IonQ gegen Rigetti Computing: Welche Quantencomputer-Aktie ist die bessere Wahl?
Der US-Finanzdienst Motley Fool vergleicht IonQ und Rigetti Computing – und der Autor der Analyse hat sich klar für eine der beiden Aktien entschieden.

Quantencomputing gilt unter Anlegern als die nächste große Hardware-Chance – nach dem Hype um künstliche Intelligenz. Viele Unternehmen in diesem Sektor entwickeln Quantencomputer auf Basis unterschiedlicher Technologien. Genau das erschwert die Einschätzung, welcher der zahlreichen Ansätze sich durchsetzen wird, während die Technologie aus der Forschung in die breite Anwendung übergeht.
Der US-Finanzdienst Motley Fool hat in einer aktuellen Analyse zwei reine Quantencomputer-Unternehmen gegenübergestellt: IonQ (Ticker IONQ) und Rigetti Computing (Ticker RGTI). Die beiden Konkurrenten verfolgen grundlegend verschiedene technische Wege. IonQ entwickelt ionenbasierte Quantengeräte, Rigetti Computing setzt auf supraleitende Maschinen.
Beide Unternehmen bieten Investitionsargumente, doch der Autor der Analyse hat sich entschieden, Aktien von IonQ zu kaufen. Seine Begründung stützt sich vor allem auf das Umsatzwachstum, die Bewertung und die Bilanz der beiden Konzerne. Im Folgenden ein Überblick über beide Unternehmen.
Die Details
Rigetti Computing verfügt über mehrere Stärken. Es handelt sich um ein vertikal integriertes Pure-Play-Unternehmen für Quantencomputer, das sich konsequent auf supraleitende Maschinen konzentriert – die vorherrschende Industrietechnologie, die auch von Tech-Giganten wie IBM genutzt wird. Die Fähigkeiten des Unternehmens umfassen die interne Kontrolle über den gesamten End-to-End-Prozess des Quantencomputerbaus, vom Chipdesign und der Fertigung bis hin zur Software, die das System steuert. Um Einnahmen zu generieren, bietet Rigetti Zugang zu seinen Quantenmaschinen über die Cloud an und verkauft diese direkt.
Als Zeichen dafür, dass die Technologie Potenzial zeigt, erhielt das Unternehmen im September eine Zuwendung in Höhe von 100 Millionen Dollar vom US-Wirtschaftsministerium. Zudem arbeitet Rigetti mit Hewlett-Packard zusammen, um Quantengeräte in bestehende Supercomputer zu integrieren und so eine hybride Computing-Lösung zu schaffen.
Beim Umsatz verzeichnet Rigetti im Jahr 2026 Wachstum. Der Umsatz im zweiten Quartal belief sich auf 5,1 Millionen Dollar, gegenüber 1,8 Millionen Dollar im Jahr 2025. Trotz dieses erheblichen Anstiegs bleibt Rigetti zutiefst unprofitabel. Der operative Verlust im zweiten Quartal belief sich insgesamt auf 28,1 Millionen Dollar, gegenüber 19,9 Millionen Dollar im Jahr 2025 – ein Hinweis darauf, dass die Kosten für den Betrieb des Geschäfts steigen. Der Cash Burn von Rigetti wäre besorgniserregend, wenn nicht ein beträchtlicher Bestand an Bargeld, bargeldähnlichen Mitteln und Investitionen in Höhe von 541,3 Millionen Dollar zum Ende des zweiten Quartals vorhanden wäre. Diese Summe sowie die staatliche Zuwendung in Höhe von 100 Millionen Dollar können den Betrieb kurzfristig aufrechterhalten, während die Technologie weiterentwickelt wird, um eine größere Kundenakzeptanz zu erreichen.
Die ionenbasierten Quantencomputer von IonQ sind langsamer als der supraleitende Ansatz von Rigetti, besitzen jedoch den Weltrekord an Fidelity – einem Maß für die Genauigkeit und Zuverlässigkeit quantenmechanischer Berechnungen. Während Geschwindigkeit wichtig ist, ist das Ergebnis nur dann hilfreich, wenn es genau ist, wodurch die Fidelity zu einer kritischen Erfolgskennzahl wird. Diese Genauigkeit trug dazu bei, dass das Unternehmen bei Kunden an Boden gewann.
Der Umsatz von IonQ im zweiten Quartal erreichte 80,1 Millionen Dollar. Diese Summe übertrifft Rigetti deutlich und ist fast doppelt so hoch wie der Umsatz aller anderen reinen Quantencomputerunternehmen im zweiten Quartal zusammen. Das ist laut der Analyse kein Zufall: IonQ hat seinen Umsatz jedes Jahr gesteigert, seit das Unternehmen 2021 börsennotiert wurde. Für 2026 erwartet IonQ Umsätze zwischen 280 Millionen und 290 Millionen Dollar – mehr als das Doppelte der 130 Millionen Dollar im Jahr 2025.
