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Raspberry-Pi-Gründer Eben Upton: „Ich bin ein Omni-Geek“

Raspberry-Pi-Gründer Eben Upton über KI-Skepsis, den Börsenerfolg und seine Mission

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Raspberry-Pi-Gründer Eben Upton: „Ich bin ein Omni-Geek“

Eben Upton, der Schöpfer des Raspberry Pi, ist ein Mann mit einer Mission: Er will die Welt der Informatik für jedermann öffnen. Der 48-jährige Brite hat mit seinem kreditkartengroßen Einplatinencomputer ein Imperium aufgebaut. Mehr als 75 Millionen seiner preiswerten Rechner hat das Unternehmen seit der Gründung verkauft. Seit dem Börsengang an der Londoner Börse im Jahr 2024 sind die Aktien um 40,5 Prozent gestiegen.

Doch Upton ist kein typischer Tech-Unternehmer. In einem ausführlichen Gespräch mit der Financial Times beim „Lunch with the FT“ im walisischen Roots Restaurant im Llanerch Vineyard Hotel gibt er tiefe Einblicke in seine Philosophie. „Ich bin ein Omni-Geek. Ich kann über alles ein Geek sein“, sagt er zu Beginn des Treffens. Und er meint es ernst: Seine Interessen reichen von der Aussprache von Vokalen über das Design von Siliziumchips bis hin zur asymptotischen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Vom BBC Micro zum Milliarden-Geschäft

Uptons Leidenschaft für Technik begann in seiner frühesten Kindheit in Papua-Neuguinea, wo sein Vater zeitweise Englisch unterrichtete. „Meine allererste Erinnerung ist an die Elektrotechnik“, erinnert er sich. Später wechselte er von Lego zu einem BBC-Micro-Computer, auf dem er erste Spiele programmierte – wie viele Kinder seiner Generation. Er war größtenteils Autodidakt und verschlang die berühmten Computerbücher von Usborne.

1996 trat Upton an der Universität Cambridge ein, um Physik zu studieren. Später wechselte er zur Ingenieurwissenschaft und promovierte. Als Direktor für Studienangelegenheiten in Computerwissenschaften am St John's College war er bestürzt über den starken Rückgang der Bewerberzahlen. Während er und seine Freunde auf einfachen Heimcomputern programmieren lernten, stand der nächsten Generation nur vergleichsweise „schlechte Plattformen“ zur Verfügung. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee für Raspberry Pi: die Schaffung günstiger und zugänglicher programmierbarer Hardware.

Die Stiftung als Herzstück

Gemeinsam mit seiner Frau Liz, einer Juristin, und mehreren Mitbegründern startete Upton 2008 die Raspberry Pi Foundation. Die Verfügbarkeit der kreditkartengroßen Computer für anfangs nur 25 Pfund löste eine fast kultartige Wiederbelebung des Interesses an programmierbarer Informatik aus. Letztes Jahr war Informatik der wettbewerbsintensivste Bachelorstudiengang in Cambridge – nur 7 Prozent der 1.739 Bewerber wurden angenommen.

Die Stiftung, die bei der Notierung von Raspberry Pi mit 136 Millionen Pfund ausgestattet wurde, hat seit ihrer Gründung bis Ende letzten Jahres 112 Millionen Pfund ausgegeben. Sie hält heute noch 41 Prozent des ausgegliederten Fertigungsunternehmens. Mit den Einnahmen wurden 2,3 Millionen junge Menschen durch Programmierclubs geführt und mehr als 250.000 Lehrer ausgebildet.

Allerdings stellte Upton fest, dass der ursprüngliche Ansatz hauptsächlich einer engen, selbstauslesenden Gruppe aus relativ privilegierten Verhältnissen half. „Ohne irgendeine Form von einheitlicher Bereitstellung entsteht diese seltsame demografische Schieflage. Im Großen und Ganzen sind es die Leute, die Computerspiele spielen“, sagt er. Unter der Leitung von Philip Colligan, der 2015 die Nachfolge als Chief Executive antrat, verlagerte sich der Fokus darauf, einer viel breiteren Gruppe von Schülern das Programmieren beizubringen.

