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Goldman Sachs warnt: KI-Risiko liegt in Gewinnblase, nicht Bewertungen

Goldman-Strategen sehen das größte Risiko für Tech-Aktien nicht in überhöhten Bewertungen, sondern in der Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums.

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Goldman Sachs warnt: KI-Risiko liegt in Gewinnblase, nicht Bewertungen

Laut Strategen von Goldman Sachs liegt das eigentliche Risiko für Technologieaktien nicht in überhöhten Bewertungen, sondern in der Frage, ob das außergewöhnliche Gewinnwachstum des Sektors dauerhaft tragfähig ist. Die Experten um Peter Oppenheimer warnen in einer aktuellen Mitteilung vor einer möglichen „Gewinnblase" im Technologiesektor – ein Befund, der für Anleger weltweit von Bedeutung ist.

Seit 2025 hat sich das Bild an den globalen Aktienmärkten grundlegend verändert. Die Aktienrenditen haben sich geografisch und über Sektoren hinweg verbreitert und damit ein fünfzehnjähriges Muster umgekehrt, in dem US-Markt, Technologiesektor und Growth-Stil dominierten. „Das Chancenspektrum hat sich verschoben", schrieben die Strategen. Die USA seien in diesem Jahr die „schwächste der großen Regionen" gewesen, obwohl sich die globalen Aktienmärkte insgesamt gut entwickelt hätten.

Bewertungsaufschlag der Tech-Giganten fast verschwunden

Ein zentraler Befund der Goldman-Analyse betrifft die Bewertungslücke zwischen den fünf größten US-Aktien und dem Rest des S&P 500. Der einst deutliche Bewertungsaufschlag sei „fast verschwunden", so die Strategen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Gewinne liege nur noch geringfügig über dem der anderen 495 S&P-500-Werte – ein markanter Gegensatz zu dem seit 2017 bestehenden dauerhaften Aufschlag.

Goldman zieht dabei einen aufschlussreichen Vergleich zur Dotcom-Ära: „Damals erreichten die Bewertungen einen viel höheren Stand, sanken jedoch, als die Aktienkurse einbrachen. Dieses Mal haben sich die Preise moderater angepasst, aber die Gewinne sind außergewöhnlich stark geblieben." Diese Konstellation macht die aktuelle Situation strukturell anders – und potenziell gefährlicher für Anleger, die sich allein auf Bewertungskennzahlen verlassen.

Noch deutlicher fällt die Neubewertung bei Softwareaktien aus. Ihr globaler KGV-Aufschlag sank auf etwa 20 Prozent – „weit entfernt von den fast 200 Prozent zu Beginn dieses Jahrhunderts", wie die Mitteilung festhält. Als Hauptursache nennt Oppenheimers Team den starken Anstieg der Investitionsausgaben der sogenannten Hyperscaler – also der großen Cloud-Anbieter – seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022. Diese massiven Kapitalausgaben hätten den einstigen Premium-Free-Cashflow des Sektors geschmälert und die Unternehmen zur Finanzierung an die Fremd- und Eigenkapitalmärkte getrieben.

Implizite Wachstumserwartungen steigen trotz sinkender Bewertungen

Trotz der Bewertungskorrektur sind die impliziten künftigen Wachstumserwartungen für den Technologiesektor weiter gestiegen. Mithilfe eines einstufigen Dividenden-Diskontierungsmodells stellten die Strategen fest, dass die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) der Gewinne über zehn Jahre „deutlich über die Höchststände von 2000 hinaus beschleunigt" habe – auch wenn sie unter den absoluten Höchstständen der Dotcom-Ära bleibe. „Im gesamten Technologiesektor scheint es keine Bewertungsblase zu geben, aber es könnte eine Gewinnblase vorliegen", lautet das prägnante Fazit der Experten.

Goldman verweist zudem auf einen breiteren „Capex-Superzyklus", der über die Technologiebranche hinausgreift. Dieser beflügle die Wachstumsaussichten und Bewertungen früher vernachlässigter Sektoren der sogenannten „Old Economy". Industriewerte weisen nun weltweit die höchste Sektorbewertung auf und liegen über ihrer 20-Jahres-Spanne, während der Technologiesektor auf seinen historischen Durchschnitt zurückgefallen ist.

Divergenz zwischen IT und Energie eröffnet Alpha-Chancen

Besonders interessant für selektive Anleger ist eine auffällige Divergenz: Der IT-Sektor verzeichnete in diesem Jahr das stärkste Gewinnwachstum bei gleichzeitig stärkster Abwertung. Der Energiesektor hingegen entwickelte sich trotz schwächeren Gewinnwachstums besser. Diese Diskrepanz eröffne laut den Goldman-Experten „Alpha-Chancen" für aktive Investoren, die bereit sind, gezielt zwischen Sektoren zu differenzieren.

Die Bank hebt zudem die sinkende Korrelation zwischen den Aktien der wichtigsten Märkte als Zeichen einer „gesunden Normalisierung" hervor – nach Jahren extremer Konzentration sowohl bei der Marktkapitalisierung als auch bei der Performance. Für deutsche Privatanleger bedeutet dies: Die Ära der blinden Übergewichtung von US-Tech-Werten könnte strukturell zu Ende gehen, und eine breitere, global diversifizierte Aufstellung gewinnt an Attraktivität.

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