-Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, zeigt deutliche Risse. Seit 2023 können Waymo-Fahrten über die Uber-Plattform gebucht werden, doch laut einem Bericht der Financial Times ist das Verhältnis zwischen den beiden Unternehmen inzwischen „getrübt". Verträge für die Städte Austin und Atlanta sollen laut CNBC im Jahr 2028 auslaufen. Uber sieht seine politischen Aktivitäten daher auch als Verteidigung gegen eine drohende Monopolisierung lokaler Fahrdienstmärkte durch Waymo.

Harry Hatfield, Direktor für AV- und KI-Politik bei Uber, betonte bei der Anhörung in D.C.: „Die Zukunft des Transportwesens ist keine binäre Entscheidung zwischen menschlichen Fahrern und autonomen Fahrzeugen. Sie wird hybrid sein." Gleichzeitig räumte er ein: „Veränderungen in der Arbeitswelt sind kein Grund, Innovationen zu stoppen, aber wir sollten ehrlich über die Kompromisse sprechen." Er verwies auf Studien aus San Francisco und Los Angeles, wonach die Auslastung und die Verdienste menschlicher Fahrer im vergangenen Jahr zurückgingen, nachdem reine AV-Flotten eingeführt wurden. „Ein autonomes Fahrzeug in Kalifornien verrichtet heute die Arbeit von etwa vier Fahrern", so Hatfield.

Trotz dieser Aussagen investiert Uber massiv in die Technologie: Laut Financial Times stellte das Unternehmen 7,5 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung von Robotaxi-Flotten bereit sowie weitere 2,5 Milliarden Dollar für Beteiligungen an AV-Entwicklern wie WeRide und Nuro. Uber Autonomous Solutions, gegründet im Februar des vergangenen Jahres, soll autonome Plattformen inklusive Trainingsdaten und verbesserter Navigationstechnologie auf den Markt bringen.

Gesetzgebungsschlacht in mehreren US-Städten

Der Konflikt beschränkt sich nicht auf Washington D.C. In New Jersey haben Uber-Lobbyisten einen Gesetzentwurf eingebracht, der vorschreibt, dass menschliche Fahrer in den nächsten drei Jahren 85 Prozent aller Fahrten auf Plattformen mit Robotaxi-Diensten durchführen müssen. Uber-CFO Balaji Krishnamurthy verteidigte die Strategie auf der Plattform X: „Wir reagieren auf eine Fehlgesetzgebung, die KEINE Aussicht auf Erfolg hatte und dazu geführt hätte, dass es GAR KEINE autonomen Fahrzeuge gegeben hätte."

Waymo sieht die Lage grundlegend anders. Das Unternehmen argumentiert, dass die Gesetzgebung in D.C. hybride Netzwerke nicht eingeschränkt hätte, und lehnt externe Vorgaben zur Marktstruktur ab. „Nach Ansicht von Waymo sollte dies allein den Fahrgästen überlassen bleiben", heißt es aus dem Unternehmen. Gleichzeitig bleibt Waymo optimistisch: Matthew Walsh, regionaler Leiter für staatliche und lokale Politik im Osten der USA, erklärte gegenüber CNBC, man freue sich auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Zudem kündigte Waymo gegenüber Axios an, bei einer Verabschiedung des Gesetzentwurfs hunderte neue Mitarbeiter in D.C. einstellen zu wollen.

Die Gewerkschaften ihrerseits lassen sich von diesen Zusicherungen nicht überzeugen. Obwohl sie und Uber derzeit dieselbe politische Linie vertreten, betonen Arbeitnehmervertreter, dass ihre Ziele grundverschieden sind. „Die Ausweitung autonomer Fahrzeuge in der Region D.C. wird dazu führen, dass hunderte, wenn nicht tausende Arbeiter ihren Job verlieren, und diese zusätzlichen Einzelfahrzeuge werden die Stauproblematik weiter verschärfen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ATU Local 689 gegenüber CNBC. Die Gewerkschaft warnt zudem, dass autonome Pkw-Dienste langfristig zu autonomen Schulbussen oder öffentlichen Bussen führen könnten – was sie als „grundlegend gefährlich" einstuft.

Ratsmitglied Charles Allen, der den Gesetzentwurf einbrachte, räumte bei der Anhörung ein, dass technologische Disruption stets Verlierer produziere: „Ich war hier, als Uber auf den Markt kam. Wenn wir so tun würden, als hätten wir keine Einkommensverluste bei den Taxifahrern gesehen, wären wir nicht ehrlich." Die Entscheidung des D.C.-Stadtrats dürfte damit weit über die US-Hauptstadt hinaus als Präzedenzfall für den Umgang mit autonomen Fahrzeugen in städtischen Ballungsräumen gelten.

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