Stabile Kurse an der Wall Street
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Am 17. Januar 2024 sorgten Zins- und Konjunktursorgen für Turbulenzen auf dem deutschen Markt. Der DAX verzeichnete zeitweise ein Jahrestief, während die Wall Street sich bisher vergleichsweise gut behaupten konnte. Besonders enttäuschende Konjunkturdaten aus China und Deutschland belasteten den Aktienhandel an diesem Mittwoch. Der DAX fiel zeitweise auf ein Jahrestief von 16.352 Punkten, konnte jedoch sein Tagesminus aufgrund der stabileren Lage an den US-Börsen auf 0,8 Prozent begrenzen.
Die chinesische Konjunktur trug erheblich zur gedrückten Stimmung bei. Trotz eines Wachstums von 5,2 Prozent im vierten Quartal verfehlte die chinesische Wirtschaft knapp die Erwartungen der Analysten. Die Deflation und die anhaltende Schwäche im Immobiliensektor bereiten weiterhin Sorgen. Die chinesischen Börsen reagierten verärgert, der CSI 300, der die wichtigsten Werte der Handelsplätze in Shanghai und Shenzhen repräsentiert, verlor über zwei Prozent.
Auch in Deutschland halten die Konjunktursorgen an. Die Industrie verzeichnete im November den fünften Monat in Folge sinkende Aufträge, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es sogar einen Rückgang von 5,7 Prozent. Die Rede des US-Notenbank-Direktors Christopher Waller beim Weltwirtschaftsforum in Davos trug ebenfalls zur getrübten Stimmung bei. Seine Äußerungen signalisierten, dass die Federal Reserve nicht überstürzt Zinssenkungen vornehmen würde.
Trotz der gedämpften Zinserwartungen zeigten sich die US-Märkte vergleichsweise robust. Die aktuellen Konjunkturdaten deuten auf eine starke US-Wirtschaft hin, was die Sorgen vor einer Rezession in den Hintergrund drängte. Die Industrieproduktion stieg im Dezember leicht um 0,1 Prozent, und die Einzelhändler verzeichneten höhere Umsätze als erwartet. Die US-Importe stagnierten überraschend, und auch der Häusermarkt zeigte sich in guter Verfassung.
Auf dem Ölmarkt belasteten die enttäuschenden Konjunkturdaten aus China die Stimmung zusätzlich. Die Nordseesorte Brent fiel auf 77,08 Dollar pro Barrel, ein Minus von 0,9 Prozent. Der gestiegene Dollar-Wert verschärfte die Lage, da dies das in Dollar gehandelte Rohöl für viele Käufer verteuerte.
Der Euro verlor ebenfalls an Wert und notierte auf seinem tiefsten Stand seit fast einem Monat, bei 1,0854 US-Dollar. Die Inflation in der Eurozone stieg im Dezember auf 2,9 Prozent, was Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde verstärkte. Sie deutete an, dass die EZB im Sommer oder sogar früher Zinssenkungen vornehmen könnte, abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die schlechten Nachrichten spiegelten sich auch in einigen Aktienkursen wider. Die Zalando-Aktie erreichte ein Rekordtief, und die Aktien von Meyer Burger und SMA Solar brachen aufgrund drohender Standortschließungen ein. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte ein Rettungspaket für die Solarindustrie aufgrund der starken chinesischen Produktionsüberkapazitäten und Handelsbeschränkungen.
Die Luxus- und Modewerte gerieten ebenfalls unter Druck aufgrund der unsicheren Nachfrageperspektiven in China. Dieses Land ist ein bedeutender Markt für die Branche, und Unternehmen wie LVMH, Kering, Richemont und Swatch sowie deutsche Unternehmen wie Hugo Boss, Adidas und Puma verzeichneten Kursverluste.
In der Schifffahrtsbranche kündigten die Containerreedereien Hapag-Lloyd und Maersk eine Kooperation an, die im Februar 2025 beginnen soll. Diese Zusammenarbeit umfasst einen Flottenpool von etwa 290 Schiffen mit einer Kapazität von 3,4 Millionen Standardcontainern. Maersk warnte jedoch vor monatelangen Behinderungen des Schiffsverkehrs aufgrund von Angriffen der Huthis auf Handelsschiffe im Roten Meer.
In anderen Branchen gab es ebenfalls interessante Entwicklungen. RWE spielte eine Übernahme des dänischen Windkraftspezialisten Orsted durch, die jedoch scheiterte. Die Münchener Rück erwartete trotz globaler Krisen gute Geschäfte und erhöhte ihre Gewinnprognosen. Der Essenslieferdienst Just Eat Takeaway rechnete trotz Herausforderungen auf dem Nordamerika-Markt mit besseren Betriebsergebnissen als erwartet. Renault verzeichnete eine Steigerung der Fahrzeugverkäufe im Vergleich zum Vorjahr, und Uniper erwartete im Sommer eine Entscheidung im Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom.
Schließlich kündigte Nokia an, 360 Millionen Euro in Chip-Design in Deutschland zu investieren, insbesondere für Mobilfunktechnologien der nächsten Generation (5G-Advanced und 6G). Der britische Ölkonzern BP ernannte Murray Auchincloss zum neuen CEO, und GlobalWafers plante den Abbau ihres Aktienpakets von Siltronic über eine Umtauschanleihe. Schoeller-Bleckmann, ein österreichischer Ölfeldausrüster, erzielte trotz des schwachen US-Marktes im letzten Geschäftsjahr Rekorderlöse und Gewinne.
