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Neue Anklage im Wirecard-Skandal: Vorstände vor Gericht

Staatsanwaltschaft wirft von Knoop und Steidl Untreue in mehreren Fällen vor.

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Neue Anklage im Wirecard-Skandal: Vorstände vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft München I hat im Zuge des Wirecard-Bilanzskandals eine weitere Anklage erhoben. Ziel der neuen Anklage sind der ehemalige Finanzvorstand Alexander von Knoop und die frühere Vorständin für Produktentwicklung, Susanne Steidl. Ihnen wird mehrfach Untreue vorgeworfen, und von Knoop muss sich zudem wegen Beihilfe zur Untreue verantworten. Laut den Ermittlern entstand der Wirecard AG durch diese Handlungen ein Schaden in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro.

Von Knoop war seit 2005 für Wirecard tätig und wurde 2018 Finanzvorstand. Steidl, eine Betriebswirtin, kam 2006 zum Unternehmen und trat ebenfalls 2018 in den Vorstand ein. Die Anklage der Staatsanwaltschaft umfasst drei Tatkomplexe. Erstens wird ihnen vorgeworfen, im Dezember 2019 den Abfluss von 40 Millionen Euro an eine Firma namens Ruprecht in Singapur nicht verhindert zu haben. Dieser Abfluss erfolgte aufgrund eines "nichtssagenden Vorschlags" des damaligen Asien-Vorstands Jan Marsalek, ohne weitere Überprüfung.

Ein weiterer Vorwurf betrifft die Verlängerung eines Darlehens über zehn Millionen Euro an die ebenfalls in Singapur ansässige Firma OCAP. Steidl und von Knoop sollen dieser Verlängerung zugestimmt haben, obwohl nur "unbelegte und inkonsistente mündliche Angaben" vorlagen. Die Ermittler werfen ihnen vor, diese Entscheidung "ins Blaue hinein" getroffen zu haben. Es bleibt unklar, ob OCAP tatsächlich Leistungen für Wirecard erbracht hat, obwohl das Unternehmen angeblich bei der Abwicklung von Kreditkartenzahlungen half.

Der dritte Tatkomplex bezieht sich ebenfalls auf OCAP. Im März 2020 soll der Wirecard-Vorstand, einschließlich Steidl und von Knoop, OCAP ein weiteres Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro gewährt haben. Der Aufsichtsrat wurde dabei nicht einbezogen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wirecard bereits Finanzmittel in Höhe von rund 137 Millionen Euro an OCAP verliehen, ohne dass die Firma ihren Darlehensverpflichtungen nachgekommen war. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass OCAP im Stil eines "Ponzi-Systems" agierte, indem sie Schulden mit Geldern aus neuen Krediten bezahlte. Steidl und von Knoop hätten weder die Geschäftstätigkeit noch die finanzielle Bonität von OCAP geprüft. Angesichts der angespannten Liquiditätslage von Wirecard sei die Entscheidung für ein weiteres Darlehen unvertretbar gewesen.

Ein Sprecher von Steidl wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, und die Anwälte von Knoops reagierten nicht auf eine kurzfristige Anfrage. Ob die Anklage zugelassen wird und es damit zu einem Prozess kommt, muss nun die 12. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I entscheiden.

Wirecard brach im Juni 2020 zusammen, als 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Treuhandkonten verbucht waren, nicht auffindbar waren. Das Geld sollte aus Geschäften in Asien stammen, die Wirecard für Kunden aus der Porno- und Glücksspielbranche abgewickelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass es diese Geschäfte nicht gab.

Bereits im März 2022 hatten die Strafverfolger Ex-Vorstandschef Markus Braun, den früheren Chefbuchhalter Stephan von Erffa und den ehemaligen Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, angeklagt. Ihnen wird seit Dezember 2022 vor dem Landgericht München I der Prozess gemacht. Im Dezember 2023 folgte eine Anklage gegen Burkhard Ley, den Vorgänger von Knoops als Finanzvorstand. Über die Zulassung dieser Anklage ist noch nicht entschieden.

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