Monopolkommission kritisiert geplante Briefporto-Anhebung der Deutschen Post
Die Monopolkommission lehnt die geplante Erhöhung des Briefportos ab und fordert eine strengere Prüfung der anerkannten Lasten.

Die Monopolkommission stellt sich gegen die geplante Anhebung des Briefportos in Deutschland. Nach Auffassung des Beratungsgremiums erkennt die Bundesnetzagentur zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten an. Die Folge sei ein überhöhtes Porto, das die Kundinnen und Kunden tragen müssten. Die Kommission verlangt deshalb eine strengere Prüfung dieser Lasten.
Im Raum steht eine Erhöhung um etwa ein Fünftel. Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post einen entsprechenden Spielraum erlauben. Die Post plant, den Standardbrief im Inland zum Jahreswechsel auf 1,15 Euro anzuheben. Auch Postkarte, Kompaktbrief, Großbrief und Maxibrief sollen teurer werden.
Die Erhöhung ist noch nicht endgültig beschlossen. Die Post braucht für ihre Portopläne die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Die finale Absegnung des Portos für die Jahre 2027 und 2028 steht noch aus.
Die Bundesnetzagentur will Porto-Anhebung um etwa ein Fünftel erlauben
Konkret geht es um einen Spielraum von rund einem Fünftel, den die Regulierungsbehörde der Post einräumen will. Der Standardbrief im Inland soll zum Jahreswechsel um 20 Cent auf 1,15 Euro steigen. Das entspricht einer Erhöhung um mehr als 20 Prozent. Neben dem Standardbrief sollen auch die Postkarte sowie der Kompakt-, Groß- und Maxi-Brief teurer werden.
Die neuen Porti gelten für die Jahre 2027 und 2028. Über die konkreten Preise entscheidet die Post selbst, sie muss sich aber innerhalb des von der Bundesnetzagentur festgelegten Rahmens bewegen. Ohne die Zustimmung der Behörde kann die Post ihre Pläne nicht umsetzen.
Die Kommission fürchtet eine wettbewerbsschädliche Mitfinanzierung anderer Geschäftsbereiche
Die Monopolkommission kritisiert nicht nur die Höhe des Portos, sondern auch die Systematik dahinter. Lasten sind Kosten, die die Post bei der Porto-Berechnung einbeziehen darf. Je mehr Lasten anerkannt werden, desto höher fällt das Porto aus. Die Kommission will bestimmte Lasten gestrichen sehen, weil sie befürchtet, dass die Post mit den Einnahmen andere Geschäftsbereiche wettbewerbsschädlich mitfinanziert.
Tomaso Duso von der Monopolkommission wird mit den Worten zitiert: "Die Bundesnetzagentur erkennt zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten an – die Folge ist ein überhöhtes Porto." Aus Sicht der Kommission sollte zudem sichergestellt werden, dass Kundinnen und Kunden nur notwendige Lasten tragen.
Die Postversorgung im ländlichen Raum sieht die Kommission nicht gefährdet
Ein häufig genanntes Argument für höhere Porti ist die Sorge um die Versorgung im ländlichen Raum. Die Monopolkommission teilt diese Sorge nicht: Sie sieht die Postversorgung auf dem Land nicht gefährdet. Damit entfällt aus Sicht der Kommission ein wesentlicher Rechtfertigungsgrund für eine besonders großzügige Anerkennung von Lasten.
Der Hintergrund: Die Briefmenge sinkt, weil immer mehr Kommunikation digital läuft. Die Fixkosten des Netzes verteilen sich dadurch auf weniger Sendungen, die Stückkosten steigen. Die Post argumentiert auf dieser Basis mit gestiegenen Belastungen. Die Kommission hält dem entgegen, dass nicht jede dieser Belastungen in voller Höhe auf das Porto durchschlagen sollte.
Der Sozialverband Deutschland fordert die Bundesregierung zum Handeln auf
Kritik kommt auch vom Sozialverband Deutschland (SoVD). Dessen Vertreterin Michaela Engelmeier warnt vor den Folgen für ältere und eingeschränkte Haushalte. Sie wird mit den Worten zitiert: "Eine Erhöhung des Briefportos um mehr als 20 Prozent würde gerade ältere, chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen zusätzlich belasten, denn sie können häufig nicht auf digitale Angebote ausweichen." Der SoVD fordert die Bundesregierung auf, die Kritik ernst zu nehmen.
