Optionshändler setzen vor US-Zwischenwahlen stark auf Solar- und Clean-Energy-Aktien
Der Invesco Solar ETF verzeichnet das Vierzigfache des üblichen Volumens, 99 Prozent davon Calls – eine Wette auf einen demokratischen Wahlsieg.

Da die Prediction Markets einen deutlichen Sieg der Demokraten bei den Midterm-Wahlen am Dienstag einpreisen, konzentrieren sich Optionshändler auf eine Gruppe von Aktien, die Anleger häufig als Nutznießer einer linksgerichteten Führung betrachten. Im Zentrum steht das Optionsgeschäft mit Clean-Energy-Aktien, insbesondere mit Herstellern von Solarmodulen. Das Volumen schoss am Dienstag in die Höhe, wie der US-Sender CNBC Markets berichtet; CNBC begleitet die Midterm-Wahlen 2026 mit einem laufenden Live-Reporting.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur bisherigen Kursentwicklung. Die Gruppe der Solarwerte steht seit fünf Monaten unter Verkaufsdruck, und die meisten Unternehmen des Branchenverbunds verzeichnen im Jahresvergleich noch immer ein Minus. Das Interesse der Derivatehändler richtet sich damit nicht auf bereits erzielte Kursgewinne, sondern auf die Erwartung, dass ein politischer Machtwechsel in Washington die Rahmenbedingungen der Branche verändert. Die Positionierung ist also weniger eine Reaktion auf Fundamentaldaten als auf das erwartete Wahlergebnis.
Deutlichster Ausdruck dieser Haltung ist der Invesco Solar ETF mit dem Ticker TAN. Sein Handelsvolumen stieg laut Daten von Cboe LiveVol am Dienstag auf das Vierzigfache des üblichen Niveaus. Der Fonds, der im vergangenen Monat durchschnittlich weniger als 500 Kontrakte pro Tag handelte, notierte bis zur Mittagszeit mehr als 20.000 Kontrakte. 99 Prozent dieser Kontrakte waren Call-Optionen, also Wetten auf steigende Kurse.
Im TAN konzentriert sich die Nachfrage auf Dezember-Calls bei 50 US-Dollar
Bei den konkreten Kontrakten zeigt sich, wie gezielt die Händler auf einen Kursanstieg setzen. Der beliebteste Trade im TAN war laut Daten von SpotGamma der Kauf der Call-Option mit einem Ausübungspreis von 50 US-Dollar für Dezember zum Preis von 80 Cent. Dieser Handel unterstellt einen Kursanstieg von 17 Prozent. Für nähere Fälligkeiten waren zudem die Calls mit den Ausübungspreisen 46 und 47 US-Dollar gefragt. Die Nachfrage verteilt sich damit über mehrere Laufzeiten, bleibt aber klar auf die Oberseite ausgerichtet.
Die Kurshistorie des Fonds verläuft in großen Ausschlägen. Der ETF hatte sich nach seinem Pandemietief vor der Wahl 2020 um mehr als 400 Prozent erholt, gab jedoch fast alle Gewinne bis April des Vorjahres wieder zurück. Daran wird deutlich, wie stark politische und regulatorische Signale aus Washington die Bewertung von Solarunternehmen bewegen können. Der aktuelle Optionshandel ist ein Vorgriff auf ein Ereignis, dessen Ausgang aus Sicht der Händler bereits festzustehen scheint.
Bei SolarEdge läuft der Optionshandel auf dem Dreifachen des Durchschnitts
Unter den Einzelaktien hebt sich SolarEdge Technologies hervor. Das Papier läuft auf ein dreimal höheres als durchschnittliches Volumen, und mehr als 75 Prozent des Optionshandels entfallen auf Calls. Das Unternehmen veröffentlicht morgen vor Börseneröffnung seine Quartalszahlen und legte am Dienstag um mehr als 6 Prozent zu. Der populärste Trade war der Kauf der Call-Option mit dem Ausübungspreis von 35 US-Dollar, die am Freitag abläuft. Die Kombination aus kurzer Laufzeit und bevorstehendem Zahlenwerk macht diese Position besonders ereignisabhängig.
Enphase Energy erholt sich vollständig und zieht Call-Käufer an
Auf die politische Logik der Wetten angesprochen, äußerte sich Charlie Moon von der Prosper Trading Academy mit Sitz in Chicago zurückhaltend. „Ich würde nur dann in Solarenergie investieren, wenn es im Weißen Haus blau ist", sagte Moon. Zugleich verwies er auf ein Unternehmen, das aus seiner Sicht aus der Gruppe herausragt: „Aber Enphase sticht durch Insider-Käufe heraus."
Die Bullen beschäftigten sich tatsächlich mit Enphase Energy. Die Aktie war nach den Ergebnissen der vergangenen Woche um 20 Prozent gefallen, hat sich seither aber vollständig erholt und legte am Dienstag um 9 Prozent zu. Bei einem doppelten Durchschnittsvolumen kauften Händler wahrscheinlich 8.600 Calls im Vergleich zu weniger als 900 Puts. Der beliebteste Trade bei Enphase bestand im Kauf der Januar-Call-Option mit dem Ausübungspreis von 35 US-Dollar; dieser Handel kostet 2,45 US-Dollar pro Kontrakt und setzt voraus, dass Enphase um 23 Prozent steigt.
