Ölexporte im Nahen Osten erholen sich: Brent steigt über 110 Dollar
Neue Angriffe auf Saudi-Arabien befeuern Sorgen vor Versorgungsunterbrechungen, während die Ausfuhren aus dem Persischen Golf wieder steigen.

Die Ölexporte aus dem Persischen Golf erholen sich weiter und nähern sich dem Niveau vor Beginn des Krieges. Doch die Risiken und die Kosten für den Marktzugang bleiben hartnäckig hoch. Neue Angriffe auf Saudi-Arabien haben die Befürchtungen vor Versorgungsunterbrechungen wieder angefacht.
Der Brent-Rohölpreis kletterte am frühen Donnerstag über 110 US-Dollar pro Barrel. Das berichtet das US-Finanzportal MarketWatch in seiner Morgenübersicht. Der Bericht wurde am 22. Oktober 2026 veröffentlicht.
Damit zeigt sich ein Muster, das den Ölmarkt seit Monaten prägt: Die Fördermengen kommen zurück, doch die Preise bleiben hoch. Die Marktteilnehmer preisen offenbar weiterhin ein, dass Lieferungen jederzeit unterbrochen werden können. Genau diese Kombination aus sich normalisierenden Exporten und anhaltender Risikoprämie macht die aktuelle Lage für Anleger schwer einzuschätzen.
Die Details
Mehr Öl fließt aus dem Persischen Golf ab, die Exporte nähern sich wieder dem Niveau vor Kriegsbeginn. Das ist die zentrale Aussage des aktuellen Berichts. Zugleich bleibt der Marktzugang teuer und risikobehaftet.
Der Brent-Preis überschritt am frühen Donnerstag die Marke von 110 US-Dollar je Barrel. Auslöser waren neue Angriffe auf Saudi-Arabien. Das Königreich ist mit Abstand der weltweit größte Lieferant von Seehandelöl, wie aus früheren Berichten von aktien.news hervorgeht. Jede Verschiebung der saudischen Liefermengen wirkt sich daher unmittelbar auf das globale Angebot aus.
Konkrete Angaben zu Umfang, Ort oder Urhebern der neuen Angriffe macht die Quelle nicht. Auch die genaue Höhe der aktuellen Exportmengen nennt der Bericht nicht. Beschrieben wird allein die Richtung: aufwärts, in Richtung Vorkriegsniveau.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Rohölexporte der wichtigsten Förderländer des Nahen Ostens im September auf 12,8 Millionen Barrel pro Tag (bpd) erholt hatten. Laut Daten des Marktbeobachters Kpler markierte dies den höchsten Stand seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran im Februar. Vom Vorkriegsniveau von 18,8 Millionen bpd blieb die Region jedoch weiterhin deutlich entfernt.
Getragen wurde diese Erholung vor allem von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide Länder wickelten ihre Ausfuhren verstärkt über die Straße von Hormus ab, nachdem Angriffe auf die Ost-West-Pipeline den Betrieb des Rotmeer-Terminals Yanbu beeinträchtigt hatten.
Am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass die Ölexporte aus dem Nahen Osten auf ihr höchstes Niveau seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar zurückgekehrt waren. Die Golf-Produzenten fanden zunehmend Wege, die iranische Blockade der Straße von Hormus zu umgehen. Die Schiffsfrachten aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Kuwait und Irak erreichten im September durchschnittlich 15,5 Millionen Barrel pro Tag. Das war das höchste Niveau während des Krieges und mehr als 80 Prozent des Durchschnitts der zwölf Monate vor Beginn des Konflikts.
Schon am 26.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Saudi-Arabien seine Rohölexporte deutlich ausweitet und die Häfen am Persischen Golf nach deren kriegsbedingter Schließung wieder geöffnet hatte. Gleichzeitig erhöhte das Königreich die Verlademengen an den Terminals am Roten Meer, die zuvor als Ausweichroute gedient hatten. Von Bloomberg zusammengestellte Schiffsverfolgungsdaten zeigten damals, dass zwei sehr große Rohöltanker – sogenannte VLCCs (Very Large Crude Carriers) – am Hafen Ras Tanura am Persischen Golf angelegt hatten. Es handelte sich um die ersten Schiffe, die das Terminal seit Anfang März wieder anliefen.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Rohölexporte Saudi-Arabiens im September auf den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Krieges gestiegen waren. Das Königreich hatte seine Ausfuhren über die Straße von Hormus nach einem Angriff auf seine zentrale Umgehungspipeline schnell hochgefahren. Damit reagierte das Land auf eine Störung, die einen zentralen Knotenpunkt seiner Exportlogistik getroffen hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft zweigeteilt. Einerseits normalisiert sich das Angebot schrittweise, was langfristig preisdämpfend wirken kann. Andererseits bleibt die Risikoprämie im Preis erhalten, solange Angriffe auf Infrastruktur und Schifffahrtswege nicht ausbleiben.
Der Brent-Preis über 110 US-Dollar je Barrel ist ein Indikator dafür, dass der Markt die geopolitischen Risiken weiterhin hoch bewertet. Wer in Ölwerte oder breite Rohstoff-ETFs investiert ist, sollte die Nachrichtenlage in der Golfregion daher eng verfolgen. Händler beobachten die saudischen Exporte besonders genau, weil das Königreich der größte Lieferant von Seehandelöl ist.
Bei der Einordnung der Daten ist Vorsicht geboten: Die beiden September-Werte von 12,8 und 15,5 Millionen Barrel pro Tag stammen aus unterschiedlichen Berichten. Der erste Wert bezieht sich auf die wichtigsten Förderländer des Nahen Ostens, der zweite auf die Schiffsfrachten aus sechs namentlich genannten Staaten. Beide Zahlen sind daher nicht direkt vergleichbar.
Ausblick
Die Quelle nennt keine konkreten Termine für weitere Entwicklungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die neuen Angriffe auf Saudi-Arabien die Exportmengen tatsächlich beeinträchtigen oder ob es bei einer kurzfristigen Störung bleibt. Klarheit dürften erst die nächsten Ausfuhrdaten bringen.
Aus den früheren Berichten geht hervor, dass die Erholung der Exporte Teherans Hebelwirkung in den Verhandlungen mit den USA über ein Friedensabkommen schmälern könnte. Der Ausgang dieser Gespräche dürfte damit weiterhin einer der wichtigsten Faktoren für den Ölpreis bleiben.
Kurz erklärt
- Brent-Rohöl: Eine Nordseesorte, die als Referenzpreis für den weltweiten Ölhandel dient.
- Barrel: Die international gebräuchliche Mengeneinheit für Rohöl.
- VLCC: Ein Very Large Crude Carrier, also ein besonders großer Rohöltanker.
- Straße von Hormus: Eine Meerenge am Persischen Golf, durch die ein großer Teil der Ölexporte der Region läuft.
- Kpler: Ein Marktbeobachter, der Schiffs- und Handelsdaten auswertet.
