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Schwellenländer verstärken Devisenmarktinterventionen

Währungsreserven steigen trotz globaler Unsicherheiten und Kritik des IWF

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Schwellenländer verstärken Devisenmarktinterventionen

Immer mehr Staaten bereiten sich auf Interventionen am Devisenmarkt vor, indem sie ihre Währungsreserven weiter ausbauen. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind es vor allem große Schwellenländer, die eine hohe Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen zeigen, um ihre eigene Währung zu stützen. DIW-Ökonom Lukas Menkhoff hat für seine Studie Wechselkursregime und Währungsreserven Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) untersucht und kommt zu dem Schluss, dass das Vertrauen in die Preisbildung auf freien Märkten offenbar abnimmt und die politische Kontrolle durch Devisenmarktinterventionen zunimmt.

Die Analyse zeigt, dass mit der zunehmenden Globalisierung die Staaten ab den 1990er-Jahren in großem Umfang Währungsreserven aufgebaut haben, die für Interventionen zur Wechselkurssteuerung notwendig sind. Die Reserven stiegen demnach anteilig zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von zwölf Prozent im Jahr 1990 auf 25 Prozent im Jahr 2022. Seit der weltweiten Finanzkrise 2008 kam die weitere Globalisierung ins Stocken. Man könnte erwarten, dass parallel auch die Währungsreserven abnehmen oder zumindest nicht weiter steigen. Doch das Gegenteil war der Fall: Nach Berechnungen von Menkhoff ist das Verhältnis der Währungsreserven zum BIP zwischen 2008 und 2022 um etwa ein Viertel gestiegen.

Ende des vergangenen Jahres kritisierte der IWF Indien für Eingriffe am Devisenmarkt zur Stützung der Rupie. Die indische Notenbank wies die Vorwürfe jedoch zurück und erklärte, sie habe nur interveniert, um zu große Schwankungen des Wechselkurses zu verhindern. Erst vor wenigen Tagen fiel die Rupie gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief. Laut dem Informationsdienst Bloomberg schrumpften die indischen Währungsreserven zuletzt um drei Milliarden Dollar auf rund 650 Milliarden Dollar, da die Notenbank versuchte, den Kurs zu stabilisieren.

Nicht nur Indien leidet unter der Stärke des US-Dollars. Laut Berechnungen der US-Bank JP Morgan haben die Währungen der Schwellenländer die schwächsten sechs Monate seit 2020 hinter sich. Umgekehrt ist der Bloomberg Dollar Spot Index, der die Entwicklung des Dollars gegenüber einem Korb aus zehn Währungen misst, auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen. Auch entwickelte Staaten intervenieren in großem Stil an den Devisenmärkten, um die eigene Währung zu stützen. Ein prominentes Beispiel ist Japan, dessen Notenbank eingeräumt hat, von Ende April bis Ende Mai über 60 Milliarden Dollar eingesetzt zu haben, um den Yen zu stützen, nachdem dieser auf den tiefsten Stand seit 34 Jahren gegenüber der US-Währung gefallen war.

Japans Vizefinanzminister Masato Kanda machte klar, dass weitere Eingriffe am Devisenmarkt jederzeit möglich sind, wenn übermäßige Schwankungen der gesamten Wirtschaft schaden drohen. DIW-Ökonom Menkhoff betont allerdings, dass diese Interventionsbereitschaft ihren Preis hat. Der Aufbau von Devisenreserven sei teuer und schränke den Handlungsspielraum der Staaten ein. Da diese Reserven in sicheren, aber schlecht verzinsten Währungen gehalten würden, verzichteten die Staaten auf Renditen, die sie mit Anlagen in höher verzinsten Papieren erzielen könnten. Menkhoff warnt, dass diese Entwicklung ein Schritt weg von einer westlich dominierten, multilateral geordneten Weltwirtschaft sei, hin zu einer Welt, in der Länder stärker ad hoc agieren. Europa werde damit zusammen mit wenigen anderen Staaten zu einer Ausnahme.

WährungenJapanIndienIWF

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