Mercuria sichert sich Kupfer aus Kongo für 250 Millionen Dollar
Der Genfer Rohstoffhändler zahlt bis zu 250 Millionen US-Dollar an Einheiten der Shanghai Jayson New Energy Materials Group für Kupferlieferungen aus der DR Kongo.

Die Mercuria Energy Group hat eine weitere große Wette auf die Kupferproduktion in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) platziert. Der in Genf ansässige Rohstoffhändler hat einen Deal abgeschlossen, um Metall von Einheiten der Shanghai Jayson New Energy Materials Group zu kaufen. Mercuria zahlt dafür bis zu 250 Millionen US-Dollar und sichert sich im Gegenzug drei Jahre Lieferungen aus den kongolesischen Operationen des Partners.
Die Vereinbarung ist das neueste Beispiel dafür, wie Handelshäuser hohe Summen im Voraus zahlen, um den Zugang zu Kupfer zu sichern, während die Preise steigen. Gleichzeitig bieten Preisunterschiede auf verschiedenen Märkten zusätzliche Gewinnchancen. Das Geschäft verdeutlicht damit, wie hart der Wettbewerb um Kupferressourcen inzwischen geworden ist.
Zu den Konditionen wollten mit dem Fall vertraute Personen aus Diskretionsgründen nicht namentlich genannt werden. Ein Sprecher von Mercuria verweigerte eine Kommentarabgabe. Jayson sowie Vertreter von Hongkong Excellen und Singapore Excellen reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Die Details
Mercuria wird den Tochtergesellschaften von Jayson – der Hongkong Excellen Mining Investment Co und Singapore Excellen – bis zu 250 Millionen US-Dollar für drei Jahre Lieferungen aus dem Kongo zahlen. Teil des Pakets ist das neu gestartete Kinga-Kila-Projekt. Jaysons Trio von Projekten in Kongo produzierte im ersten Halbjahr des Jahres etwa 56.000 Tonnen Kupfer, wie aus Regierungsdaten hervorgeht. Das jüngste Projekt begann im Mai mit dem Export von Metall.
An der Eigentümerstruktur von Hongkong Excellen ist eine Investitionsgesellschaft beteiligt, die Robin Zeng gehört. Zeng ist der milliardenschwere Vorsitzende des Batterieherstellers Contemporary Amperex Technology Co (CATL). Seine Gesellschaft hält knapp 30 Prozent an Hongkong Excellen, das die kongolesischen Kupferprojekte hält. Jayson kontrolliert den Rest des Unternehmens. Das Hauptgeschäft von Jayson umfasst unter anderem die Herstellung von Vorläufermaterialien für Lithium-Ionen-Batterien.
CATL reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Der Batteriekonzern ist im Kongo ohnehin stark engagiert: Er hält einen Anteil von 25 Prozent an Chinas CMOC Group, die die Kupferproduktion im Land mit zwei großen Anlagen anführt. Zusätzlich besitzt CATL einen weiteren Anteil gleicher Höhe von 25 Prozent an der Kisanfu-Mine von CMOC. Diese gilt als weltweit wichtigste Quelle für das Batteriematerial Kobalt.
Die Finanzierung des Geschäfts soll breit abgestützt sein. Die Syndizierung zur Finanzierung des Großteils von Mercurias Vorschuss an Jayson soll unter anderem durch die Rabobank unterstützt werden, so die Quellen. Das unterstreicht die Bereitschaft der Rohstofffinanzierer, solche Arrangements zu begleiten. Die Rabobank verweigerte eine Kommentarabgabe.
Das Kongo-Engagement von Mercuria geht über den Jayson-Deal hinaus. Das Unternehmen hat dort ein Joint Venture gegründet, um der staatlichen Bergbaufirma beim Vertrieb von Tonnen Kupfer und Kobalt zu helfen, die Mercuria aus Beteiligungsinteressen an mehreren Projekten im Land erhält. Der Kongo hat sich inzwischen als zweitgrößter Produzent des Metalls nach Chile etabliert und ist zum Wachstumsmotor der globalen Kupferversorgung geworden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass Mercuria Energy Group für das im September 2025 endende Geschäftsjahr einen Gewinn von 1,31 Milliarden US-Dollar gemeldet hat. Das Unternehmen zahlte darauf lediglich eine Million Dollar Steuern – ein effektiver Steuersatz von nur 0,08 Prozent. Das privatgeführte Unternehmen veröffentlicht seine Zahlen üblicherweise nicht öffentlich, hatte die Ergebnisse aber an seine Kreditgeber übermittelt.
