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Führungswechsel bei Telefónica: Staatlicher Einfluss wächst

Marc Murtra übernimmt als CEO, um Kontrolle über Konzern zu sichern

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Führungswechsel bei Telefónica: Staatlicher Einfluss wächst

Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica hat überraschend seinen Vorstandsvorsitzenden ausgetauscht. In einer außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrats wurde Marc Murtra zum neuen CEO ernannt. Er folgt auf José Maria Palette, der das Unternehmen fast neun Jahre lang geleitet hatte. Der Wechsel erfolgt vor dem Hintergrund einer veränderten Aktionärsstruktur und auf Wunsch bedeutender Anteilseigner. Telefónica selbst nahm dazu keine Stellung. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen soll die staatliche spanische Industrieholding SEPI Murtra als Nachfolger vorgeschlagen haben.

Der spanische Staat hatte im vergangenen Jahr zehn Prozent der Telefónica-Anteile erworben, um den Einfluss des saudischen Telekommunikationsunternehmens STC auszugleichen. STC hatte im Herbst 2023 fünf Prozent der Aktien gekauft und sich über Finanzinstrumente weitere 4,9 Prozent gesichert. Um die verbleibenden 4,9 Prozent erwerben zu können, benötigte STC die Zustimmung der spanischen Regierung, die im November erteilt wurde. Damit wurde der saudische Konzern zum größten Einzelaktionär von Telefónica.

Um eine ausländische Kontrolle über den strategisch wichtigen Telekommunikationskonzern zu verhindern, beteiligte sich die spanische SEPI an Telefónica. Auch die Finanzholding Criteria Caixa, die der CaixaBank-Stiftung gehört, stockte ihre Anteile auf zehn Prozent auf. Zudem hält die spanische Großbank BBVA 4,8 Prozent der Aktien.

Murtra ist in den Kreisen der neuen Großaktionäre gut vernetzt. Er führte seit 2021 den spanischen Rüstungs- und Technologiekonzern Indra, an dem der Staat 28 Prozent der Anteile hält. Darüber hinaus ist er Mitglied im Kuratorium der Caixa-Stiftung. Der Wirtschaftsingenieur war zuvor im öffentlichen Dienst tätig, unter anderem als Kabinettschef des sozialistischen Ministers für Industrie, Tourismus und Handel.

Murtra wurde 1972 in Großbritannien geboren und studierte an der Polytechnischen Universität von Barcelona. Er erwarb zudem einen MBA in New York. Seine berufliche Laufbahn begann in der britischen Atomindustrie, später wechselte er zur Strategieberatung Diamond Cluster. Später arbeitete er in Spanien als Investmentbanker, unter anderem als Leiter der Closa Investmentbankers, die sich auf Finanzierungsberatung sowie Unternehmenskäufe und -verkäufe spezialisiert haben.

Die Ernennung Murtras stößt nicht nur auf Zustimmung. Die konservative Oppositionspartei Partido Popular kritisierte den Wechsel an der Unternehmensspitze. Deren Vorsitzender schrieb in einem Beitrag auf X, dass die Regierung nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch private Unternehmen unter ihre Kontrolle bringe.

Der personelle Wechsel könnte auch darauf abzielen, den Aktienkurs von Telefónica zu stabilisieren. Zwar konnte Palette während seiner Amtszeit die hohe Verschuldung des Konzerns reduzieren, doch der Wert der Aktie ist seit seinem Amtsantritt fast um die Hälfte gesunken.

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