Betroffen sind nach dieser Darstellung vor allem Behördenangelegenheiten und persönliche Schreiben. Ältere, chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen sind oft auf den Postweg angewiesen, weil sie digitale Angebote nicht nutzen können. Für sie wirkt sich ein höheres Porto unmittelbar aus.
Bereits am 20.10.2026 berichtete aktien.news über die konkreten Porto-Pläne
Bereits am 20.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Deutsche Post den Standardbrief ab Anfang kommenden Jahres auf 1,15 Euro anheben will – ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber bislang 95 Cent. Damals war die Erhöhung noch nicht in trockenen Tüchern, weil die Zustimmung der Bundesnetzagentur fehlte. Neben dem Standardbrief sollte es nahezu alle Briefprodukte treffen: Der Kompaktbrief verteuert sich um 15 Cent auf 1,25 Euro, der Großbrief steigt um 55 Cent auf 2,35 Euro. Beim Maxibrief fällt der Aufschlag mit 2,10 Euro auf künftig 5 Euro besonders kräftig aus. Auch die Postkarte kostet künftig 1,15 Euro statt 95 Cent, während der Preis für ein Einschreiben unverändert bleibt.
Schon am 12.10.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Bundesnetzagentur der Deutschen Post für die Jahre 2027 und 2028 einen Briefporto-Erhöhungsspielraum von 20,35 Prozent einräumen will. Das wäre der höchste Wert, den die Regulierungsbehörde je festgelegt hat. Der bisherige Höchstwert lag bei 10,48 Prozent im Jahr 2025, davor bei 4,6 Prozent im Jahr 2022. Die neuen Porti würden ab Januar 2027 gelten. Der Standardbrief bis 20 Gramm kostet derzeit 95 Cent; schöpft die Post den Spielraum vollständig aus, könnte der Preis auf 1,14 Euro steigen.
Auch die Beschwerdelage spielt in die Debatte hinein. Am 08.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Bundesnetzagentur im Jahr 2025 insgesamt 55.395 Beschwerden zu Postdienstleistungen verzeichnete – ein Rekordwert und ein Anstieg von rund 25 Prozent gegenüber 44.406 im Vorjahr. Seit 2021, als rund 15.000 Beschwerden registriert wurden, setzt sich der Trend fort. Rund 90 Prozent aller Beschwerden entfallen laut Bundesnetzagentur auf DHL, das im Inland als Deutsche Post auftritt und Marktführer ist.
Für Anleger steht die Regulierungsentscheidung im Mittelpunkt
Für Privatanleger ist vor allem die Frage relevant, wie viel Spielraum die Bundesnetzagentur der Post tatsächlich zugesteht. Die Deutsche Post ist mit großem Abstand Marktführer im Briefmarkt. Im Paketsegment ist der Vorsprung von DHL dagegen kleiner als im Briefbereich. Der Briefbereich bleibt damit ein wichtiger, aber stark regulierter Erlösbaustein des Konzerns.
Die Kritik der Monopolkommission ist ein regulatorisches Risiko: Sollte die Behörde bestimmte Lasten nicht anerkennen, fällt der Porto-Spielraum kleiner aus als geplant. Umgekehrt hängt die tatsächliche Erlöswirkung davon ab, ob die Post den Rahmen ausschöpft. Anleger sollten die finale Entscheidung der Bundesnetzagentur und die konkreten Preislisten der Post verfolgen, statt einzelne Zwischenmeldungen überzubewerten.
Die endgültige Entscheidung zum Porto für 2027 und 2028 steht noch aus
Die finale Absegnung des Portos für die Jahre 2027 und 2028 steht weiterhin aus. Erst danach ist klar, welche Preise die Post tatsächlich verlangen darf. Der Standardbrief im Inland soll zum Jahreswechsel 1,15 Euro kosten, sofern die Behörde zustimmt. Ob die Bundesregierung auf die Kritik von Monopolkommission und SoVD reagiert, ist offen.
Drei Fachbegriffe erklären den Streit um das Briefporto
- Lasten: Kosten, die die Deutsche Post bei der Berechnung des Portos geltend machen darf.
- Bundesnetzagentur: Die staatliche Regulierungsbehörde, die den Porto-Spielraum der Post festlegt und die Preise genehmigt.
- Stückkosten: Die Kosten, die rechnerisch auf eine einzelne Sendung entfallen.
