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Großbritanniens Verteidigungspolitik: Burnham und die Parallelen zu den 1930ern

Ein FT-Kommentar warnt Andy Burnham vor gefährlichen historischen Parallelen zwischen Großbritanniens heutiger Verteidigungspolitik und den 1930er Jahren.

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Großbritanniens Verteidigungspolitik: Burnham und die Parallelen zu den 1930ern

Andy Burnham, der sich darauf vorbereitet, Sir Keir Starmer als britischen Premierminister abzulösen, steht vor einer drängenden sicherheitspolitischen Herausforderung. Ein Kommentar in der Financial Times zieht beunruhigende Parallelen zwischen der aktuellen britischen Verteidigungspolitik und den Versäumnissen der 1930er Jahre – und warnt den künftigen Regierungschef vor den Konsequenzen einer zu zögerlichen Aufrüstung.

Der Vergleich ist historisch aufgeladen: 1940 veröffentlichten drei Journalisten unter dem Pseudonym „Cato" die Streitschrift „The Guilty Men" (Die schuldigen Männer), in der sie britischen Politikern vorwarfen, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 die Aufrüstung verschlafen zu haben. Das Pamphlet wurde ein Bestseller, der Ruf der Angeklagten dauerhaft beschädigt. Im Mittelpunkt der Kritik stand Stanley Baldwin, der konservative Parteichef und spätere Premierminister, der wirtschaftliche Zwänge und den Widerstand der Wähler als Entschuldigung für die zögerliche Reaktion auf Hitlers militärische Aufrüstung anführte.

Starmers Verteidigungsplan unter Beschuss

Der diese Woche veröffentlichte britische Verteidigungsinvestitionsplan (DIP) sieht zwar eine finanzielle Aufstockung vor, doch Kritiker halten sie für unzureichend. Laut dem FT-Kommentar entspricht der Plan nach Einschätzung des zurückgetretenen Verteidigungsministers John Healey nicht den Risiken einer Welt, die von Putins Krieg in der Ukraine, Konflikten im Nahen Osten, einem selbstbewussten China und einem unilateralistischen Amerika geprägt ist. Healey hatte im vergangenen Monat seinen Rücktritt eingereicht, nachdem ein früherer Entwurf des Plans bekannt geworden war.

Konkret soll das britische Verteidigungsbudget von 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung im Zeitraum 2026/27 auf lediglich 2,7 Prozent im Zeitraum 2029/30 steigen – trotz einer Erhöhung der Ausgaben um 15 Milliarden Britische Pfund gegenüber früheren Planungen. Großbritannien hat sich wie alle NATO-Mitglieder verpflichtet, die Kernausgaben für Verteidigung bis 2035 auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Der Weg dorthin erfordert nach dem aktuellen Plan fast beispiellose Ausgabensteigerungen in den frühen 2030er Jahren – nach der nächsten Parlamentswahl.

Die historischen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Der Vergleich mit den 1930er Jahren ist dabei nicht nur rhetorisch. Als Hitler 1933 die Macht übernahm, lagen die britischen Verteidigungsausgaben bei 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Angesichts der rasanten deutschen Aufrüstung stiegen sie bis 1935/36 nur mühsam auf 3,2 Prozent. Die entscheidende Kehrtwende kam erst, nachdem die Wehrmacht 1936 in das entmilitarisierte Rheinland einmarschiert war – zu spät, um die Dynamik noch rechtzeitig umzukehren.

Die strukturellen Ähnlichkeiten zur Gegenwart sind laut dem FT-Kommentar unübersehbar: Europas Demokratien stecken in wirtschaftlicher Stagnation und sind von Schulden belastet. Die alten Eliten werden von Populisten bedrängt. Amerika hält sich erneut zurück, während ein revanchistischer Machthaber versucht, die europäische Territorialordnung umzustürzen. Und die Wähler sind nicht bereit, Butter für Kanonen zu opfern – genau wie in den 1930er Jahren.

Britisches Militär durch Sparkurs ausgehöhlt

Hinzu kommt der desolate Zustand der britischen Streitkräfte selbst. Die strategische Verteidigungsprüfung der Regierung zeigt: Das Militär wurde durch jahrzehntelangen Sparkurs nach dem Ende des Kalten Krieges ausgehöhlt. Die Armee ist zu klein, um eine effektive Streitmacht einzusetzen. Die Marine hat Mühe, selbst eine stark verkleinerte Flotte im Dienst zu halten. Der Ukraine-Krieg hat zudem erhebliche Fähigkeitslücken aufgezeigt – von der Luftverteidigung über Raketen und Drohnen bis hin zu integrierten Waffensystemen.

Der FT-Kommentar schließt mit einer klaren Warnung: Baldwins unverzeihlicher Fehler war es, die Abschreckung aufzugeben und Hitler faktisch dazu einzuladen, Großbritanniens mangelnde Entschlossenheit zu erkennen. Die Appeasement-Politik unter Neville Chamberlain war eine fast zwangsläufige Folge. Burnham solle sich fragen, was Putin von den aktuellen britischen Verteidigungsplänen halten werde – denn nirgendwo würden diese genauer unter die Lupe genommen als in Moskau.

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