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Rüstungsaktien unter Druck: Warum Rheinmetall & Co. schwächeln

Trotz Rekordrüstungsausgaben und anhaltender Krisen verlieren europäische Verteidigungsaktien an der Börse deutlich an Schwung.

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Rüstungsaktien unter Druck: Warum Rheinmetall & Co. schwächeln

Die Verteidigung Europas ist politisch so präsent wie selten zuvor – doch an der Börse ist die Begeisterung für Rüstungsaktien merklich abgekühlt. Besonders deutlich zeigt sich das am deutschen Branchenriesen Rheinmetall. Vor gut einem Jahr durchbrach die Aktie die symbolische Marke von 2.000 Euro – ein Meilenstein, der damals als Ausdruck einer neuen Zeitenwende gefeiert wurde. Seitdem geht es bergab.

Das ist umso bemerkenswerter, weil die fundamentalen Treiber eigentlich intakt scheinen: Der Krieg in der Ukraine dauert an, die Bündnistreue der USA steht in Frage, und die Quartalszahlen von Rheinmetall können sich sehen lassen. Dennoch straft der Markt das Papier ab. WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar und Finanzexperte Christian W. Röhl haben sich mit den Hintergründen dieser Entwicklung auseinandergesetzt.

US-Dominanz prägt die globale Rüstungsbranche

Um die aktuelle Lage zu verstehen, lohnt ein Blick auf die historische Struktur des globalen Rüstungsmarktes. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Branche an der Börse nicht von europäischen Konzernen wie Rheinmetall, dem italienischen Leonardo oder dem französischen Thales bestimmt, sondern von der US-Industrie. Dort wurde entwickelt, dort wurde verkauft – und dort floss das Kapital der Investoren.

Ein anschauliches Beispiel für diese Dominanz liefert der Indexanbieter MSCI: Es gibt zwar einen eigenen Index für europäische Luft- und Rüstungsunternehmen, einen vergleichbaren US-Index sucht man jedoch vergeblich. Der Grund: Der globale Weltindex wird so stark von amerikanischen Unternehmen dominiert, dass eine separate Ausgliederung als überflüssig gilt. Die Botschaft ist eindeutig – auf globaler Finanzebene ist die US-Branche alles, Europa lediglich eine Nische.

Auch ein Blick auf die Kursentwicklung beider Indizes seit der Jahrtausendwende bestätigt dieses Bild. Die USA enteilen der europäischen Konkurrenz schnell und stabil – und das in rein relativer Betrachtung.

Trumps Wiederwahl als Wendepunkt

Die Wiederwahl Donald Trumps markiert einen Einschnitt in dieser langjährigen Konstellation. Die aktuelle US-Regierung hat innerhalb der NATO durchgesetzt, dass alle Mitgliedsstaaten ihre Verteidigungsausgaben nicht nur erhöhen sollen, sondern es auch tatsächlich tun. Da der Nachholbedarf in Europa besonders groß ist, fließen hier die größten Summen.

Entscheidend für die Börse ist dabei nicht allein die absolute Höhe der Ausgaben, sondern deren Wirkung auf Auftragsbücher und Umsätze der europäischen Rüstungskonzerne. Und tatsächlich: Nach Trumps Amtsantritt erkannte der Markt zunächst mehr Wachstumspotenzial in Europa als in den USA. Doch seit Anfang 2026 ist diese Dynamik verschwunden.

Kapital fließt in neue Richtungen

Röhl und von Buttlar nennen mehrere Erklärungen für den nachlassenden Schwung. Zum einen ist der sogenannte Rüstungs-Trade breiter geworden – Investoren setzen nun auch verstärkt auf asiatische Märkte. Zum anderen drängen immer mehr Unternehmen in den Sektor, die ziviles Know-how auf militärische Anwendungen übertragen, wie Röhl erläutert.

Hinzu kommen zahlreiche Defense-Tech- und Drohnen-Start-ups, die agiler auf die Asymmetrie moderner Kriegsführung reagieren – eine Entwicklung, die zuletzt auch im Iran-Krieg sichtbar wurde. Diese jungen Unternehmen ziehen massiv Kapital an, das damit entweder in andere Märkte oder abseits der Börse investiert wird.

Manufaktur statt Fließband bremst Effizienzgewinne

Ein weiterer struktureller Faktor belastet die Kursperspektiven der klassischen Rüstungskonzerne: die Art ihrer Produktion. Panzer und Artillerie werden nicht am Fließband gefertigt, sondern in aufwendiger Manufakturarbeit. Das begrenzt die Möglichkeiten zur Automatisierung und zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz erheblich – und damit auch die Geschwindigkeit, mit der neue Regierungsaufträge abgearbeitet werden können.

Angesichts all dieser Faktoren sehen Röhl und von Buttlar wenig Anlass für die Erwartung, dass die großen Rüstungskonzerne in naher Zukunft wieder ein starkes Kursmomentum entwickeln. Als mögliche Ausnahme in Europa gilt der geplante Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS – doch auch hier sind noch einige politische Fragen offen.

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