Ken Griffin stockt AbbVie-Position um 546 Prozent auf
Der Citadel-Chef kauft im zweiten Quartal 2,7 Millionen AbbVie-Aktien hinzu und erhöht auch seine Beteiligung an Abbott deutlich.

Ken Griffin, Gründer und CEO des Hedgefonds Citadel, hat im zweiten Quartal seine Beteiligung an dem Pharmaunternehmen AbbVie (ABBV) massiv ausgebaut. Wie aus seinen jüngsten Transaktionen hervorgeht, kaufte er 2.7 Millionen AbbVie-Aktien hinzu – eine Steigerung von 546 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit zählt AbbVie zu den größten Zugängen des Investors im abgelaufenen Quartal.
Noch stärker fiel der Zuwachs bei einem anderen Unternehmen aus: AbbVie war vor 13 Jahren aus Abbott Laboratories (ABT) ausgegliedert worden. Griffins Bestand an Abbott-Aktien wuchs um 6.7 Millionen Stücke, was einem Anstieg von 349 Prozent gegenüber dem ersten Quartal entspricht. Diese beiden Positionen waren seine zwei größten Zugänge zwischen April und Juni.
Der drittgrößte einzelne Equity-Zugang war Eli Lilly (LLY): Hier erhöhte Griffin seinen Bestand um 291 Prozent. Die Bewegungen des Investors gelten an den Märkten als wichtiger Hinweisgeber, weil Hedgefonds wie Citadel über deutlich mehr Kapital, Ressourcen und Erfahrung verfügen als der durchschnittliche Anleger – auch wenn ihre Entscheidungen nicht immer richtig sind. Die Analyse der jüngsten Transaktionen großer Hedgefonds und institutioneller Investmentmanager sollte daher zum festen Bestandteil des eigenen Research-Prozesses gehören, so die Einschätzung des Beitrags.
Die Details
Die Aufstockung bei AbbVie umfasst konkret 2.7 Millionen zusätzliche Aktien, ein Plus von 546 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. Bei Abbott kamen 6.7 Millionen Aktien hinzu, ein Zuwachs von 349 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Beim drittgrößten Einzelzugang, Eli Lilly, betrug der Anstieg 291 Prozent.
Der Autor der Analyse liest aus diesen Transaktionen zwei Strategien heraus. Erstens unternimmt Griffin demnach defensive Schritte im Gesundheitssektor, der sich in der Regel während Marktdownturns gut entwickelt – Gesundheitsversorgung ist ein Bedürfnis, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage oder der Marktsituation. Als Beleg dient das Jahr 2022: Damals erzielten AbbVie und Eli Lilly Gesamtrenditen von 24 Prozent beziehungsweise 34 Prozent und schlugen den Markt deutlich, während Abbott im selben Jahr mit einem Minus von 20 Prozent etwa auf dem Niveau des S&P 500 notierte.
Zweitens sucht Griffin nach zuverlässigen Dividendenaktien mit hoher Rendite, um zusätzliches Einkommen oder Gesamtrenditen zu erzielen. Hintergrund ist die Erwartung zäher und volatiler Märkte angesichts der wirtschaftlichen Lage und einer als überbewertet geltenden Bewertung des S&P 500.
AbbVie gilt in dem Beitrag als eine der besten Dividendenaktien überhaupt. Das Pharmaunternehmen ist ein „Dividend King“, also ein Konzern, der die Dividende mehr als 50 Jahre lang kontinuierlich erhöht hat. Zwar besteht AbbVie erst seit 13 Jahren als eigenständiges Unternehmen, doch rechnet man die Jahre als Teil von Abbott hinzu, wurde die Dividende 54 Jahre in Folge angehoben. Dasselbe gilt für Abbott, das ebenfalls als Dividend King eingestuft wird.
Die Dividendenrendite von AbbVie liegt bei 2.65 Prozent. Das ist überdurchschnittlich, stellt aber die niedrigste Rendite seit 2018 dar. Ursache ist der Kursanstieg: Die Aktie hat im Jahresverlauf rund 25 Prozent zugelegt, unter Einbeziehung der Dividendenzahlung rund 27 Prozent.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Ken Griffin seinen AbbVie-Anteil um über 500 Prozent erhöht habe. Damals stand die 13F-Meldung von Citadel im Fokus, jenes gesetzlich vorgeschriebene Berichtsformat, das die Wall Street als zentrale Informationsquelle über die Bewegungen großer Investoren nutzt. Schon damals wurde der Schritt als mögliches Signal für deutsche Anleger gewertet, die nach stabilen Dividendenwerten Ausschau halten.
