Sandisk unter Druck: Rekordzahlen treffen auf Sorgen um den Speicherzyklus
Die Sandisk-Aktie verlor im Oktober 24 Prozent, obwohl das Unternehmen im ersten Fiskalquartal Rekordzahlen vorlegte.

Die Aktie von Sandisk hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Trotz eines Kursanstiegs von über 350 Prozent seit Jahresbeginn verlor das Papier allein im Oktober 24 Prozent an Wert. Auch nach der jüngsten Quartalsbilanz am 29. Oktober reagierte der Markt mit einem Kursabschlag von 13,5 Prozent – obwohl das Unternehmen erneut mit exzellenten Wachstumszahlen überzeugte.
Der US-Speicherspezialist, der unter dem Ticker SNDK gehandelt wird, legte für das erste Fiskalquartal mit Stichtag 2. Oktober einen Umsatzsprung von 378 Prozent auf 11 Milliarden US-Dollar vor. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie (EPS) stieg von 1,22 US-Dollar auf 49,51 US-Dollar und übertraf damit die Prognosen deutlich. Die Bruttomarge verbesserte sich von 29,9 Prozent im Vorjahr auf 85,1 Prozent.
Für Anleger stellt sich damit die zentrale Frage: Handelt es sich bei dem Kursrückgang um eine Einstiegschance oder um ein Warnsignal für das Ende des Speicherbooms? Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, wie lange die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren anhält.
Das Rechenzentrumsgeschäft wächst um 1.682 Prozent
Den stärksten Treiber lieferte das Segment für Rechenzentren, das um 1.682 Prozent auf 4,8 Milliarden US-Dollar wuchs. Auch der Edge-Bereich, der Smartphones und PCs umfasst, legte um 320 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar zu. Deutlich rückläufig entwickelte sich dagegen das Konsumentengeschäft, das um 39 Prozent auf 397 Millionen US-Dollar schrumpfte.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich das Geschäftsmodell von Sandisk verschoben hat. Während klassische Speicherkarten und Consumer-Produkte an Bedeutung verlieren, dominiert zunehmend das Geschäft mit Speicherlösungen für Rechenzentren und KI-Anwendungen. Genau dieser Wandel erklärt die extremen Wachstumsraten der vergangenen Quartale.
Der Kursrückgang spiegelt die Sorge der Anleger wider, dass der aktuelle Speicherzyklus seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. Historisch gesehen ist der Speichermarkt durch ausgeprägte Boom-und-Bust-Zyklen gekennzeichnet, in denen auf Phasen knapper Kapazitäten und hoher Preise regelmäßig Überkapazitäten und Preisverfälle folgten.
Analysten weisen jedoch darauf hin, dass dieser Zyklus aufgrund der massiven Nachfrage durch KI-Rechenzentren anders verlaufen könnte. Da die großen Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron ihre Kapazitäten zunehmend auf High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Chips konzentrieren, bleibt das Angebot an NAND-Flash-Speicher begrenzt. Diese Knappheit stützt die Preise – ein struktureller Faktor, der sich von früheren Zyklen unterscheidet.
Um die Volatilität der Zyklen abzufedern, setzt das Management auf sogenannte „New Business Model“ (NBM)-Verträge. Sandisk hat bereits acht solcher Vereinbarungen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von über vier Jahren geschlossen. Das Mindestvolumen dieser Verträge liegt bei 93,9 Milliarden US-Dollar, wobei die Pipeline bis Ende des Jahrzehnts die aktuelle Produktionskapazität übersteigt.
Die früheren aktien.news-Berichte zeichnen ein Wechselspiel aus Rekordhoch und Rücksetzer
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Speicherspezialist SanDisk vor zwei Jahren noch gar nicht als eigenständiges Unternehmen existierte und heute zu den wichtigsten Playern in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) zählt. Damals notierte die Aktie im laufenden Jahr 2026 um 566 Prozent im Plus, seit Mitte des Jahres fiel es dem Unternehmen jedoch zunehmend schwer, die Marktstimmung zu befriedigen.