KI-Skeptiker im Silicon-Valley-Hype

Uptons Ansichten zur Künstlichen Intelligenz weichen erheblich vom Konsens im Silicon Valley ab. Während die Führer der großen KI-Unternehmen einen fast religiösen Glauben an eine baldige Superintelligenz haben, ist Upton technologischer Agnostiker. „Die meisten von ihnen haben diesen leicht messianischen Touch“, sagt er.

Er räumt die beeindruckenden Fähigkeiten generativer KI-Modelle ein und schätzt, dass KI das trendbereinigte BIP-Wachstum um einen Prozentpunkt über einige Jahrzehnte steigern könnte. Doch er bezweifelt, dass die Modelle „ins Unendliche schreien“ oder gottgleiche Kräfte erreichen werden. Als „mehlig-sturer Ingenieur“ hinterfragt er, wie gut KI-Modelle mit der realen Welt interagieren können. „Sie sind gleichzeitig erstaunlich und enttäuschend. Was die Qualität ihrer Ausgabe betrifft, sind sie brutal begrenzt“, sagt er.

Upton spekuliert, dass KI-Modelle ein Plateau erreichen und möglicherweise nie die Superintelligenz erreichen werden. Die menschliche Intelligenz könnte sich als Asymptote erweisen – eine feste Linie, die von der KI-Kurve niemals durchbrochen wird. Gegenüber den Evangelisten im Silicon Valley zeigt er sich skeptisch: „Es kann manchmal schwer zu sagen sein, ob sie so reden, weil man so Geld aufnimmt, oder ob sie so reden, weil sie es wirklich glauben. Aber ich denke, es gibt viele von ihnen, für die es beides ist.“

Raspberry Pi als Gewinner der KI-Revolution

Paradoxerweise könnte die KI-Entwicklung für Raspberry Pi äußerst vorteilhaft sein. Die „Zentrifugalkräfte“ der Technologie werden den Bedarf an KI am Rand von Computernetzwerken massiv erhöhen. Da einfache KI-Modelle effizienter werden, müssen sie möglicherweise keine teuren Nvidia-Grafikprozessoren mehr verwenden, sondern können auf die altmodischen Zentralprozessoren von Raspberry Pi zurückgreifen. Während Upton diese Entwicklung ursprünglich in Jahren sah, spricht er nun von Monaten.

Die anpassungsfähigen Computerkarten werden bereits für unzählige industrielle Anwendungen eingesetzt – vom Betrieb der riesigen Bildschirme am Flughafen Heathrow über die Erkennung von Hautkrebs durch Ärzte bis hin zur Identifizierung trockener Felder durch Landwirte mit Drohnen. „KI ist fantastische Neuigkeiten für jeden, der kosteneffektive Hardware für das Netzwerkrandgebiet herstellt“, sagt Upton.

Größere Sorge: Technologiegestützter Autoritarismus

Upton lässt sich von Großbritanniens langer Geschichte technologischer Innovation inspirieren. „Großbritannien war der einzige Ort, der eine dauerhafte Entkopplung von Geld und Macht erreicht hat“, sagt er mit Blick auf die Industrielle Revolution. Seine größte Sorge heute ist, dass Geld und Macht wieder gekoppelt werden, während die Technologie die Politik erfasst.

Während an der US-Westküste düstere Tech-Typen über ihre p(doom)-Scores sprechen – die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer außer Kontrolle geratenen KI –, sieht Upton die größere Bedrohung woanders. „Die p(doom) ist wahrscheinlich kein Paperclip-Maximizer. Die p(doom) ist wahrscheinlich Russland“, sagt er. Die politische Bedrohung durch technologiegestützten Autoritarismus wiegt für ihn schwerer als die einer außer Kontrolle geratenen Superintelligenz.

Nach dem Mittagessen führt Upton den FT-Journalisten noch in die nahegelegene Sony-Fabrik, die Raspberry Pi produziert. Offiziell eröffnet von Königin Elisabeth II. im Jahr 1993, stellt die Anlage heute neben hochwertigen Videokameras vor allem die berühmten Mini-Computer her. In diesen Gegenden gilt Upton als lokaler Held – ein Omni-Geek, der bewiesen hat, dass ein europäisches Technologieunternehmen im Zeitalter der KI gegen US-amerikanische und chinesische Konkurrenten bestehen kann.

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