Staatsfonds investieren 14,2 Milliarden Dollar in China und Hongkong
Nach einem Einbruch von 54 Prozent im Jahr 2025 steigen die Investitionen souveräner Fonds in China und Hongkong um 190 Prozent.

Staatsfonds weltweit haben ihre Investitionen in das chinesische Festland und Hongkong im laufenden Jahr deutlich ausgeweitet. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 flossen 14,2 Milliarden US-Dollar in die Region, wie Daten der in Singapur ansässigen Beratungsagentur Global SWF zeigen, die CNBC zur Verfügung gestellt wurden. Das entspricht einem Anstieg von 190 Prozent im Vergleich zu den Investitionen der Fonds im gesamten Jahr 2025.
Der Aufschwung markiert eine deutliche Trendwende. Im Jahr 2025 waren die Investitionen noch um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen, da geopolitische Spannungen und Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten Chinas die Anlegerstimmung belasteten. Getrieben wird die Wiederbelebung nun maßgeblich von souveränen Investoren aus dem Nahen Osten.
Besonders stark engagiert sich Saudi-Arabien: Allein auf das Public Investment Fund (PIF) entfielen 6 Milliarden US-Dollar der Zuflüsse. Es folgt die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) mit 2,5 Milliarden US-Dollar. Abu Dhabis Mubadala investierte 800 Millionen US-Dollar, die Qatar Investment Authority 600 Millionen US-Dollar.
Die Details
Zusammen machten die vier Golfstaaten-Fonds fast 70 Prozent der souveränen Investitionen in China und Hongkong in diesem Zeitraum aus. Das unterstreicht die wachsende Rolle des Nahostkapitals in der Region.
Das erneute Interesse an China entsteht, während souveräne Investoren zunehmend über geopolitische Spannungen hinausdenken, um Chancen in der chinesischen Technologie-, Biotechnologie-, Konsumgüter- und High-Tech-Produktionsbranche zu nutzen. Lee sagte, Chinas etablierte Stärken in der Fertigung und Biotechnologie könnten ihm einen Vorteil verschaffen, da sich die KI-Entwicklung zunehmend von Frontier-Modellen hin zu branchenspezifischen Anwendungen ausweite, einschließlich Robotik und Wirkstoffentwicklung. Chinas weit verzweigtes Netzwerk aus Fabriken und Forschungslaboren biete Zugang zu Echtzeitdaten, die bei der Entwicklung dieser Anwendungen zunehmend wertvoll werden könnten, fügte Lee hinzu.
Für Abu Dhabis Mubadala ist Asien insgesamt zu einem immer wichtigeren Zielort geworden, da der souveräne Investor sein Portfolio diversifizieren und seine Exposition gegenüber langfristigen Wachstumschancen vertiefen möchte. Andrew Wang, der die Konsumentenabteilung für Private Equity bei Mubadala leitet, sagte, das Unternehmen sehe überzeugende Möglichkeiten in China und verwies auf attraktive Bewertungen sowie den riesigen chinesischen Verbrauchermarkt, während der Fonds seine Präsenz in Asien weiter ausbaut. Chinesische Unternehmen rückten zunehmend von ihrem Ruf ab, nur preiswerte Waren zu produzieren, hin zu höherwertigen Produkten, sagte Wang, da inländische Marken weltweit eine stärkere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit demonstrieren.
Mubadala kündigte im September eine Minderheitsbeteiligung an Luckin Coffee in China an, als Teil eines Deals im Wert von rund 1 Milliarde US-Dollar zusammen mit Centurium Capital. Auch andere große Fonds haben in diesem Jahr ihr Interesse bekundet. Die Qatar Investment Authority und der norwegische Staatsfonds beteiligten sich im August an Alibabas Aktienplatzierung über 10,2 Milliarden US-Dollar, während Singapurs Temasek nach Möglichkeiten in China sucht, insbesondere in den Bereichen Biotechnologie, inländische Marken im Konsumgütersektor und KI-bezogene Hardware.
Sipahimalani wies auch auf Chinas wachsende Wettbewerbsfähigkeit entlang der Lieferkette für KI-Hardware hin und prognostizierte, dass chinesische Hersteller etablierte globale Player zunehmend herausfordern könnten. Temasek gehörte zu den Kerninvestoren beim mehrmilliardenschweren Börsengang des Herstellers optischer Komponenten Zhongji Innolight im Juli.
Pandu Sjahrir, Chief Investment Officer des indonesischen Staatsfonds Danantara, sagte CNBC, der Fonds plane ebenfalls, die Zusammenarbeit mit China über die bestehenden Partnerschaften in der Nickelverarbeitung und Batterieherstellung hinaus auszudehnen, mit wachsendem Interesse an künstlicher Intelligenz, Robotik, Gesundheitswesen und Energieeffizienz. Der indonesische staatliche Investor sieht Möglichkeiten, auf seinen Energieressourcen aufbauend digitale Infrastruktur für KI-Anwendungen und nachgelagerte Industrien zu entwickeln.
