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Netflix wächst langsamer: Stellenabbau, Umbau im Management und gescheiterte Warner-Übernahme

Der Umsatz steigt nur noch um 12 Prozent, der Gewinn sprudelt – doch an der Börse wächst der Druck.

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Netflix wächst langsamer: Stellenabbau, Umbau im Management und gescheiterte Warner-Übernahme

Netflix hat das schwächste Quartalswachstum seit Jahren gemeldet. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 11,5 Milliarden Euro. Es ist der niedrigste Zuwachs seit drei Jahren – die Erwartungen der Analysten wurden damit exakt getroffen.

Beim Ergebnis sieht das Bild deutlich besser aus: Der Gewinn kletterte um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar. An der Börse half das nicht. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel um mehr als 5 Prozent nach und liegt damit mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von vor einem Jahr. Netflix bleibt zwar die klare Nummer eins im Videostreaming, doch Marktforscher berichten von abnehmender Zuschauer-Aktivität.

Umbau im Management, Abbau von rund 1.000 Stellen

Auf die schwachen Zahlen folgt ein harter personeller Schnitt. Netflix streicht rund 6 Prozent der Stellen, das entspricht etwa 1.000 Mitarbeitern. Auch die Führungsebene ist betroffen: Programmverantwortliche Bela Bajaria muss gehen. Filmchef Dan Lin wurde kurz danach ebenfalls entlassen. Peter Rice, der früher bei Disney Karriere machte, übernimmt Bajarias Rolle.

Damit endet vorerst eine langjährige Programmstrategie. Bajaria sollte die Vision umsetzen, ein Angebot für alle Zielgruppen weltweit zu liefern. Diese Strategie steht nun infrage. Denn die früheren Hits wie "Stranger Things" und "Squid Game" haben keine vergleichbaren Nachfolger gefunden. Bei Preisverleihungen gingen Netflix-Filme und -Serien weitgehend ohne Auszeichnungen aus. Es fehlen neue Titel mit jener Zeitgeist-Wirkung, die den Dienst einst prägte.

Kino, Frankreich und ein gescheiterter 80-Milliarden-Deal

Mit Peter Rice an der Spitze wird über eine breitere Kinoauswertung spekuliert – ein Weg, den Konzernchef Ted Sarandos stets abgelehnt hat. Ein erstes Signal ist der Narnia-Film von Greta Gerwig, der 45 Tage exklusiv in den Kinos läuft, ganz ähnlich wie bei traditionellen Studios.

Sarandos betont dennoch die Ausrichtung auf das Streaminggeschäft. "Das ist unser Kern", sagt er mit Blick auf das Kerngeschäft. Man wolle der Unterhaltungsdienst sein, den man einfach haben muss. Ein weiterer Baustein ist ein in Frankreich erprobter Deal mit TF1. Eine Ausweitung auf weitere Partner gilt als denkbar.

Wachstum sollte zuletzt auch der 2025 unternommene Versuch bringen, das Warner-Brothers-Geschäft für rund 80 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Zukauf hätte die HBO-Bibliothek und Kinofilme in das Portfolio gebracht. Der Kauf scheiterte. Im Bieterstreit um Warner Bros. Discovery samt CNN setzte sich Paramount mit einem Gebot für den gesamten Konzern durch.

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger verschiebt sich das Bild von Netflix. Über Jahre war die Aktie ein Wachstumswert, getrieben von steigenden Abozahlen und starker Formel für Hit-Serien. Jetzt wächst das Geschäft langsamer als erhofft, während ein teurer Umbau ansteht. Der Stellenabbau belastet kurzfristig mit Kosten, kann mittelfristig aber die Marge stützen.

Gleichzeitig wächst die Unsicherheit über die Strategie. Ein Wechsel an der Programmspitze, die Spekulation über Kinoauswertung und die offene Frage nach dem nächsten großen Hit machen es schwer, die künftige Entwicklung einzuschätzen. Wer investiert ist, sollte darauf achten, ob dem Unternehmen tatsächlich neue Publikumserfolge gelingen und ob die internationale Ausweitung von Partnerschaften wie dem Frankreich-Modell auf weitere Länder greift.

Der Kursrutsch zeigt, wie anspruchsvoll der Markt die Bewertung des einstigen Börsenlieblings inzwischen sieht. Die klare Marktführerschaft im Videostreaming ist das eine – die Aktie verliert dennoch an Boden ausserhalb des Handels. Genau diese Lücke zwischen operativer Stärke und Börsenbewertung dürfte die kommenden Quartale bestimmen.

Greg Peters, im Unternehmen für das operative Geschäft mitverantwortlich, bringt die Lage nüchtern auf den Punkt: "Wir wissen, dass wir es besser können". Ob Netflix dieses Können auch in neue Abozahlen und wieder steigende Kurse übersetzen kann, ist die zentrale Frage für Anleger.

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