Gewinne stützen Risikokurse, doch begrenzter Fed-Spielraum drückt Anleihen und Bewertungen
Eyb-&-Wallwitz-Ökonom Johannes Mayr sieht Unternehmensgewinne als Stütze für riskante Anlagen – solange der Fed kaum Spielraum für Zinssenkungen bleibt.

Ein am Mittwoch veröffentlichter US-Inflationsbericht hat die Erwartungen auf einen weiteren Zinsschritt der US-Notenbank Federal Reserve wiederbelebt. Das schlägt sich unmittelbar an den asiatischen Märkten nieder. Der japanische Leitindex Nikkei fiel um 2,9 Prozent auf 65.755,28 Punkte und spiegelte damit die Verluste wider, die sich an der Wall Street über Nacht angehäuft hatten.
Der Marktanalyst Antonio Di Giacomo vom Broker XS.com fasst die Lage in einer E-Mail zusammen: „Höhere Preisdruckfaktoren, erhöhte Renditen und Bedenken hinsichtlich Technologieunternehmen haben die Risikobereitschaft reduziert." Zuvor hatte er festgehalten, dass der am Mittwoch veröffentlichte US-Inflationsbericht „die Erwartungen auf einen weiteren Zinsanstieg durch die Fed wiederbelebt" habe. Damit gerät die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen erneut ins Wanken.
In dieses Umfeld fällt die Einschätzung von Johannes Mayr, Chefökonom der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz. In einer Notiz schreibt er, dass Unternehmensgewinne riskante Anlagen stützen können, solange das Wirtschaftswachstum die Auswirkungen höherer Zinssätze überwiegt. Langfristige Anlagen blieben dagegen anfällig, solange der Federal Reserve kein Spielraum für signifikante Zinssenkungen zur Verfügung steht.
Die Details
Am japanischen Aktienmarkt traf es am stärksten die Technologie- und Zulieferwerte. Zu den schlechtesten Performern im Nikkei zählten Ibiden mit einem Einbruch um 9,8 Prozent, Fujikura mit einem Minus von 8,6 Prozent sowie Kioxia Holdings, das um 12,32 Prozent sank. Der Quelle zufolge verzeichnete zudem ein als Down-Pointing-Triangle-Index bezeichneter Indikator einen Rückgang von 8,2 Prozent. Am Devisenmarkt notierte der US-Dollar bei 157,86 Yen, nach 158,30 Yen zum Zeitpunkt des Marktschlusses in Tokio am Mittwoch.
Mayr lenkt den Blick auf die Reihenfolge der geldpolitischen Anpassungen. „Die Abfolge der Anpassungen während des kommenden Regimewechsels wird daher entscheidend sein: Wenn die Inflation zuerst nachlässt, verbessert sich die Umgebung für Anleihen und Bewertungen; wenn das Wachstum zuerst an Dynamik verliert, geraten Gewinne und Risikoaufschläge unter Druck", zitiert die Notiz den Chefökonomen. Beide Szenarien führen also zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen für Anleihe- und Aktienanleger.
Solange diese Frage nicht geklärt ist, deuten die Daten aus Sicht von Mayr auf ausgewogene Portfolios hin. Der Fokus sollte demnach auf robusten Bilanzen und einer ausgeglichenen Duration liegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Spannungsfeld ist nicht neu. Bereits am 12.07.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Aktienmarkt zwischen Inflationssorgen und starken Gewinnerwartungen gefangen ist. Analysten von Goldman Sachs warnten damals, dass eine unerwartet hohe Inflationsrate die Aktienmärkte erheblich belasten könnte, weil sie die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen durch die Federal Reserve erhöht.
Am 10.08.2026 berichtete aktien.news über den Gegenpol: Schwache US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag dämpften die Erwartungen für eine Zinserhöhung der Fed im September deutlich. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Anhebung sank laut Marktanalysen von zuvor rund 64 bis 67 Prozent auf etwa 43 bis 44 Prozent. Das gab den Aktienmärkten in Asien Rückenwind, während die regionalen Währungen unter Druck gerieten.
Am 16.08.2026 stand laut aktien.news die Unsicherheit über die Fed im Mittelpunkt. Da die Notenbank keine neuen Orientierungshilfen lieferte, wandten sich viele Investoren den Unternehmensgewinnen als Anker zu. Shawn Snyder, Wirtschaftsstratege bei Potomac Fund Management, sagte damals, das Hauptthema bleibe die Federal Reserve, und nannte das Jackson-Hole-Symposium vom 27. bis 29. August als nächste wichtige Gelegenheit für Klarheit über Inflation und Wachstum.
Am 18.09.2026 meldete aktien.news eine kurze Erholung: Die Futures an den wichtigsten US-Aktienindizes legten leicht zu, nachdem die Märkte auf abnehmende Bedenken hinsichtlich des Engagements der Fed im Kampf gegen die Inflation sowie sinkende Ölpreise reagiert hatten. Die Dow-Futures stiegen um 149 Punkte (0,3 Prozent), die S&P-500-Futures um 30 Punkte (0,4 Prozent) und die Nasdaq-100-Futures um 212 Punkte (0,7 Prozent). In der vorangegangenen Sitzung hatten der S&P 500 und der technologiebetonte Nasdaq Composite um rund 1,1 beziehungsweise 1,7 Prozent zugelegt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt die aktuelle Gemengelage vor allem eines: Die Richtung an den Märkten hängt stark davon ab, ob zuerst die Inflation nachgibt oder zuerst das Wachstum an Schwung verliert. Mayr zufolge spricht die Datenlage derzeit für ausgewogene Portfolios mit Fokus auf robuste Bilanzen und eine ausgeglichene Duration – also eine Mischung aus kürzeren und längeren Laufzeiten statt einer einseitigen Ausrichtung am Zinsmarkt.
Der japanische Handelstag liefert zugleich ein Beispiel dafür, wie schnell die Stimmung kippen kann. Ein einzelner Inflationsbericht aus den USA genügte, um die Erwartung eines weiteren Zinsschritts zu befeuern und technologie-nahe Titel unter Druck zu setzen. Wer stark auf zinssensitive Wachstumswerte setzt, muss mit solchen Rückschlägen rechnen – und die Kursverluste von Ibiden, Fujikura und Kioxia Holdings zeigen, wie konzentriert diese Bewegung in Japan ausfiel.
Ausblick
Der Quelltext nennt keinen konkreten Termin für die nächste Entscheidung der Federal Reserve. Entscheidend bleibt aus Sicht von Mayr die Reihenfolge der Anpassungen im kommenden Regimewechsel. Erst wenn klar ist, ob die Inflation zuerst nachlässt oder das Wachstum zuerst an Dynamik verliert, lässt sich seiner Einschätzung nach beurteilen, ob die Umgebung für Anleihen und Bewertungen besser wird oder ob Gewinne und Risikoaufschläge unter Druck geraten.
Kurz erklärt
- Risikokurse: Kurse von Anlagen wie Aktien, die stärker schwanken als etwa Staatsanleihen und dafür höhere Renditechancen bieten.
- Duration: Kennzahl für die Zinssensitivität einer Anleihe oder eines Portfolios, also wie stark der Kurs auf Zinsänderungen reagiert.
- Risikoaufschlag: Zusätzliche Rendite, die Anleger für die Übernahme höherer Ausfall- oder Schwankungsrisiken verlangen.
