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SpaceX und Anthropic könnten bald in Ihrem Indexfonds landen

S&P und Nasdaq prüfen Schnellaufnahme-Regeln für Mega-Cap-IPOs – mit weitreichenden Folgen für Millionen Anleger weltweit.

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SpaceX und Anthropic könnten bald in Ihrem Indexfonds landen

Indexanbieter wie S&P Dow Jones Indices und Nasdaq wollen ihre Aufnahmekriterien für Mega-Cap-Unternehmen grundlegend überarbeiten. Hintergrund sind die erwarteten Börsengänge von Schwergewichten wie Elon Musks Raketenunternehmen SpaceX und dem KI-Startup Anthropic. Beide Unternehmen erzielen am Privatmarkt Bewertungen, die mit denen vieler bereits börsennotierter Konzerne mithalten können.

Nasdaq hat bereits konkrete Schritte unternommen und sogenannte „Fast Entry"-Regeln eingeführt. Demnach können neu notierte Mega-Cap-Aktien – also solche, deren Marktwert sie unter die Top 40 des Nasdaq 100 bringen würde – bereits nach nur 15 Handelstagen für eine Aufnahme in den Index qualifiziert sein. Bislang konnte dieser Prozess bis zu einem Jahr dauern. Die Änderung ist damit ein erheblicher Einschnitt in die bisherige Praxis.

S&P 500 könnte Gewinnpflicht für Mega-Caps aufweichen

Auch S&P Dow Jones Indices, der Anbieter hinter dem weltweit beachteten S&P 500, prüft weitreichende Änderungen seiner Aufnahmekriterien. In einem Konsultationspapier der vergangenen Woche definiert S&P „Mega-Caps" als Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung, die mindestens so groß ist wie jene des 100. größten Unternehmens im S&P Total Market Index. Diese Schwelle liegt derzeit bei rund 110 Milliarden US-Dollar.

Besonders brisant: Solche Unternehmen wären nach den vorgeschlagenen Regeln auch dann für eine Aufnahme qualifiziert, wenn sie die bisherigen Anforderungen an die „finanzielle Tragfähigkeit" nicht erfüllen. Bisher verlangt S&P, dass ein Unternehmen im jüngsten Quartal sowie in der Summe der letzten vier aufeinanderfolgenden Quartale einen positiven GAAP-Nettogewinn ausweist. Diese Hürde würde für Mega-Caps künftig entfallen. Zusätzlich könnte S&P den sogenannten „Seasoning"-Zeitraum – also die Mindestzeit, die ein Unternehmen nach dem Börsengang warten muss – von 12 auf 6 Monate halbieren.

Konkret bedeutet das: SpaceX oder Anthropic wären unabhängig von ihren Finanzkennzahlen für den S&P 500 qualifiziert, sobald sie die Bewertungen von über einer Billion US-Dollar erreichen, die sie Berichten zufolge anstreben. SpaceX soll im vergangenen Jahr bereits Gewinne in Milliardenhöhe erzielt haben. Anthropic ist laut Berichten auf dem Weg, im Jahr 2028 die Gewinnschwelle zu erreichen.

Billionen von Anlegergeldern betroffen

Die Tragweite dieser Änderungen ist enorm. Allein die drei größten S&P-500-ETFs – der Vanguard S&P 500 (VOO), der iShares Core S&P 500 (IVV) und der SPDR S&P 500 (SPY) – verwalten zusammen ein Vermögen von rund 2,5 Billionen US-Dollar. Dieses Geld liegt in den Rentenkonten und Pensionsfonds von Millionen Anlegern weltweit, darunter auch viele deutsche Privatanleger, die über ETFs in diese Indizes investiert sind.

Kritiker warnen vor den Risiken einer zu schnellen Aufnahme. Rich Lee, Leiter Program Trading und Execution Strategy bei Baird, bringt es auf den Punkt: „Wenn das Ziel darin besteht, die Aktien mit der größten Marktkapitalisierung zu erfassen, hält dies die Indizes relevanter." Gleichzeitig mahnt er: „Das Risiko besteht darin, dass eine Aktie im Schnellverfahren möglicherweise nicht die Zeit und die ordnungsgemäße Prüfung erhält, die ein Indexanbieter normalerweise anwenden würde."

Für Privatanleger ist zudem wichtig zu wissen: Selbst wenn die Zulassungsvoraussetzungen gelockert werden, ist eine Aufnahme nicht automatisch garantiert. Indexanbieter behalten sich stets einen Ermessensspielraum vor. „Indexanbieter haben Kriterien, aber sie haben auch die Flexibilität zu entscheiden", so Lee weiter. „Der Prozess enthält eine subjektive Komponente." Händler wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach enttäuscht, wenn sie Aktien in Erwartung einer Indexaufnahme hochgekauft hatten – und diese dann ausblieb.

Der Wunsch der Indexanbieter, ihre Produkte aktuell und attraktiv zu halten, ist angesichts des starken Anlegerinteresses an Wachstums- und Technologieaktien nachvollziehbar. Ob die geplanten Änderungen letztlich im Sinne der breiten Anlegermasse sind, bleibt jedoch eine offene Frage – und dürfte die Finanzwelt noch länger beschäftigen.

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