Polymarket-CEO Coplan: Vorhersagemärkte schlagen spekulative Altcoins bei Renditen
Shayne Coplan hält Prognosemärkte für die vorhersehbarere Alternative zum hochspekulativen Altcoin-Handel – und nennt einen klaren Grund.

Shayne Coplan, CEO der Prognosemarkt-Plattform Polymarket, vertritt eine klare These: Krypto-Investoren können mit Vorhersagemärkten überlegene Renditen erzielen. Seine Begründung richtet sich gegen genau das Verhalten, das viele Anleger im Krypto-Segment täglich zeigen – dem kurzfristigen Momentum hinterherzujagen. Der Beitrag erschien beim US-Finanzportal Motley Fool.
Coplan zufolge neigen Investoren auf dem Spot-Kryptomarkt dazu, kurzlebigen Momentum-Trends zu folgen, deren Wert stark ansteigt. Diese Altcoins brechen jedoch typischerweise zusammen und verlieren ihren Wert, sobald die „irrationale Euphorie“ nachlässt. Genau dieses Muster macht den Handel mit kleinen, spekulativen Token aus Sicht des Polymarket-Chefs so riskant.
Bei Vorhersagemärkten sieht Coplan dagegen einen strukturellen Vorteil: Es sei möglich, sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten Gewinne zu erzielen, während man gleichzeitig ein relativ geringeres Risiko eingeht. Damit positioniert er Prognosemärkte als vorhersehbarere Alternative zur Verfolgung hochspekulativer Altcoins.
Die Details
Im Zentrum der Aussage steht der Vergleich zweier Handelswelten. Auf der einen Seite der Spot-Kryptomarkt, auf dem Anleger laut Coplan kurzlebigen Momentum-Trends folgen. Diese Trends treiben den Wert von Altcoins stark nach oben, kippen aber typischerweise, sobald die „irrationale Euphorie“ abklingt – die Kurse brechen ein und verlieren ihren Wert.
Auf der anderen Seite stehen die Vorhersagemärkte, für die Coplan als CEO von Polymarket spricht. Deren entscheidender Vorteil liegt in der Symmetrie: Gewinne sind seinen Angaben zufolge sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten möglich. Hinzu kommt aus seiner Sicht ein relativ geringeres Risiko im Vergleich zum spekulativen Altcoin-Handel.
Die Aussage fällt in eine Phase, in der Prognosemärkte stark an Bedeutung gewinnen. Wie aktien.news bereits am 28.08.2026 berichtete, verbuchten Kalshi, Polymarket und Polymarket US im Juli gemeinsam ein Rekordhandelsvolumen von 50,59 Milliarden US-Dollar, wobei Kalshi etwa 74,5 Prozent des Gesamtvolumens ausmachte. Der neue Dienst Predictions.io verfolgt über 9.700 Märkte auf Kalshi, Polymarket und Manifold an einem Ort.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung der Prognosemärkte ist bei aktien.news seit Monaten ein Thema – und die Berichterstattung zeichnet ein differenziertes Bild. Bereits am 25.05.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse der Strategen von Evercore ISI unter Leitung von Julian Emanuel. Deren Kernaussage: Kontrakte mit höherem Handelsvolumen liefern zuverlässigere Wahrscheinlichkeiten als marktenge Märkte, und Kontrakte, die näher an ihrem Fälligkeitsdatum liegen, weisen eine höhere Vorhersagekraft auf als langfristige Kontrakte. Hohes Handelsvolumen, kurzfristige Laufzeiten und eindeutige Fragestellungen sind demnach die entscheidenden Zutaten für verlässliche Vorhersagen.
Am 02.07.2026 folgte ein kritischer Blick: Eine Analyse des US-Finanzsenders CNBC zeigte, dass rund 70 Prozent aller abgeschlossenen Einzelmärkte auf Polymarket zwischen 2021 und Ende Mai dieses Jahres ein gemeldetes Volumen von unter 10.000 US-Dollar aufwiesen. Die Daten stammen aus der Gamma-API von Polymarket, die das Nominalvolumen auf beiden Seiten eines Handels erfasst. Hinter den beeindruckenden Gesamtzahlen verbirgt sich damit ein strukturelles Problem, das Nutzer erheblichen Risiken aussetzt.
Erst am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi zunehmend professionelle Akteure anziehen. Das macht die Märkte effizienter, aber auch schwerer zu schlagen. Eine aktuelle Studie zeigte, dass nur drei Prozent der Konten konsistent profitabel handeln – und dieser Anteil könnte weiter sinken. Ein akademisches Arbeitspapier, das Handelsgeschäfte im Wert von 13,76 Milliarden Dollar auf Polymarket analysierte, kam zu diesem Ergebnis.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Aussage des Polymarket-CEOs zunächst eine Positionierung des eigenen Unternehmens – Coplan spricht für eine Plattform, die von wachsendem Handelsvolumen profitiert. Wer die Argumentation nachvollziehen will, sollte zwei Punkte getrennt betrachten: die grundsätzliche Mechanik von Vorhersagemärkten und die Frage, ob man auf ihnen tatsächlich dauerhaft Geld verdient.
Die Mechanik spricht für sich: Weil auf ein Ereignis in beide Richtungen gehandelt werden kann, lässt sich theoretisch in steigenden wie in fallenden Märkten profitieren. Das unterscheidet Prognosemärkte strukturell vom klassischen Long-only-Ansatz vieler Krypto-Anleger, die auf steigende Kurse angewiesen sind. Coplan zufolge geht damit zudem ein relativ geringeres Risiko einher als beim Halten hochspekulativer Altcoins.
Gleichzeitig mahnen die archivierten Berichte zur Vorsicht. Die Professionalisierung schreitet voran, und mit ihr sinkt die Zahl derer, die konsistent profitabel handeln. Die Evercore-ISI-Analyse liefert zudem konkrete Kriterien, an denen sich Anleger orientieren können: hohes Handelsvolumen, kurzfristige Laufzeiten und eindeutige Fragestellungen. Die CNBC-Daten wiederum zeigen, dass ein großer Teil der Polymarket-Märkte nur ein sehr geringes Volumen aufweist – ein Hinweis darauf, dass nicht jeder Markt die nötige Liquidität für verlässliche Preise bietet. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Konkrete Termine oder Prognosen nennt der Quelltext nicht. Klar ist, dass die Branche der Prognosemärkte weiter wächst: Das im August 2026 berichtete Rekordvolumen von 50,59 Milliarden US-Dollar im Juli und die zunehmende institutionelle Beteiligung deuten auf eine Fortsetzung der Professionalisierung hin. Ob sich Coplans These von den überlegenen Renditen für Krypto-Investoren in der Breite bestätigt, werden künftige Daten zeigen – die zuletzt berichtete Profitabilitätsquote von drei Prozent der Konten lässt daran zumindest Zweifel zu.
Kurz erklärt
- Prognosemarkt: Eine Handelsplattform, auf der Kontrakte auf den Ausgang künftiger Ereignisse gehandelt werden und deren Preise eine Wahrscheinlichkeit abbilden.
- Altcoin: Eine Kryptowährung neben Bitcoin, die häufig kleiner, jünger und deutlich spekulativer ist.
- Momentum-Trend: Eine kurzfristige Kursbewegung, der Anleger folgen, weil sie auf eine Fortsetzung der Bewegung setzen.
- Liquidität: Die Verfügbarkeit von Handelsvolumen in einem Markt, die bestimmt, wie zuverlässig Preise zustande kommen.
