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Kalshi und Polymarket kämpfen um Einfluss in Washington

Während der US-Kongress Regulierungen für Prognosemärkte erwägt, intensivieren die Branchenriesen Kalshi und Polymarket ihre Lobbybemühungen in Washington.

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Kalshi und Polymarket kämpfen um Einfluss in Washington

Prognosemärkte stehen in den USA unter wachsendem politischen Druck. Angesichts einer Welle von Regulierungsvorschlägen im US-Kongress hat Kalshi – einer der größten Akteure der boomenden Branche – eine offensive Werbekampagne in Washington gestartet. Die in New York ansässige Plattform schaltete minzgrüne Anzeigen auf Plakatwänden, an Bushaltestellen und als Beilagen in der Washington Post, um Kritik abzuwehren und sich als seriöse Alternative zu Polymarket zu positionieren.

Prognosemärkte ermöglichen es Nutzern, sogenannte Ereigniskontrakte zu erwerben – im Grunde Wetten auf den Ausgang eines bestimmten Ereignisses. Die Bandbreite reicht von Sportveranstaltungen und Preisverleihungen bis hin zu politischen Wahlen. Die Branche hat im vergangenen Jahr massiv an Popularität gewonnen und zieht nun die Aufmerksamkeit von Gesetzgebern und Regulierungsbehörden auf sich.

Kalshi dominiert den US-Markt

Kalshi hält laut einem Bericht der Bank of America vom 8. April rund 90 Prozent des US-Prognosemarktanteils. Polymarket ist zwar ein bedeutender globaler Akteur, verfügt aber über eine begrenzte Präsenz in den USA. Sport ist nach Volumen die beliebteste Kategorie: Laut dem Congressional Research Service entfielen bis Februar fast 90 Prozent der im letzten Jahr auf Kalshi platzierten Wetten auf den Sportbereich.

Dennoch sind es die kontroverseren Wetten, die für politischen Zündstoff sorgen. Ein Nutzer auf Polymarket strich im Januar 400.000 US-Dollar ein, indem er den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro korrekt vorhersagte – was Bedenken hinsichtlich Insiderhandels aufwarf. Nachfolgende Wetten auf den Iran-Krieg und andere Regierungsmaßnahmen haben die Alarmbereitschaft der Gesetzgeber weiter erhöht.

Kalshi blieb dabei nicht von Kontroversen verschont. Das Unternehmen ließ Ende Februar Wetten darauf zu, ob das verstorbene iranische Staatsoberhaupt Ali Chamenei entmachtet werden würde. Chamenei wurde am ersten Tag des US-israelischen Krieges mit dem Iran getötet. Kalshi erstattete den Wettenden schließlich alle Gebühren und Nettoverluste und verwies auf Bundesvorschriften, die Wetten auf den Tod untersagen.

Lobbyarbeit und politische Vernetzung

Beide Unternehmen investieren erheblich in politischen Einfluss. Kalshi gab im Jahr 2025 laut der Organisation OpenSecrets 615.000 US-Dollar für Lobbyarbeit aus, Polymarket 360.000 US-Dollar. Im Vergleich zu den zweistelligen Millionenbeträgen führender Wirtschaftsverbände sind das bescheidene Summen – doch die strategische Vernetzung ist bemerkenswert.

Kalshi eröffnete im Januar ein Büro in Washington und verpflichtete den ehemaligen Biden-Regierungsmitarbeiter John Bivona als ersten Leiter für Regierungsbeziehungen. Im April holte das Unternehmen zudem Stephanie Cutter, eine ehemalige Top-Beraterin von Präsident Barack Obama, als Politikberaterin an Bord. Polymarket hingegen eröffnete im März eine Pop-up-Bar im Zentrum von Washington, in der Gäste neben Getränken auch Wetten platzieren und Bloomberg-Terminals nutzen konnten – wenngleich Stromprobleme zu einer missglückten Eröffnung führten.

Regulatorischer Rahmen und politische Spaltung

Kalshi wird von der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reguliert und erlaubt es Nutzern nicht, Wetten anonym zu platzieren. Die CFTC behandelt die angebotenen Kontrakte als sogenannte „Swaps" gemäß dem Commodity Exchange Act. Polymarket hingegen betreibt seine internationale Seite über eine in Panama lizenzierte Einheit, die nicht der US-Aufsicht unterliegt – ein zentraler Kritikpunkt der Gesetzgeber.

Seit Januar wurden mindestens acht Gesetzentwürfe zu Prognosemärkten eingebracht. Mehrere zielen darauf ab, Insiderhandel zu unterbinden. Ein Entwurf der Senatoren Adam Schiff (Demokrat, Kalifornien) und John Curtis (Republikaner, Utah) würde Sport-Prognosemarktkontrakte sogar gänzlich verbieten. Senator Chris Murphy (Demokrat, Connecticut) bezeichnete die Chancen für eine Verabschiedung von Gesetzen in diesem Kongress jedoch als „verschwindend gering".

Trumps Familie als Interessenkonflikt

Ein weiterer politischer Faktor erschwert die Regulierungsdebatte: Die Familie Trump hat ein aktives Interesse an Prognosemärkten. Das Medienunternehmen der Familie kündigte an, einen eigenen Prognosemarkt namens Truth Predict zu eröffnen. Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten, ist Investor und unbezahlter Berater bei Polymarket sowie bezahlter Berater bei Kalshi. Die Trump-Regierung verschickte im März eine E-Mail an alle Mitarbeiter, in der vor Wetten auf den Iran-Krieg auf Prognosemärkten gewarnt wurde.

Die Regulierung von Prognosemärkten findet zwar teilweise Unterstützung bei den Republikanern, war im Kongress bisher jedoch weitgehend ein Thema der Demokraten. Ungeachtet aller Lobbybemühungen dürfte die Debatte in Washington so schnell nicht verstummen – auch wenn konkrete Gesetze vorerst auf sich warten lassen könnten.

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