Tavi Costa: Goldpreis unter Druck – drei Gründe und die Aussichten
Tavi Costa von Azuria Capital sieht Gold und Silber in einer Bodenbildungsphase – und attraktiver als Kupfer.

Der Goldpreis steht unter Druck, und auch Silber hat zuletzt nachgegeben. Tavi Costa, CEO von Azuria Capital, äußert sich zu den jüngsten Kursrückgängen bei beiden Edelmetallen und ordnet die Lage für Anleger ein. Seine zentrale Botschaft: Die Phase der Bodenbildung ist ein Prozess, der nicht sofort abgeschlossen sein wird.
Costa betont, dass Anleger Geduld brauchen. Der Markt befinde sich in einer Übergangsphase, in der sich die Preise erst stabilisieren müssten. Erst danach sei mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen. Diese Einschätzung stammt aus einem aktuellen Interview, das das Investing News Network veröffentlicht hat.
Bemerkenswert ist der Vergleich, den Costa zieht. Seiner Ansicht nach macht das aktuelle Szenario die Edelmetalle attraktiver als Kupfer, dessen Gewinne es gehalten hat. Kupfer habe sich in der jüngsten Phase robuster gezeigt als Gold und Silber. Genau darin sieht der Azuria-Capital-Chef eine Chance für die Edelmetalle.
Costa hält den Nachholtrade bei Gold und Silber für weitaus attraktiver
„Ich denke, der Nachholtrade für diese beiden Rohstoffe ist weitaus attraktiver“, sagte Costa mit Blick auf Gold und Silber. Damit positioniert er sich klar gegenüber Kupfer, das seine Kursgewinne verteidigt hat. Für Anleger bedeutet das eine Abwägung zwischen einem Rohstoff, der bereits Stärke gezeigt hat, und zwei Metallen, die noch aufholen könnten.
Der Artikel stammt aus der Berichterstattung von Charlotte McLeod, die beim Investing News Network die Video- und Event-Berichterstattung leitet und ein Team von Autoren verantwortet. McLeod verfügt nach eigenen Angaben über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in der Berichterstattung über den Bergbau- und Metallsektor. In einem Wertpapierhinweis stellt sie klar, dass sie keine direkten Anlageinteressen an einem der in diesem Artikel erwähnten Unternehmen hält.
Der Beitrag ist Teil einer laufenden Serie des Portals zu Gold, Silber und dem Bergbausektor. Zu den weiteren Themen gehören unter anderem Einschätzungen von Craig Hemke, der bei Schwäche zukaufen will und einen „ultimativen Game Changer“ erwartet, sowie von Dana Samuelson, die die nächsten Support-Level bei Gold und Silber in den Blick nimmt. Auch Craig Tindale ordnet das „neue Zeitalter des Goldes“ ein und rät, sich auf einen Systemreset vorzubereiten.
Bereits im Frühjahr 2026 berichtete aktien.news über den Druck auf den Goldpreis
Der aktuelle Befund steht in einer längeren Reihe von Berichten über die Schwächephase der Edelmetalle. Bereits am 28.03.2026 berichtete aktien.news, dass der Goldpreis trotz geopolitischer Spannungen unter Druck steht. Damals war das Edelmetall seit Beginn des jüngsten Konflikts um rund 13 Prozent gefallen – ein Verlauf, der den Erwartungen vieler Anleger widersprach. Ein Stratege identifizierte seinerzeit drei zentrale Kräfte, die den Goldpreis belasteten: einen festeren US-Dollar, der Gold für Inhaber anderer Währungen teurer macht, sowie steigende Zinserwartungen, die das zinslose Edelmetall relativ unattraktiver erscheinen lassen.
Ebenfalls am 28.03.2026 meldete aktien.news, dass die Bank of America einen möglichen Rückgang des Goldpreises auf 3.700 Dollar nicht ausschließt. Technische Strategen der Bank sowie BCA-Stratege Peter Berezin sahen damals eher eine längere Konsolidierungsphase als eine schnelle Erholung. Berezin nannte die Stärke des US-Dollars und gestiegene Zinserwartungen als klassische Belastungsfaktoren für das Edelmetall.
