Gold und Silber brechen ein: US-Inflation und Ölpreise belasten
Die US-Verbraucherpreisinflation für September übertrifft die Erwartungen und lässt Gold und Silber deutlich fallen.

Gold- und Silber-Futures haben den Handel in New York mit deutlichen Verlusten beendet. Auslöser war die US-Verbraucherpreisinflation für September, die über den Schätzungen lag. Das erhöhte die Markterwartungen für eine Zinsanhebung der Federal Reserve in diesem Monat und ließ den US-Dollar steigen.
Der Gold-Future mit nächster Laufzeit schloss in New York um 1,6 Prozent niedriger bei 4.084,80 US-Dollar pro Feinunze. Deutlich stärker traf es Silber: Der Future fiel um 6,1 Prozent auf 55,55 US-Dollar pro Feinunze. Das war der niedrigste Schlusskurs des weißen Edelmetalls seit fast elf Monaten.
Die Market Talks zum Sektor Grundstoffe erscheinen exklusiv auf Dow Jones Newswires und werden um 4:20 Uhr, 12:20 Uhr und 16:50 Uhr ET veröffentlicht. Der folgende Bericht fasst die wichtigsten Meldungen zusammen – vom Edelmetallhandel in New York bis zu den Chemieexporten am Persischen Golf.
Die Details
Den Auftakt machte um 14:07 Uhr ET die Meldung über den Handelsschluss bei Gold und Silber. Nachdem die US-Verbraucherpreisinflation für September über den Schätzungen ausgefallen war, stiegen sowohl die Anleiherenditen als auch der US-Dollar. Die anhaltenden Angriffe im Persischen Golf übten zusätzlichen Druck aus, indem sie die Ölpreise in die Höhe trieben. Laut einem Bericht von Kaynat Chainwala von Kotak Neo stützen diese Entwicklungen „die Gefahr, dass die durch Energie getriebene Inflation den Weg der Fed erschwert“.
Für den Gold-Future mit nächster Laufzeit bedeutete das ein Minus von 1,6 Prozent auf 4.084,80 US-Dollar pro Feinunze. Silber verlor 6,1 Prozent und schloss bei 55,55 US-Dollar pro Feinunze – der tiefste Schlusskurs seit fast elf Monaten. Der Silberpreis fiel damit im Tagesverlauf noch stärker als Gold, obwohl beide Metalle unter denselben Makrofaktoren litten.
Bereits um 09:00 Uhr ET hatten die Gold-Futures ihre frühen Verluste ausgeweitet, nachdem der saisonbereinigte US-CPI für September höher als erwartet ausgefallen war. Das ließ die Renditen und den US-Dollar ansteigen. Zu den Faktoren hinter den Dollar-Gewinnen zählten nach Angaben von Peter Cardillo von Spartan Capital auch geopolitische Entwicklungen an der Kriegsfront. Hinzu kam die Aussage des IWF-Chefs, dass das Wachstumskonzept des US-Finanzministers Scott Bessent nicht ausreiche, um die explodierenden Defizite und die wachsende Schuldenlast zu zügeln.
Cardillo kommentierte dies mit den Worten: „Ironischerweise liefern diese Bedenken einen weiteren Grund, Edelmetalle zu kaufen.“ Zum damaligen Zeitpunkt notierte Gold für Dezember-Lieferung in New York 1,2 Prozent tiefer bei 4.126,50 US-Dollar pro Feinunze. Silber fiel um 2,7 Prozent auf 57,92 US-Dollar pro Feinunze. Im Vergleich der beiden Zeitstempel wird deutlich, wie stark sich die Verluste im Tagesverlauf ausweiteten: Gold gab von 4.126,50 auf 4.084,80 US-Dollar pro Feinunze nach, Silber von 57,92 auf 55,55 US-Dollar pro Feinunze.
Ein ganz anderes Bild zeigte sich bei den Chemieproduzenten der Golfregion. Um 04:45 Uhr ET teilte S&P Global Ratings mit, dass Chemiepioniere aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor einer Bewährungsprobe ihrer Fähigkeit stehen, Exporte umzuleiten. Grund dafür sind die anhaltenden Unterbrechungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Die anstehenden Unternehmensergebnisse sollten Belege dafür liefern, wie effektiv die Produzenten alternative Routen trotz logistischer Einschränkungen genutzt haben.
