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EZB pausiert bei Zinsen: Lagarde-Rücktritt und Frankreich-Krise belasten

Die Notenbank lässt die Leitzinsen bei 2,5 Prozent, obwohl die Inflation im Euroraum auf 3,8 Prozent gestiegen ist.

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EZB pausiert bei Zinsen: Lagarde-Rücktritt und Frankreich-Krise belasten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihrer jüngsten Direktoriumssitzung in Frankfurt eine Zinspause eingelegt. Trotz einer hartnäckig hohen Inflationsrate, die im Euroraum zuletzt auf 3,8 Prozent gestiegen ist – nach 3,2 Prozent im August –, verharren die Leitzinsen bei 2,5 Prozent. Diese Entscheidung markiert eine Zäsur nach der Anhebung im vergangenen September, mit der die Währungshüter ursprünglich auf den massiven Teuerungsdruck reagiert hatten. Das EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent bleibt damit in weiter Ferne.

Ökonomen und Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass dies nur eine temporäre Unterbrechung des Straffungszyklus ist. Experten wie Bernd Weidensteiner von der Commerzbank erwarten für die Dezember-Sitzung eine neuerliche Zinsanhebung um einen Viertelprozentpunkt. Diese Prognose stützt sich auf die Annahme, dass die bis dahin vorliegenden Daten den Eindruck untermauern werden, dass die Inflation zu hoch ist und sich nicht von allein abschwächt. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, betont: „Der Leitzins ist noch zu niedrig, um die Inflation auf mittlere Sicht wieder auf das Ziel von zwei Prozent zu drücken.“

Personeller Umbruch trifft die Notenbank mitten im Straffungszyklus

Neben der Geldpolitik steht die EZB unter dem Eindruck eines bedeutenden personellen Umbruchs. Die EZB hat den vorzeitigen Rücktritt von Präsidentin Christine Lagarde bestätigt. Damit endet eine monatelange Phase der Spekulationen, in der Lagarde die Gerüchte um ihren Wechsel an die Spitze des Weltwirtschaftsforums in Davos nur halbherzig dementiert hatte. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland, sieht in diesem Abgang ein Indiz dafür, dass Lagarde die EZB nie als ihre berufliche Erfüllung betrachtet habe: „Es ist offenbar nicht ihr Herzensjob“, so Brzeski.

Die Diskussion um ihre Person wurde von Marktbeobachtern als unglücklich und ablenkend empfunden, da sie den Fokus von den drängenden Problemen der Eurozone abziehe. Das Rennen um die Nachfolge hat bereits begonnen. Als aussichtsreiche Kandidaten werden der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos gehandelt. Bundesbankchef Joachim Nagel wird hingegen als weitgehend chancenlos eingestuft, da mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche ein hochrangiges europäisches Amt bekleidet. Die Unsicherheit über die künftige Führung trifft die EZB in einer Phase, in der die Konjunktur im Euroraum in vielen Ländern stockt.

Frankreich-Krise und Fed-Entscheid im Fokus

Besondere Sorge bereitet den Währungshütern die Haushaltskrise in Frankreich. Die Renditen für zehnjährige französische Staatsanleihen sind auf über fünf Prozent gestiegen, was den Abstand zu deutschen Bundesanleihen auf ein Niveau wie zur Zeit der Euro-Schuldenkrise hat anwachsen lassen. Jörg Krämer warnt vor einer delikaten Situation: „Frankreich ist in einer schwierigen Situation. Die Regierung müsste erheblich konsolidieren, damit die Schulden nicht weiter schneller wachsen als die Wirtschaftskraft.“

Politisch scheint die französische Regierung jedoch aufgrund der starken Ränder im Parlament kaum in der Lage, unpopuläre Sparmaßnahmen durchzusetzen. Dies schürt Spekulationen darüber, ob die EZB intervenieren muss, obwohl dies aufgrund der Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten für ihre Haushalte hochumstritten ist. Bisher plant die Notenbank nicht, ihr Anleihenkaufprogramm für Notfälle zu aktivieren, da dies als Signal der Schwäche für die gesamte Eurozone gewertet werden könnte.

International bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Die US-Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig, da die Währungshüterinnen Lisa Cook und Beth Hammack für eine Anhebung votierten. Auch die Fed räumte ein, dass die Inflation „weiterhin erhöht“ sei.

Die parallele Entwicklung in den USA und Europa unterstreicht den globalen Kampf der Zentralbanken gegen die hartnäckige Teuerung. Für Anleger bedeutet das eine anhaltende Unsicherheit bei der Zinsentwicklung: Sollte die EZB im Dezember tatsächlich nachlegen, dürften sich die Refinanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Kreditnehmer weiter verteuern. Zugleich steht die EZB unter dem Druck, mit neuen Inflations- und Wachstumsprognosen im Dezember die geldpolitische Richtung für das kommende Jahr zu legitimieren.

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