Bereits am 29. Oktober 2026 berichtete aktien.news von einem routinemäßig eingepreisten Wahlausgang
Die aktuelle Optionsaktivität steht in einer längeren Beobachtungsreihe. Bereits am 29. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Optionshändler an der Wall Street die US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 als weitgehend routinemäßiges Ereignis mit klarem Ausgang einpreisen. Die Man Group als weltweit größte börsengelistete Hedgefonds- und Alternativengruppe warnte in ihrer Analyse der Optionsmärkte jedoch, ein verzögerter Auszählprozess könnte die ohnehin angespannten Märkte überraschen. Konkret berechnete die Gruppe anhand von S&P-500-Optionen, dass für den 4. November – den Tag nach den Zwischenwahlen – etwa das 1,2-fache der typischen täglichen Volatilität eingepreist wird, rund 20 Prozent mehr als üblich.
Auch die Wahrscheinlichkeitsbewertung der Politik hat sich über Wochen verschoben. Am 24. September 2026 berichtete aktien.news, dass die Chancen der Demokraten auf einen Gewinn beider Kammern des US-Kongresses laut dem Vorhersagemarkt Polymarket auf einen neuen Höchststand von 66 Prozent gestiegen waren. Am 1. Oktober 2026 folgte die Einordnung, dass der Konsens der Wall-Street-Analysten damals noch davon ausging, die Demokraten eroberten das Repräsentantenhaus, während die Republikaner den Senat halten können; die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen lag seinerzeit stabil bei rund 5,25 Prozent. Am 3. Oktober 2026 verwies aktien.news auf historische Daten der Carson Group, wonach der Oktober in Jahren mit Zwischenwahlen seit 1950 durchschnittlich um 3 Prozent und der November um 2,7 Prozent zulegte.
Für deutsche Anleger bleibt die Wette eng an das Wahlergebnis gekoppelt
Für Privatanleger in Deutschland, die über ETFs oder Einzelaktien am US-Solarmarkt engagiert sind, ist die Einordnung wichtig: Die hohe Optionsaktivität ist eine politische Wette und keine fundamental begründete Neubewertung der Branche. Der Sektor steht seit fünf Monaten unter Verkaufsdruck, und die meisten Unternehmen des Branchenverbunds liegen im Jahresvergleich im Minus. Zudem konzentriert sich die Positionierung auf kurze Laufzeiten – bei SolarEdge läuft der populärste Kontrakt bereits am Freitag ab. Wer solche Wetten über Optionen nachbildet, trägt das Risiko, dass die gezahlte Prämie vollständig verfällt, falls der erwartete Kursanstieg ausbleibt. Der Quelltext enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung; die genannten Kontrakte, Kurse und Volumina sind reine Marktbeobachtungen.
Hinzu kommt die zeitliche Kopplung: Die Wetten laufen auf Termine, die unmittelbar bevorstehen, und nicht auf einen mehrjährigen Anlagehorizont. Ein Wahlausgang, der von den Prediction Markets abweicht, würde die Prämien dieser Positionen unmittelbar entwerten. Umgekehrt ist ein bereits eingepreister Sieg der Demokraten kein Garant für weiter steigende Kurse, weil die Erwartung dann bereits im Preis enthalten wäre.
Der Terminkalender der kommenden Tage ist dicht gefüllt
Für die weitere Entwicklung sind mehrere Termine bereits bekannt. Am Dienstag stehen die Midterm-Wahlen an, deren Ergebnis die Prediction Markets derzeit mit einem deutlichen Sieg der Demokraten einpreisen. Für Mittwoch, den 4. November, hat die Man Group eine erhöhte eingepreiste Volatilität im S&P 500 von etwa dem 1,2-fachen des typischen Tageswerts berechnet. Bei den Einzelwerten meldet SolarEdge Technologies morgen vor Börseneröffnung seine Quartalszahlen, und der populärste SolarEdge-Call-Kontrakt läuft am Freitag aus. Bei Enphase Energy bezieht sich der meistgehandelte Kontrakt auf Januar und setzt einen Kursanstieg von 23 Prozent voraus. CNBC führt die Berichterstattung zu den Wahlen 2026 fort.
Diese drei Fachbegriffe ordnen den Optionshandel ein
- Call-Option: Ein Kontrakt, der dem Käufer das Recht gibt, einen Basiswert bis zu einem festgelegten Termin zu einem vorab vereinbarten Preis zu erwerben, wofür eine Prämie gezahlt wird.
- Ausübungspreis: Der im Optionskontrakt festgeschriebene Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung gekauft oder verkauft werden darf.
- Prediction Market: Ein Handelsplatz, an dem Marktteilnehmer auf die Wahrscheinlichkeit künftiger Ereignisse wie Wahlen setzen und daraus laufend quotierte Wahrscheinlichkeiten entstehen.
