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Trash!: Buchrezension über das Leben eines Müllmanns

Simon Paré-Pouparts Memoiren beleuchten die unsichtbare Welt der Müllabfuhr – und unsere Wegwerfgesellschaft schonungslos.

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Trash!: Buchrezension über das Leben eines Müllmanns

Der Kanadier Simon Paré-Poupart arbeitet seit seiner Teenagerzeit in Montreal als Müllmann – und hat darüber ein Buch geschrieben. In Trash! : A Garbageman's Story rechnet er mit der Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber jenen ab, die ihren Abfall beseitigen. Das Buch erscheint bei Melville House und kostet 12,99 britische Pfund bei 192 Seiten.

Paré-Poupart, der Soziologie und Betriebswirtschaft studierte und auch als Sozialarbeiter und Journalist tätig war, behauptet, in seiner Karriere persönlich fast 70.000 Tonnen Schrott bewegt zu haben. Zwei Jahrzehnte nach seiner ersten Tour ist er noch immer im Dienst. Für ihn ist der Müllmann „der Sisyphos unserer Konsumgesellschaft".

Unsichtbare Helden der Straße

Die gesellschaftliche Unsichtbarkeit seiner Berufsgruppe ist ein zentrales Thema des Buches. „Die Leute danken dem Kurier, dem Möbelpacker und dem Postboten. Aber den Müllmann sehen sie kaum. Sie wünschen sich, wir wären unsichtbar, so wie sie hoffen, dass ihr Müll auf magische Weise verschwindet", schreibt Paré-Poupart. Diese Beobachtung trifft einen wunden Punkt in der modernen Konsumgesellschaft.

Der Autor porträtiert seine Kollegen mit einer Mischung aus Respekt und literarischer Schärfe. Er nennt sie „Gentlemen der Straße" – Außenseiter mit einem befleckten Adel, vergleichbar mit wandernden Samurai. Unter ihnen: „Spandex", der selbst im tiefsten Quebec-Winter in Radlerhosen und Flip-Flops arbeitet, und „Rock 'n' Roll", ein ehemaliger Türsteher, der trotz Kehlkopfkrebs darauf besteht, den Lkw zu fahren – „mit einem Infusionstropf in der Fahrerkabine".

Paré-Poupart interessiert sich dabei nicht nur für die menschlichen Schicksale, sondern auch für die strukturelle Dimension seines Berufs. Er sieht die Abfallindustrie als einen der letzten gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplätze für ungelernte Männer – zumindest in Kanada. Gleichzeitig prangert er die rücksichtslose Verschwendungssucht der modernen Gesellschaft an: Laut dem Buch fügen Menschen den Abraumhalden der Welt jedes Jahr zwei Milliarden Tonnen „Siedlungsabfälle" hinzu.

Eine literarische Tradition des schmutzigen Jobs

Trash! reiht sich in eine Tradition von Büchern ein, die das Leben in sogenannten „Dirty Jobs" literarisch verarbeiten. Diese Gattung begann laut der FT-Rezension wahrscheinlich mit George Orwells Erinnerungen an Paris und London aus dem Jahr 1933 und wurde Jahrzehnte später von Kochbuch-Autor Anthony Bourdain neu belebt. Seither erschienen Berichte von Kellnern, Ärzten, Polizisten und anderen.

Auch literarische Vorbilder aus der Weltliteratur klingen in Trash! an. Der tschechische Romancier Bohumil Hrabal schrieb mit Allzu laute Einsamkeit einen Schlüsselroman über einen Mann, der sein Leben in einer Altpapierpresse verbringt. Paré-Poupart zitiert zudem zustimmend aus Victor Hugos Die Elenden: „Die Kanalisation ist das Gewissen der Stadt. Die Masse des Unrats hat dies für sich, dass sie keine Lügnerin ist."

Für den Autor selbst „spricht unser Müll zu uns" – und „seine Ehrlichkeit kann eine Erleichterung sein". Müll lasse unsere Trugbilder platzen, stelle alles auf eine Stufe und erzähle die ganze Geschichte. Nicht einmal der Weltraum bleibt davon verschont: Die „Blechdose" aus David Bowies Space Oddity klappert laut Paré-Poupart heute durch einen Misthaufen von 10.000 Tonnen Schrott im Orbit.

Das Buch wurde von Pablo Strauss, einem Landsmann des Autors aus Quebec, ins Englische übersetzt. Die FT bescheinigt dem Werk präzises Schreiben und eine schwungvolle Übersetzung – voller unerwarteter, wenn auch manchmal streng riechender Überraschungen. Trash! bestätigt das alte Sprichwort: Des einen Müll ist des anderen Schatz.

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