Trotz des starken Aufschwungs bleibt China im Vergleich zu westlichen Märkten ein relativ kleiner Zielpunkt für Kapital aus souveränen Staatsfonds. Die USA zogen in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 132,4 Milliarden US-Dollar an souveränen Investitionen an, verglichen mit 44,6 Milliarden US-Dollar für Europa und das Vereinigte Königreich. Die 14,2 Milliarden US-Dollar für China und Hongkong repräsentierten lediglich einen Bruchteil dieser Ströme.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass Luckin Coffee einen Markteintritt in den Golfstaaten prüft. David Li, Vorsitzender des in China ansässigen Unternehmens, bestätigte dies in einem exklusiven Interview mit CNBC. Li ist Mitgründer und CEO der Private-Equity-Firma Centurium Capital, die kontrollierende Aktionärin von Luckin ist. „Wir schauen uns derzeit andere Märkte an [und] treten möglicherweise in Regionen wie die Golfstaaten ein", sagte Li. Erst im frühen September hatten Mubadala und Centurium gemeinsam 1 Milliarde US-Dollar in Luckin investiert.
Am 10.07.2026 meldete aktien.news, dass Staatsfonds weltweit ihre Investitionsstrategien neu ausrichten. Laut einer Studie der IE University aus Spanien legen die Fonds, die zusammen mehr als 15 Billionen US-Dollar verwalten, neben klassischen Anlagerenditen zunehmend Wert auf strategische nationale Ziele – von krisenfester Infrastruktur bis hin zu Schlüsselindustrien im Inland. „Staatsfonds werden von Regierungen immer häufiger eingesetzt, um nationale Strategien umzusetzen und stärkere Positionen in den globalen Wertschöpfungsketten aufzubauen", sagte Javier Capapé, Herausgeber des Berichts und Direktor für Staatsfonds-Forschung an der IE University.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass Katar eine neue Plattform einrichtet, um das inländische Portfolio seines Staatsfonds im Wert von mehreren hundert Milliarden US-Dollar zu verwalten und auszubauen. Die Initiative namens „Doha Investment" markiert eine radikale Neuausrichtung der staatlichen Investitionslandschaft des gasreichen Golfemirats. Premierminister Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani kündigte die Gründung auf dem Qatar Economic Forum in New York an. Ziel sei es, die langfristige Wertschöpfung zu beschleunigen und die Beteiligung des privaten Sektors an der Wirtschaft des Landes zu stärken.
Bereits am 21.01.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Qatar Investment Authority (QIA) und Goldman Sachs eine weitreichende Absichtserklärung unterzeichnet haben, die ihre strategische Partnerschaft erheblich ausbauen soll. Im Zentrum stand ein Investitionsziel von 25 Milliarden US-Dollar, wobei die QIA als Ankerinvestor in mehreren führenden Strategien der US-Bank auftreten wird. „Dies bietet der QIA erstklassigen Dealflow in Sektoren, die für unsere Anlagestrategie entscheidend sind, darunter KI, Fintech, digitale Infrastruktur und Private Credit", erklärte QIA-CEO Mohammed Saif Al-Sowaidi.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert die Entwicklung vor allem ein Stimmungsbild: Das Kapital staatlicher Großinvestoren kehrt nach China zurück, nachdem geopolitische Risiken und Wachstumssorgen die Zuflüsse im Jahr 2025 hatten einbrechen lassen. Die treibende Kraft sind dabei nicht westliche, sondern nahöstliche Fonds, die offenbar bereit sind, geopolitische Spannungen auszublenden, um Bewertungs- und Wachstumschancen zu nutzen.
Auffällig ist die sektorale Ausrichtung. Die genannten Engagements konzentrieren sich auf Technologie, Biotechnologie, Konsumgüter und High-Tech-Produktion sowie auf KI-bezogene Hardware. Wer in chinesische oder asienorientierte Fonds investiert, sollte diese Schwerpunkte im Blick behalten. Zugleich mahnen die absoluten Zahlen zur Vorsicht: Gemessen an den Zuflüssen in die USA und nach Europa bleibt China für souveräne Investoren ein vergleichsweise kleiner Markt. Die 14,2 Milliarden US-Dollar sind nur ein Bruchteil der globalen Ströme.
Ausblick
Mehrere Fonds haben bereits erklärt, ihr Engagement in China und Asien ausbauen zu wollen. Mubadala will seine Präsenz in Asien weiter ausbauen und sieht in China überzeugende Möglichkeiten. Temasek sucht nach Chancen in Biotechnologie, inländischen Konsummarken und KI-bezogener Hardware. Der indonesische Staatsfonds Danantara plant, die Zusammenarbeit mit China über Nickelverarbeitung und Batterieherstellung hinaus auf künstliche Intelligenz, Robotik, Gesundheitswesen und Energieeffizienz auszudehnen. Ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die geopolitischen Spannungen und die wirtschaftlichen Aussichten Chinas entwickeln.
Kurz erklärt
- Staatsfonds: Ein staatlicher Investmentfonds, der überschüssige Devisenreserven oder Rohstoffeinnahmen eines Landes anlegt.
- Private Equity: Beteiligungskapital, das außerbörslich in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird.
- Börsengang: Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse zur Kapitalbeschaffung.