Am 24.09.2026 zeigte aktien.news eine Langfristrechnung: Wer vor einem Jahrzehnt 10.000 Dollar in AbbVie investiert und die Dividenden wieder angelegt hätte, verfügte heute über 61.425,56 Dollar – eine durchschnittliche jährliche Rendite von 19,91 Prozent. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass sich diese Geschichte für heutige Käufer wiederholt: AbbVie habe den Patentabfluss für Humira, damals das lukrativste Medikament der Welt, bereits überwunden, der Kurs sei gestiegen und die Aktie deutlich teurer als damals.
Rund um die Dividende gab es zuletzt eine größere Transaktion. Am 20.07.2026 berichtete aktien.news über die am 22. Juni angekündigte Übernahme des Biotechunternehmens Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar in bar. Der Deal erweitert das Portfolio um Zumilokibart, ein vielversprechendes Prüfpräparat gegen Ekzeme, und soll AbbVies führende Position im Bereich Immunologie weiter festigen. Unter Anlegern sorgte die Transaktion für gemischte Reaktionen, weil einige Investoren befürchteten, dass die hohen Kosten das Dividendenprogramm belasten könnten.
Auch Citadel selbst stand zuletzt im Fokus: Am 06.08.2026 meldete aktien.news, dass der Hedgefonds im Juli außergewöhnliche Renditen erzielte. Der aktienorientierte Fonds des in Miami ansässigen Unternehmens legte im Juli um rund 14 Prozent zu – für den Citadel Equities Fund der beste Monat seit seiner Auflegung. Treiber war der Kauf des Aktienportfolios des KI-spezialisierten Hedgefonds Situational Awareness zu einem deutlichen Abschlag.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert die 13F-Meldung von Citadel einen Anhaltspunkt, aber keine Handlungsanweisung. Die Bewegungen großer Fonds können zeigen, wohin sich der Markt entwickeln könnte – eine Garantie sind sie nicht, und ihre Entscheidungen sind nicht immer richtig. Griffin setzt laut der Analyse auf defensive Gesundheitstitel und verlässliche Dividendenzahler, eine Kombination, die in volatilen Marktphasen Stabilität und Absicherung gegen Verluste bieten soll.
AbbVie wird in dem Beitrag als starker Kauf beschrieben. Begründet wird dies mit der Dividende, dem defensiven Charakter des Geschäfts sowie starkem Wachstum und einer attraktiven Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt demnach beim 16-fachen der erwarteten Gewinne. Im zweiten Quartal stiegen die bereinigten Gewinne um 23 Prozent, der Nettoumsatz sprang um 10 Prozent. Das Immunologie-Portfolio verzeichnete einen Umsatzanstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, getrieben von Blockbuster-Präparaten wie Rinvoq, Skyrizi und Vraylar.
Auch die Analysten der Wall Street sind dem Beitrag zufolge bullish: 75 Prozent derjenigen, die die Aktie verfolgen, empfehlen sie als Kauf. Für den Autor ist dies eine weitere Bestätigung dafür, dass dieser Dividend King derzeit eine hervorragende Kaufoption ist.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Quelltext nicht. Die Argumentation stützt sich auf die Erwartung zäher und volatiler Märkte, auf die sich Griffin mit defensiven Dividendenwerten vorbereitet. Ein bereits bekannter Meilenstein bleibt die angekündigte Übernahme von Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar, die das Immunologie-Portfolio des Konzerns um Zumilokibart erweitern soll.
Kurz erklärt
- Dividend King: Ein Unternehmen, das seine Dividende über viele Jahrzehnte hinweg ohne Unterbrechung jedes Jahr erhöht hat.
- 13F-Meldung: Eine gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung, in der große institutionelle Investoren ihre Aktienpositionen in den USA melden.
- Immunologie: Der medizinische Bereich, der sich mit dem Immunsystem und dessen Erkrankungen befasst und auf den sich AbbVie mit mehreren Präparaten konzentriert.
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