Am 04.02.2026 meldete aktien.news, dass ein von der US-Regierung unterstützter Investmentfonds sich mit dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore auf den Kauf einer 40-prozentigen Beteiligung an dessen Kupfer- und Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo geeinigt hat. Die Transaktion hatte ein Volumen im Milliardenbereich und markierte die erste große US-Investition in dem zentralafrikanischen Staat seit dem strategischen Mineralienabkommen zwischen Washington und Kinshasa im Dezember 2025. Beteiligt war das Orion Critical Mineral Consortium aus Orion Capital Partners, der US International Development Finance Corporation und dem Staatsfonds ADQ aus Abu Dhabi.
Am 18.04.2026 berichtete aktien.news, dass die DR Kongo ihre geplanten Kupferverkäufe an die Vereinigten Staaten auf 500.000 Tonnen angehoben hat. Das entspricht einer Verfünffachung gegenüber der ursprünglichen Zusage, die im Januar dieses Jahres gemacht worden war. Abgewickelt werden soll das Geschäft über ein staatlich unterstütztes Vermarktungsunternehmen. Die Meldung unterstreicht das wachsende strategische Interesse der USA an kritischen Rohstoffen aus Afrika.
Am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass in diesem Quartal bereits mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital- und Schuldenfinanzierungen sowie kleineren Akquisitionen angekündigt wurden. Getragen wird diese Entwicklung von einem Kursgewinn des Metalls von rund 14 Prozent in diesem Jahr, wobei Analysten darauf hinweisen, dass dieser Trend noch deutlich an Fahrt gewinnen dürfte. Hintergrund ist ein zunehmender „Kampf um Kupferressourcen“.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Deal, wie sich das Geschäftsmodell der Rohstoffhändler wandelt. Statt nur mit Ware zu handeln, treten Häuser wie Mercuria als Finanzier in der Frühphase von Bergbauprojekten auf. Vorauszahlungen sichern Abnehmern den Zugriff auf knappe Mengen, noch bevor das Metall überhaupt gefördert ist. Im Kongo verteilt sich die Kupferproduktion damit zunehmend über solche langfristigen Verträge.
Bemerkenswert ist, wie etablierte Muster sich wiederholen. Trafigura Group hat Ivanhoe Mines 200 Millionen US-Dollar im Voraus für Kupferanoden aus dem Kamoa-Kakula-Komplex gezahlt. Mercuria selbst zahlte 100 Millionen US-Dollar, um den Zugang zu drei Jahren Kupferproduktion der Eurasian Resources Group zu garantieren. Diese Beispiele zeigen, dass Vorauszahlungen im Kongo kein Einzelfall, sondern Teil einer breiten Strategie sind.
Zudem rückt die Verflechtung mit der Batterieindustrie in den Fokus. Über Robin Zeng und CATL ist der Kupfernachschub eng mit der Wertschöpfungskette von Elektroautos und Speichern verbunden. Für Anleger ist wichtig, zwischen der operativen Entwicklung der einzelnen Projekte und den Handelsgewinnen der Rohstoffhäuser zu unterscheiden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Für die kommenden Monate stehen die drei Jayson-Projekte im Kongo im Mittelpunkt. Das jüngste Projekt hat im Mai mit dem Export von Metall begonnen, die beiden anderen liefern bereits. Mercuria hat sich vertraglich drei Jahre Lieferungen gesichert, die nun abgewickelt werden müssen. Hinzu kommt das Joint Venture mit der staatlichen Bergbaufirma, über das Mercuria künftig Kupfer- und Kobalt-Tonnen aus seinen Beteiligungen vermarkten will.
Parallel zeigt der internationale Kontext weitere Dynamik. Die DR Kongo hatte ihre geplanten Kupferverkäufe in die USA auf 500.000 Tonnen erhöht, während der Sektor im laufenden Quartal Kapital in Höhe von mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar für Finanzierungen und kleinere Zukäufe angekündigt hat. Analysten erwarten laut dem Deal-Tracker von Mining Beacon, dass der Preistrend weiter an Fahrt gewinnt.
Kurz erklärt
- Vorschussgeschäft: Der Käufer zahlt einen Teil des Werts im Voraus, bevor die Ware gefördert oder geliefert wird, und sichert sich so künftige Mengen.
- Vorläufermaterial: Ein Ausgangsstoff für Batteriematerialien, der in der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen zum Einsatz kommt.
- Syndizierung: Die Aufteilung einer Finanzierung auf mehrere Kreditgeber, um das Risiko breiter zu streuen.