Darüber hinaus ist die Plattform von IonQ robust. Die Übernahme von SkyWater Technology in diesem Jahr verschafft dem Unternehmen eine eigene Fabrik für die Herstellung seiner Quantencomputerchips. Am 12. Oktober kündigte IonQ an, das Cybersicherheitsunternehmen Elisity zu übernehmen, um seine Quantenkryptographie zu stärken. Dennoch hat die aggressive Akquisitionsstrategie zu schnell steigenden Kosten geführt. Das zweite Quartal endete mit einem operativen Verlust von 337,2 Millionen Dollar im Vergleich zu einem Verlust von 160,6 Millionen Dollar im Jahr 2025. Die Bargeld-, bargeldähnlichen Mittel und Investitionen von IonQ beliefen sich zum Ende des zweiten Quartals auf 3 Milliarden Dollar. Ideal wäre es laut der Analyse jedoch, wenn das Unternehmen seine Akquisitionen drosseln würde. Der Deal für Elisity beinhaltet Aktien im Wert von bis zu 1,3 Milliarden Dollar, was eine erhebliche Verwässerung für die Aktionäre bedeutet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Gegenüberstellung ist Teil einer längeren Berichterstattung über den jungen Quantencomputing-Sektor. Bereits am 26.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von Rigetti Computing in den vergangenen sechs Monaten rund 37 Prozent an Wert verloren hatte und die Technologie sich derzeit vor allem an Forscher und Regierungsbehörden richtet, da der Sektor noch nicht ausgereift genug für eine breite kommerzielle Nutzung ist.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news über die IonQ-Aktie und ordnete sie als eher spekulative Investition ein. Der zentrale Punkt damals: IonQ verfolgt große Ziele im Quantencomputing, doch die Umsetzung seiner technologischen Roadmap in ein profitables Geschäftsmodell wird Zeit benötigen. Zwischen der technologischen Vision und den Erträgen klafft eine Lücke, die Anleger aushalten müssen.
Am 10.10.2026 folgte eine Analyse zu Rigetti Computing mit dem Befund, dass selbst im optimistischen Szenario das Aufwärtspotenzial begrenzt sei. Rigetti spezialisiert sich demnach auf supraleitende Quantencomputer – ein Ansatz, den auch Technologiegiganten wie Alphabet und IBM verfolgen – und betreibt eine eigene Fertigungsstätte sowie cloudbasierte Dienste.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news über eine Motley-Fool-Analyse zu sechs börsennotierten Quantencomputing-Unternehmen. Der Befund: Nur wenige von ihnen stehen dem Geschäft mit Quantencomputern tatsächlich nahe. Drei der sechs Unternehmen sind reine Pure-Plays, die ihr Cash verbrennen, um einen Markt zu erschließen, der bislang kaum existiert. Bei den anderen drei spielt Quantencomputing bisher nur eine Randerscheinung. Namentlich benannt wurden IBM, IonQ, D-Wave und Rigetti.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Vergleich zweierlei. Erstens ist der Sektor technisch noch nicht entschieden: IonQ und Rigetti stehen für zwei unterschiedliche Ansätze, und die Analyse macht deutlich, dass Geschwindigkeit allein kein Erfolgskriterium ist – die Fidelity, also die Genauigkeit der Berechnungen, ist eine kritische Kennzahl.
Zweitens unterscheiden sich die Geschäftszahlen erheblich. IonQ erzielte im zweiten Quartal mit 80,1 Millionen Dollar ein Vielfaches des Rigetti-Umsatzes von 5,1 Millionen Dollar. Beide Unternehmen sind tief unprofitabel, doch IonQ verfügt mit 3 Milliarden Dollar über deutlich mehr liquide Mittel als Rigetti mit 541,3 Millionen Dollar.
Ein weiteres Argument des Autors betrifft die Bewertung. Der Aktienkurs von Rigetti sei im Vergleich zu dem von IonQ extrem hoch, und das, obwohl sein Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price-to-Sales) im Laufe des Jahres 2026 stetig gesunken ist. Das Umsatzmultiple von Rigetti liegt mehr als sechsmal höher als das von IonQ, was darauf hindeutet, dass Letzteres das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Dies, kombiniert mit dem weit größeren Umsatz von IonQ, der umfassenden Plattform und dem Bestand an Bargeld und Investitionen in Höhe von 3 Milliarden Dollar in der Bilanz, positioniert das Unternehmen laut der Analyse für langfristigen Erfolg.
Rigetti wiederum erreichte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 9,5 Millionen Dollar und übertraf damit bereits den Gesamtumsatz von 2025 in Höhe von 7,1 Millionen Dollar. Im Vergleich zu IonQ wirkt diese Summe jedoch geringfügig. Solange Rigetti nicht nachweisen kann, dass es den Umsatz signifikant steigern und diesen Trend langfristig aufrechterhalten kann, besteht die Gefahr, dass seine supraleitende Technologie von besser kapitalisierten Konkurrenten wie IBM in den Schatten gestellt wird. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus für Anleger nicht ableiten.
Ausblick
Für IonQ erwartet das Unternehmen selbst für 2026 Umsätze zwischen 280 Millionen und 290 Millionen Dollar. Das wäre mehr als das Doppelte der 130 Millionen Dollar aus dem Jahr 2025. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt aus Sicht der Analyse maßgeblich davon ab, ob IonQ seine Akquisitionen drosselt – der Elisity-Deal mit Aktien im Wert von bis zu 1,3 Milliarden Dollar bedeutet eine erhebliche Verwässerung für die Aktionäre.
Bei Rigetti bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen den Umsatz signifikant steigern und langfristig auf diesem Niveau halten kann. Gelingt das nicht, droht die supraleitende Technologie von besser kapitalisierten Wettbewerbern wie IBM verdrängt zu werden. Kurzfristig stützen die 541,3 Millionen Dollar an liquiden Mitteln sowie die staatliche Zuwendung von 100 Millionen Dollar den Betrieb.
Kurz erklärt
- Fidelity: Maß für die Genauigkeit und Zuverlässigkeit quantenmechanischer Berechnungen.
- Supraleitende Quantencomputer: Maschinen, die auf supraleitenden Schaltkreisen basieren und als vorherrschende Industrietechnologie gelten.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price-to-Sales): Bewertungskennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Umsatz eines Unternehmens setzt.
- Verwässerung: Absinken des Anteils bestehender Aktionäre am Unternehmen, wenn neue Aktien ausgegeben werden.
- Pure-Play: Unternehmen, das sich auf ein einziges Geschäftsfeld konzentriert.
