Geier der Seltenen Erden: US-Windkraftanlagen werden zur Metallernte
Paladin EnviroTech recycelt ausgediente Windräder in Iowa und will die USA mit Seltenen Erden versorgen.

Für MidAmerican Energy sind die Windräder, die auf dem Highland-Windpark im O'Brien County im US-Bundesstaat Iowa abgebaut und demontiert werden, schlicht Schrott. Für Brian Diesselhorst stellen sie dagegen das eigentliche Goldgräberfeld dar. Der Chief Executive Officer von Paladin EnviroTech, einem Recyclingunternehmen, strebt für sein Haus eine neue Rolle an: die eines Lieferanten von Seltenerdmetallen.
Die Fotografien und Videos zu dieser Geschichte stammen von KC McGinnis für das Wall Street Journal. Sie zeigen, wie ausgediente Windkraftanlagen nicht mehr nur als Energieerzeuger, sondern zunehmend als Rohstoffquelle betrachtet werden. Hintergrund ist der Versuch der Vereinigten Staaten, ihre Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen zu verringern.
Die Details
Im Zentrum des Berichts steht der Highland-Windpark im O'Brien County in Iowa. Dort werden Windräder abgebaut und demontiert — für den Betreiber MidAmerican Energy sind sie damit Schrott. Für Paladin EnviroTech und seinen CEO Brian Diesselhorst sind dieselben Anlagen dagegen wertvoll, weil sie Seltene Erden enthalten, die zurückgewonnen werden können.
Paladin EnviroTech ist ein Recyclingunternehmen, das bislang vor allem Elektronikaltgeräte verarbeitet. Nun will es sich als Lieferant von Seltenerdmetallen etablieren. Damit reiht sich das Unternehmen in eine breitere Bewegung ein, in der die USA versuchen, ihre Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass das Recycling von Elektronikaltgeräten, Windturbinen und anderen Industrieanlagen den USA kurzfristig eine wichtige Quelle für Seltene Erden liefern könnte. Dies ging aus Angaben von Paladin EnviroTech hervor, das seine Kapazitäten zur Rückgewinnung dieser kritischen Rohstoffe gezielt ausbaut. Hintergrund war die starke Abhängigkeit amerikanischer Hersteller von ausländischen Lieferungen — insbesondere bei schweren Seltenerdelementen, die in Hochleistungs-Permanentmagneten zum Einsatz kommen. Paladin produzierte damals jährlich rund 40 Tonnen rückgewonnenes Material und hatte kürzlich über 5 Millionen US-Dollar investiert, um die Kapazität im Dreischichtbetrieb auszubauen.
Am 23.01.2026 berichtete aktien.news über eine unkonventionelle Strategie der USA im Kampf gegen Chinas Monopol bei Seltenen Erden. Statt neue Minen zu erschließen, setzte das Unternehmen Cyclic Materials auf das Recycling von Elektroschrott. In Mesa, Arizona, lagerten bereits 2.000 Tonnen ausrangierte elektronische Geräte, die zur Rohstoffquelle werden sollten. Die Sammlung umfasste Elektromotoren aus E-Bikes von Anbietern wie Lime, Festplatten, Drohnen und sogar MRT-Scanner. All diese Geräte enthalten wertvolle Seltene Erden wie Neodym und Dysprosium, die für moderne Technologien unverzichtbar sind.
Am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass die milliardenschwere Kampagne der Vereinigten Staaten zur Schwächung des chinesischen Einflusses auf kritische Mineralien beginnt, die globalen Lieferketten neu zu gestalten. Das berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf die laufenden Bemühungen Washingtons. Im Zentrum stand der Versuch, die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffquellen und Verarbeitungskapazitäten zu verringern. Nach Angaben des WSJ stützt Washington Minen, Aufbereitungsanlagen und Magnethersteller gezielt durch Eigenkapitalbeteiligungen, Kredite und Preisgarantien.
Am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass USA Rare Earth (NASDAQ: USAR) am 14. Juli in seiner Demonstrationsanlage in Wheat Ridge, Colorado, erfolgreich Dysprosium- und Neodym-Praseodym-Oxide (NdPr) in kommerzieller Qualität aus recyceltem Magnetschrott gewonnen hat. Als Ausgangsmaterial diente Schrott aus der eigenen Magnetfertigung in Stillwater, Oklahoma. Damit bewies das Unternehmen erstmals im kommerziellen Maßstab, dass kritische Seltenerdelemente aus dem eigenen Produktionskreislauf zurückgewonnen werden können. Die Unternehmensführung prognostizierte, dass das Recycling von Schrott langfristig bis zu 30 Prozent des Bedarfs an magnetischen Seltenerdoxid-Rohstoffen decken wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in zweierlei Hinsicht relevant. Erstens zeigt der Fall des Highland-Windparks, dass ausgediente Industrieanlagen zunehmend als Rohstoffquelle betrachtet werden — ein Geschäftsfeld, das bislang kaum im Fokus stand. Zweitens wird deutlich, dass die USA ihre Abhängigkeit bei Seltenen Erden mit einer Kombination aus Recycling und staatlicher Förderung angehen.
Wer in diesem Umfeld investiert, sollte beachten, dass es sich um einen jungen Markt handelt. Paladin EnviroTech ist ein Recyclingunternehmen, das seine Rolle als Lieferant von Seltenerdmetallen erst noch etablieren will. Die Angaben aus dem Oktober 2026 — rund 40 Tonnen rückgewonnenes Material pro Jahr und über 5 Millionen US-Dollar Investition — zeigen, dass die Kapazitäten ausgebaut werden, aber auch, dass die Mengen im Verhältnis zum Gesamtbedarf überschaubar sind.
Ein weiterer Aspekt ist die politische Flankierung. Washington unterstützt Minen, Aufbereitungsanlagen und Magnethersteller durch Eigenkapitalbeteiligungen, Kredite und Preisgarantien. Solche Instrumente können Unternehmen Planungssicherheit geben und Investitionen außerhalb Chinas attraktiv machen. Sie ersetzen jedoch keine Kauf- oder Verkaufsentscheidung des Anlegers.
Ausblick
Der Bericht über den Highland-Windpark in Iowa zeigt, dass die Demontage von Windkraftanlagen bereits stattfindet. Paladin EnviroTech will seine Rolle als Lieferant von Seltenerdmetallen ausbauen. Wie sich das Geschäft entwickelt, hängt auch davon ab, wie schnell weitere Anlagen ausgedient haben und wie sich die staatlichen Förderinstrumente in der Praxis auswirken.
USA Rare Earth hat nach eigenen Angaben im kommerziellen Maßstab gezeigt, dass sich kritische Seltenerdelemente aus dem eigenen Produktionskreislauf zurückgewinnen lassen. Die Unternehmensführung erwartet, dass Recycling von Schrott langfristig bis zu 30 Prozent des Bedarfs an magnetischen Seltenerdoxid-Rohstoffen decken wird. Diese Prognose stammt aus dem Juli 2026 und ist eine Erwartung des Unternehmens, keine gesicherte Tatsache.
Kurz erklärt
- Seltene Erden: Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Metallen, die in vielen Hightech-Produkten und Magneten stecken.
- Permanentmagnet: Ein Magnet, der seine Magnetisierung dauerhaft behält und unter anderem in Windkraftanlagen und Elektromotoren eingesetzt wird.
- Recycling: Die Rückgewinnung von Rohstoffen aus ausgedienten Geräten und Anlagen, statt sie zu entsorgen.
