Maschinenbau: Stimmung hellt sich auf, doch der Jobabbau geht weiter
Die VDMA-Umfrage zeigt vorsichtigen Optimismus: 34 Prozent bewerten die Lage als gut, mehr als 30 Prozent der Firmen planen Stellenabbau.

Die Stimmung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau hat sich deutlich aufgehellt. Nach einer Umfrage des Branchenverbands VDMA unter knapp 800 Branchenfirmen Anfang Oktober bewerten 34 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als "gut" oder "sehr gut" — im Juli waren es erst 28 Prozent. Zugleich blickt die Branche spürbar zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Dieses Stimmungsbild veröffentlichte der Verband am 14. Oktober.
Trotz der besseren Werte bleibt die Lage zweigeteilt. 22 Prozent der befragten Firmen stufen ihre aktuelle Situation weiterhin als "schlecht" oder "sehr schlecht" ein. Und der Aufschwung erreicht nicht alle: Während einzelne Segmente Rückenwind spüren, belasten die Krise der Autoindustrie und die schwierige Chemiebranche wichtige Zweige des Maschinenbaus.
VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt fasst die Stimmung mit den Worten "vorsichtiger Optimismus" zusammen. Der Verband erwartet zugleich, dass sich der Personalabbau in der Branche fortsetzt — trotz der aufgehellten Konjunkturaussichten.
Die Details
Bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate zeigt sich die deutlichste Verbesserung. 33 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte, im Juli lag dieser Wert bei 25 Prozent. Nur 10 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Die Zuversicht speist sich aus mehreren Bereichen: Rückenwind kommt aus der Rüstungsindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie der Medizintechnik. Auch die Elektro- und Elektronikindustrie profitiert von hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Dem stehen belastete Branchen gegenüber. Die Chemiebranche bleibt schwierig, und die Autoindustrie bremst die Bereiche Robotik und Automation aus. Diese Zweige gehören traditionell zu den wichtigsten Abnehmern des Maschinenbaus in Deutschland.
Auch beim Umsatz rechnet die Mehrheit mit Zuwächsen, allerdings nur nominal. 57 Prozent der Firmen erwarten in diesem Jahr einen nominalen Umsatzanstieg, für das kommende Jahr sind es 62 Prozent. Die Beschäftigungsplanung fällt dagegen verhalten aus: 52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Stammbelegschaft stabil halten. Mehr als 30 Prozent planen einen Stellenabbau, nur 18 Prozent zusätzliche Einstellungen.
Wie angespannt der Arbeitsmarkt in der Branche ist, machen die langfristigen Zahlen deutlich. VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt betont: "Seit 2019 sind im Maschinen- und Anlagenbau rund 100.000 Stellen am Standort Deutschland weggefallen."
Das Umfeld bleibt anspruchsvoll. Geopolitische Krisen, die Konkurrenz aus China und hohe Kosten in Deutschland setzen die exportorientierte Branche unter Druck. Die Schocks der vergangenen Jahre und der Wandel der Industrie hinterlassen Spuren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Aufhellung folgt auf eine längere Durststrecke. Bereits am 04.02.2026 berichtete aktien.news, dass nach drei Jahren sinkender Nachfrage eine Stabilisierung der Auftragseingänge in Sicht sei. Im Jahr 2025 blieben die Bestellungen preisbereinigt auf Vorjahresniveau, ein Nullwachstum, das der VDMA als hoffnungsvolles Signal wertete. Besonders das Geschäft im Euro-Raum zeigte mit einem Plus von 7 Prozent Stärke, während die Inlandsnachfrage mit einem Minus von 1 Prozent schwächelte und aus Nicht-Euro-Ländern 2 Prozent weniger Aufträge eingingen.
Am 13.02.2026 folgte ein ernüchternder Befund zum Arbeitsmarkt. Wie aktien.news damals berichtete, arbeiteten Ende 2025 nur noch gut eine Million Menschen in der Branche — 22.000 weniger als ein Jahr zuvor, ein Rückgang von 2,2 Prozent. Die Zahlen bezogen sich auf Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern. Als Ursachen nannte der Verband US-Zölle auf die exportorientierte Industrie und chinesische Wettbewerber, die mit aggressiven Preisen Marktanteile erobern.
Auch die Stimmung unter den Beschäftigten trübte sich ein. Am 14.09.2026 berichtete aktien.news über eine Studie der Stellenbörsen Jobware und Get in Engineering, nach der nur noch 35 Prozent der Ingenieure ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut oder sehr gut einschätzten. 2021 hatte dieser Wert noch bei 73 Prozent gelegen.
Erst am 05.10.2026 meldete aktien.news, dass der VDMA seine Produktionsprognose senkte. Im August sank der Bestellwert um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auch weil Großaufträge fehlten. Die Auslandsaufträge gingen mit minus 6 Prozent sogar stärker zurück als die Bestellungen aus dem Inland.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die VDMA-Umfrage ein wichtiger Frühindikator für eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Der Maschinenbau gilt als Gradmesser für die Investitionsbereitschaft der Industrie insgesamt. Hellt sich die Stimmung auf, kann das mittelfristig auf Umsätze und Erträge der Branchenunternehmen durchschlagen.
Zugleich mahnen die Daten zur Vorsicht. Die bessere Umsatzstimmung ist nominal, also nicht um Preisentwicklung bereinigt. Und die Beschäftigungspläne zeigen, dass viele Firmen trotz Zuversicht sparen. Anleger sollten die einzelnen Segmente genau unterscheiden: Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik sowie Elektro- und Elektronik profitieren von strukturellem Rückenwind, während Robotik, Automation und Chemie unter der Auto- und Chemiekrise leiden.
Die anhaltenden Belastungen — geopolitische Krisen, China-Konkurrenz und hohe Standortkosten — sprechen dafür, dass die Erholung ungleichmäßig verläuft. Eine pauschale Einschätzung für "den Maschinenbau" greift daher zu kurz. Breite Branchenindizes können die unterschiedliche Entwicklung einzelner Segmente nur begrenzt abbilden.
Ausblick
Der Verband erwartet, dass sich der Personalabbau in der Branche fortsetzt, solange die Bedingungen unsicher bleiben. Gleichzeitig rechnet die Mehrheit der Unternehmen für dieses und das kommende Jahr mit nominal steigenden Umsätzen. Rückenwind aus Rüstungsindustrie, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik sowie der Elektro- und Elektronikindustrie dürfte die Zuversicht stützen. Ob daraus mehr als "vorsichtiger Optimismus" wird, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Auto- und Chemiebranche sowie das geopolitische Umfeld entwickeln.
Kurz erklärt
- VDMA: Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist der Branchenverband der deutschen Maschinenbauer und erhebt regelmäßig Konjunkturumfragen unter seinen Mitgliedern.
- Nominaler Umsatzanstieg: Ein Umsatzplus in jeweiligen Preisen, das die Inflation nicht herausrechnet und daher nicht zwingend echtes Mengenwachstum bedeutet.
- Stammbelegschaft: Der fest angestellte Kern der Mitarbeiter eines Unternehmens, im Unterschied zu befristet Beschäftigten oder Leiharbeitern.