Die Ratingagentur wies darauf hin, dass feste chemische Produkte im Allgemeinen leichter zu lagern oder umzuleiten sind als Flüssigkeiten, die spezielle Lager- und Transportinfrastruktur erfordern. S&P zufolge hat der Konflikt die regionalen Chemieexporte und die Produktion gestört. Dadurch ist die geografische Diversifizierung zu einem wichtigen Faktor für die Kreditresilienz der Unternehmen geworden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Entwicklungen sind Teil einer längeren Phase, in der Edelmetalle unter dem Druck eines starken US-Dollar und steigender Ölpreise stehen. Bereits am 15.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Goldpreise den vierten Rückgang in Folge verzeichneten, nachdem eine Reihe starker US-Konjunkturdaten den Dollar beflügelte und die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der Federal Reserve deutlich zurückschraubte.
Am 24.06.2026 meldete aktien.news, dass der Goldmarkt unter erheblichem Druck stand und die Gold-Futures weiter in Richtung der Marke von 4.000 Dollar pro Feinunze sanken. Der meistgehandelte Kontrakt notierte damals bei 4.125,80 Dollar pro Feinunze. Peter Cardillo von Spartan Capital war bereits damals eine der zitierten Stimmen – ein Hinweis darauf, wie lange sich die Einschätzung hält, dass geopolitische Risiken den Edelmetallmarkt stützen könnten.
Am 16.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Goldpreise ihre Verluste ausgeweitet hatten und XAU/USD um 0,74 Prozent auf 4.030,32 Dollar pro Unze fiel. Auch Silber und Platin gaben nach. Bemerkenswert war damals, dass die Anleger die schwächeren US-Inflationsdaten weitgehend ignorierten und stattdessen die Sorge in den Vordergrund rückte, dass steigende Ölpreise die künftige Inflation befeuern und den Handlungsspielraum der Federal Reserve einengen könnten.
Erst am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Goldpreis so niedrig wie zuletzt vor einer Woche notierte. Damals lasteten drei Faktoren auf dem Edelmetallmarkt: steigende Ölpreise, ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung, dass die Federal Reserve bei den Zinsen einen eher restriktiven Kurs verfolgen wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigen die jüngsten Daten, wie eng der Edelmetallmarkt derzeit an die US-Geldpolitik und die Ölpreise gekoppelt ist. Ein über den Erwartungen liegender US-Verbraucherpreisindex wirkt gleich doppelt: Er stützt den Dollar, was Gold und Silber für Käufer außerhalb des US-Währungsraums teurer macht, und er nährt die Erwartung einer Zinsanhebung der Fed.
Bei Silber fiel der Rückgang mit 6,1 Prozent besonders heftig aus. Das zeigt, dass das weiße Edelmetall deutlich stärker ausschlägt als Gold. Wer in Edelmetalle investiert, sollte diese höhere Schwankungsanfälligkeit einplanen – und beachten, dass ein Ende der Ölpreisrally am Persischen Golf die Lage rasch verändern könnte.
Auf der Unternehmensseite richtet sich der Blick auf die Chemieproduzenten in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deren Ergebnisse werden zeigen, wie widerstandsfähig die Branche gegen die Störungen an der Straße von Hormus aufgestellt ist. Die Unterscheidung zwischen festen und flüssigen chemischen Produkten ist dabei zentral: Feste Stoffe lassen sich einfacher umleiten als Flüssigkeiten, die auf spezielle Infrastruktur angewiesen sind.
Ausblick
Die Markterwartungen richten sich nach dem über den Schätzungen liegenden CPI auf eine Zinsanhebung der Fed in diesem Monat. Anleger werden die weiteren Signale aus den Vereinigten Staaten sowie die Entwicklung der Ölpreise am Persischen Golf genau verfolgen.
Bei den Chemieproduzenten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen die kommenden Unternehmensergebnisse im Fokus. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie effektiv die Produzenten alternative Routen genutzt haben. S&P Global Ratings hat die geografische Diversifizierung bereits als wichtigen Faktor für die Kreditresilienz der Unternehmen benannt.
Kurz erklärt
- Feinunze: Gewichtseinheit für Edelmetalle, die im internationalen Handel als Standardgröße für Gold und Silber dient.
- Futures: Standardisierte Terminkontrakte, mit denen Rohstoffe zu einem vereinbarten Zeitpunkt in der Zukunft gehandelt werden.
- CPI: Der US-Verbraucherpreisindex misst die durchschnittliche Preisentwicklung eines festen Warenkorbs.
