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Geopolitische Schockwellen treffen deutsche Industrie – Rüstung profitiert

Eskalierender Nahost-Konflikt erschüttert den DAX, treibt Energiepreise und stärkt Rüstungsaktien wie Rheinmetall und Hensoldt.

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Geopolitische Schockwellen treffen deutsche Industrie – Rüstung profitiert

Der DAX brach am 3. März um zeitweise mehr als vier Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember. Fast alle 40 Indexmitglieder verzeichneten Verluste. Auch europäische Leitindizes wie der STOXX 600, der FTSE 100 und der CAC 40 gaben deutlich nach.

Auslöser war die Eskalation des Nahost-Konflikts, der unmittelbar die Energiemärkte erfasste. Drohungen gegen die Schifffahrt durch die Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wird – trieben den Brent-Rohölpreis über 82 Dollar je Barrel. Die europäischen Großhandelspreise für Erdgas stiegen am Montag um 35 bis 40 Prozent und legten am Dienstag weiter zu.

Die aufflammenden Inflationsängste ließen Händler ihre Erwartungen an baldige Zinssenkungen durch Bank of England und US-Notenbank Fed drastisch zurückschrauben. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte, ein anhaltender Konflikt könne die Inflation in der Eurozone erheblich anheizen und das Wachstum bremsen.

Deutschlands Energievulnerabilität im Fokus

Deutschland trifft der Energieschock besonders hart. Wirtschaftsberaterin Veronika Grimm mahnte zu diversifizierten Lieferketten und einem beschleunigten Ausbau heimischer Energiequellen. Die deutschen Erdgasspeicher starteten in den März mit einem Füllstand von lediglich 27 Prozent – weit unter dem historischen Durchschnitt von 64 Prozent für diese Jahreszeit.

Unter den deutschen Industrieunternehmen zeigten sich deutlich unterschiedliche Schicksale. Automobilzulieferer Stabilus kündigte eine strategische Neuausrichtung an: Der Konzern will sein Rüstungsgeschäft ausbauen, um die schwache Nachfrage im Automobilsektor zu kompensieren. Bis 2030 plant Stabilus eine mindestens dreifache Steigerung der Umsätze aus militärischen Anwendungen; potenzielle Aufträge im Bereich Militär und Dual-Use werden auf rund 200 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren beziffert.

Weniger glimpflich kommt der Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed davon. Das Unternehmen meldete Insolvenz in Eigenverwaltung an, nachdem es 2025 Verluste von 43,2 Millionen Euro und einen Auftragsrückgang von 40 Prozent verzeichnete. Als Ursachen gelten schwache Nachfrage aus China, globale Überkapazitäten sowie hohe deutsche Arbeits- und Energiekosten. Mit der Restrukturierung wurde Insolvenzberater Arndt Geiwitz beauftragt, der bereits vor 14 Jahren an einer Sanierung des Unternehmens beteiligt war. ZF-Friedrichshafen-Chef Mathias Miedreich signalisierte unterdessen, dass auch der Automobilzulieferer seinen Verwaltungsapparat im Rahmen eines Leistungsverbesserungsprogramms verkleinern müsse.

Schaeffler unter Druck, Rüstung im Höhenflug

Schaeffler-Aktien erlitten den schwersten Tagesverlust seit März 2020 und brachen um 18 Prozent ein. Auslöser war ein Ausblick für 2026, der die Analystenerwartungen deutlich verfehlte: Das Unternehmen prognostiziert einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro sowie eine EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent – der Konsens lag bei 23,97 Milliarden Euro Umsatz und fünf Prozent Marge.

Diametral entgegengesetzt verlief die Entwicklung im Rüstungssektor. Hensoldt, Anbieter von Sensor- und Radarsystemen, gewann 5,2 Prozent, Rheinmetall legte 3,5 Prozent zu. International stiegen BAE Systems um 7,9 Prozent und Dassault Aviation um 3,5 Prozent. Analysten heben besonders Unternehmen im Bereich Luftabwehrsysteme als Profiteure hervor.

Die Rüstungsrally griff auch auf Südkorea über: Hanwha Aerospace schoss zeitweise um fast 25 Prozent in die Höhe, auch Luftabwehrspezialist LIG Nex1 verzeichnete massive Kursgewinne. Südkorea strebt an, bis 2030 zur viertgrößten Rüstungsindustrie der Welt aufzusteigen – befeuert durch europäische Aufträge.

Auf politischer Ebene sorgte der Nahost-Konflikt für diplomatische Reibungen. Die deutsche Bundesregierung kündigte an, Flugzeuge zur Evakuierung im Ausland gestrandeter Deutscher zu entsenden. Das Auswärtige Amt behält dabei Ermessen über Methode und Kostenverteilung – als Präzedenzfall gilt die Evakuierung aus Israel im Oktober 2023, bei der Bürger einen Teil der Charterflugkosten selbst trugen.

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