Am 20.04.2026 berichtete aktien.news über einen Ausverkauf bei Gold und Silber, der Anleger erneut auf dem falschen Fuß erwischte. Anders als bei der Korrektur Ende Februar, die weitgehend durch Positionierungen und technische Faktoren ausgelöst wurde, entfaltete sich die damalige Schwäche vor dem Hintergrund steigender geopolitischer Spannungen und sich verschärfender Finanzierungsbedingungen. Beide Episoden verdeutlichten, wie empfindlich Edelmetalle auf Veränderungen bei Zinssätzen, dem US-Dollar und der Liquidität reagieren.
Am 27.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Goldpreis die kritische Unterstützungszone zwischen 3.900 und 4.000 US-Dollar pro Feinunze testet. Damals notierte das Edelmetall bei etwa 4.030 US-Dollar. Nach einem Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar im Januar war Gold um rund 28 Prozent eingebrochen; gegenüber dem August-Hoch von 4.755 US-Dollar entsprach das einem Rückgang von über 15 Prozent. Der Bericht wies darauf hin, dass die Korrektur für deutsche Privatanleger, die über Gold-ETCs, Barren oder Münzen investiert sind, direkt auf das Depot durchschlägt.
Für deutsche Anleger bleibt die Abhängigkeit von Dollar und US-Geldpolitik der entscheidende Faktor
Die Berichte der vergangenen Monate zeigen ein wiederkehrendes Muster. Der Goldpreis reagiert besonders sensibel auf den US-Dollar und die Zinserwartungen in den Vereinigten Staaten. Steigt der Dollar, wird Gold für Käufer außerhalb der USA teurer, was die Nachfrage dämpft. Gleichzeitig machen höhere Zinserwartungen das zinslose Edelmetall im Vergleich zu verzinsten Anlagen weniger attraktiv.
Für deutsche Privatanleger, die in Gold-ETCs, Barren oder Münzen investiert sind, schlägt sich diese Dynamik unmittelbar im Depot nieder. Hinzu kommt der Wechselkurseffekt: Ein starker Dollar belastet den in Euro gerechneten Goldpreis zusätzlich. Wer in Edelmetalle investiert ist, sollte daher sowohl den Preis in US-Dollar als auch die Entwicklung des Euro-Dollar-Verhältnisses im Blick behalten.
Costa sieht in der aktuellen Schwächephase dennoch eine Chance. Seine Argumentation stützt sich auf den Vergleich mit Kupfer: Während Kupfer seine Gewinne gehalten hat, stehen Gold und Silber noch am Beginn einer möglichen Erholung. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich Dollar und Zinserwartungen weiterentwickeln.
Der Ausblick bleibt von der Bodenbildung und der weiteren Marktentwicklung abhängig
Konkrete Termine oder Preisziele nennt Costa in dem Beitrag nicht. Er verweist lediglich darauf, dass die Bodenbildung ein Prozess ist und nicht sofort abgeschlossen sein wird. Anleger sollten daher keine schnelle Trendwende erwarten, sondern eine Phase, in der sich der Markt erst stabilisieren muss.
Im Mittelpunkt der weiteren Entwicklung stehen nach Einschätzung der zitierten Marktbeobachter der US-Dollar und die Zinserwartungen. Beide Faktoren haben den Goldpreis in den vergangenen Monaten wiederholt belastet. Erst wenn sich hier eine Entspannung abzeichnet, könnte sich die Lage für Gold und Silber nachhaltig verbessern.
Diese vier Fachbegriffe ordnen den Edelmetallmarkt für Anleger ein
- Bodenbildung: Eine Phase, in der ein Kurs nach einem Rückgang eine untere Grenze findet und sich stabilisiert, bevor eine neue Richtung entsteht.
- Feinunze: Die Standardmaßeinheit für den Handel mit Gold und Silber an den internationalen Märkten.
- Support-Level: Eine Preismarke, bei der die Nachfrage erfahrungsgemäß steigt und den Kurs nach unten abstützt.
- ETC: Ein börsengehandeltes Produkt, das Anlegern ermöglicht, an der Preisentwicklung eines Rohstoffs wie Gold teilzuhaben.
