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Fender weitet Urheberrechtsstreit um Stratocaster auf Yamaha aus

Der US-Gitarrenhersteller Fender schickte Yamaha im Mai ein Mahnschreiben – der Konflikt um das Strat-Design eskaliert.

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Fender weitet Urheberrechtsstreit um Stratocaster auf Yamaha aus

Fender, der amerikanische Hersteller der legendären Stratocaster-Gitarre, hat seinen Urheberrechtsstreit um das ikonische Gitarrendesign auf Yamaha ausgeweitet. Das japanische Unternehmen bestätigte gegenüber Reuters, im Mai ein entsprechendes Mahnschreiben erhalten zu haben. Yamaha ist der weltweit größte Hersteller von Musikinstrumenten – und damit der bislang prominenteste Gegner in Fenders wachsender Rechtskampagne.

Fender startete die aggressive Kampagne im März, nachdem ein deutsches Gericht dem Unternehmen Urheberrechtsschutz für die Korpusform der Stratocaster innerhalb der Europäischen Union zugesprochen hatte. Seitdem verschickte Fender Abmahnungen an zahlreiche Hersteller und Einzelhändler in der Region mit der Aufforderung, die Produktion und den Verkauf betroffener Modelle einzustellen. Die Reaktion der Branche fiel heftig aus: Es kam zu rechtlichen Anfechtungen und lautstarker Kritik von unabhängigen Gitarrenherstellern.

Yamaha erklärte, das Schreiben zu prüfen und das weitere Vorgehen abzuwägen. Welche konkreten Modelle in dem Schreiben genannt wurden, ließ das Unternehmen offen. Yamahas Pacifica-Serie, die unter den Yamaha-Modellen die größte Ähnlichkeit mit einer Stratocaster aufweist, wurde bereits 1990 eingeführt und ist seit Jahrzehnten auf dem Markt etabliert.

Fenders Argumentation und die Kritik der Branche

In einer Stellungnahme gegenüber Reuters begründete Fender seinen Vorstoß mit dem Schutz des eigenen Markenerbes: „Der Schutz dieser ikonischen Designs ist Teil der Verpflichtung von Fender als Hüter der Marke, ihres Erbes und der Authentizität, die Musiker mit Fender-Instrumenten verbinden." Gleichzeitig betonte das Unternehmen, offen für einen konstruktiven Austausch mit der Branche zu sein.

Kritiker sehen das anders. Der US-Gitarrist und YouTube-Creator Rhett Shull, der über 780.000 Abonnenten zählt, brachte die Skepsis vieler Musiker auf den Punkt: „Es ist buchstäblich das Gitarren-Emoji." Shull argumentiert, dass der Strat-Korpus nach jahrzehntelangem Gebrauch von vielen Gitarristen als allgemeine Form wahrgenommen wird. Er wies zudem darauf hin, dass Fender selbst Akustikgitarren in der „Dreadnought"-Form verkauft – einem Design, das ursprünglich von C. F. Martin & Co. entwickelt wurde.

Die Frage, ob Fender Exklusivrechte an einem Design beanspruchen kann, das viele als generisch betrachten, ist juristisch und wirtschaftlich brisant. Fenders Kampagne könnte einen Markt umgestalten, in dem Unternehmen seit Jahrzehnten von der Stratocaster inspirierte Gitarren für weniger als 100 US-Dollar bis hin zu mehr als 5.000 US-Dollar verkaufen. Besonders betroffen wären günstigere Alternativen, die aus dem europäischen Handel verschwinden könnten.

Thomann klagt zurück – und ein Anwalt warnt Fender

Bereits im Visier von Fender ist der deutsche Musikhändler Thomann, der Gitarren in Strat-Form unter seiner Eigenmarke Harley Benton vertreibt. Thomann hat Gegenklage gegen Fender eingereicht und beruft sich dabei auf die Notwendigkeit, die Vielfalt in der Branche zu schützen. Der Fall gilt als Schlüsselverfahren für den Ausgang des gesamten Konflikts.

Philip Cupitt, Patentanwalt bei Marks & Clerk, schätzt Fenders Strategie kritisch ein: „Ich denke, ihr Endziel ist es, der alleinige Anbieter von Stratocastern für den gesamten europäischen Markt zu sein. Ich glaube, sie haben den Widerstand wahrscheinlich unterschätzt."

Fenders Vorstoß konzentriert sich vorerst auf das europäische Recht. In den USA scheiterte das Unternehmen bereits 2009 mit dem Versuch, Markenschutz für die Strat zu erlangen – und legte gegen die Entscheidung nie Berufung ein. Der Ausgang des europäischen Rechtsstreits könnte weitreichende Folgen für den globalen Gitarrenmarkt haben, insbesondere in schnell wachsenden Märkten wie China und Indien.

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