Am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Sandisk-Aktie seit dem 52-Wochen-Hoch vom 22. Juni um 45 Prozent eingebrochen war. Am 5. August veröffentlichte das Unternehmen die Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 (drei Monate bis zum 3. Juli), woraufhin die Aktie am Folgetag um weitere 7 Prozent nachgab. Für das Gesamtjahr 2026 meldete Sandisk damals einen Umsatzanstieg von 175 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 20,2 Milliarden US-Dollar.
Am 22.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Termin der Quartalszahlen am 29. Oktober in eine Phase fiel, in der die Aktie deutlich unter ihrem Höchststand notierte. Der fundamentale Treiber blieb unverändert: NAND-Speicher stellt eine wesentliche Komponente für Server dar, die KI-Trainingsworkloads abwickeln, und der massive Ausbau der Rechenzentren hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach NAND-Speichern weit über das Angebot hinausgeht.
Am 28.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Sandisk-Aktie am 25. Juni ihren Allzeithochstand erreicht hatte und bis zum 23. Oktober um 45 Prozent gegenüber diesem Höchststand gefallen war. Sandisk ist erst seit Februar 2025 wieder ein eigenständiges Unternehmen, nachdem die Firma zum zweiten Mal von Western Digital abgetrennt wurde, das sie im Mai 2016 übernommen hatte. Seit der Ausgliederung zählt Sandisk zu den besten Performern des Aktienmarktes.
Für deutsche Privatanleger hängt die Bewertung an der KI-Nachfrage
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 5 auf Basis der Schätzungen für 2027 gilt die Aktie als günstig bewertet. Während Skeptiker vor einem Ende des Speicherbooms warnen, betonen Optimisten, dass Sandisk als einer der wenigen Anbieter von NAND-Flash-Speicher für KI-Anwendungen unverzichtbar bleibt. Angesichts der starken operativen Performance und der langfristigen vertraglichen Absicherung werten Experten den jüngsten Kursrückgang als potenzielle Kaufgelegenheit für langfristig orientierte Anleger.
Zu beachten ist, dass die genannten Beträge in US-Dollar ausgewiesen sind und die Bewertung stark von der Erwartung abhängt, dass die Nachfrage nach KI-Speicher über Jahre hinweg hoch bleibt. Ein KGV von etwa 5 signalisiert, dass der Markt genau diese Annahme derzeit nur eingeschränkt honoriert. Die acht NBM-Verträge mit ihrer durchschnittlichen Laufzeit von über vier Jahren sind der Versuch des Managements, diese Erwartung vertraglich abzusichern.
Der Aktiensplit am 19. November und die NBM-Verträge bestimmen die nächsten Schritte
Sandisk kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis acht zu eins für den 19. November an, um die Aktie für Investoren und Mitarbeiter zugänglicher zu machen. Die acht NBM-Verträge haben eine durchschnittliche Laufzeit von über vier Jahren, und die Pipeline reicht bis Ende des Jahrzehnts. Ob der Speicherzyklus tatsächlich anders verläuft als in der Vergangenheit, wird sich an den kommenden Quartalszahlen und der Preisentwicklung bei NAND-Flash zeigen.
Drei Fachbegriffe ordnen das Geschäft von Sandisk ein
- NAND-Flash: Ein nichtflüchtiger Speichertyp, der Daten auch ohne Stromversorgung behält und in SSDs, Smartphones und Servern eingesetzt wird.
- High Bandwidth Memory (HBM): Eine besonders schnelle Speichertechnik, die nahe an KI-Prozessoren verbaut wird, um große Datenmengen rasch zu übertragen.
- Aktiensplit: Die Aufteilung einer bestehenden Aktie in mehrere neue Anteilsscheine, wodurch der rechnerische Kurs je Aktie sinkt, ohne den Unternehmenswert zu verändern.
