Eramet: Frankreich steigt zum größten Aktionär des Bergbaukonzerns auf
Der französische Staat erhöht seine Beteiligung an Eramet im Zuge einer Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro auf bis zu 49 Prozent.
Paris. Der französische Staat wird zum größten Aktionär des Bergbaukonzerns Eramet. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung über €500 Millionen ($558.50 Millionen) will Frankreich seine Beteiligung deutlich ausbauen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Die Maßnahme soll nach Angaben von Eramet noch in diesem Jahr durchgeführt werden.
Konkret steigt der französische Staat von derzeit 27 Prozent auf bis zu 49 Prozent der Anteile auf. Möglich wird das durch den Erwerb eines Teils der Beteiligung der Familie Duval, die gegenwärtig mit 37 Prozent größter Aktionär von Eramet ist. Nach der Transaktion rücken die Duvals auf den Platz des zweitgrößten Aktionärs und erneuern zugleich ein Bündnis mit dem französischen Staat.
Eramet ist ein Produzent von Nickel, Mangan und Lithium – Rohstoffe, die für die Industrie und die Versorgung Europas eine zentrale Rolle spielen. Die Kapitalerhöhung war bereits im Februar angekündigt worden. Sie dient dazu, das Unternehmen nach einem Einbruch der Gewinne und einem Anstieg der Schulden finanziell wieder auf eine solidere Basis zu stellen.
Die Details
Mit der Kapitalerhöhung will Eramet rund €500 Millionen ($558.50 Millionen) einsammeln. Der Zeitplan steht bereits fest: Nach Angaben des Konzerns soll die Maßnahme zwischen der Veröffentlichung der Quartalszahlen für das dritte Quartal am 29. Oktober und dem Jahresende durchgeführt werden.
Der französische Staat hält derzeit 27 Prozent an Eramet und stockt seinen Anteil auf bis zu 49 Prozent auf. Die dafür nötigen Anteile stammen aus dem Paket der Familie Duval, die mit 37 Prozent bislang der größte Einzelaktionär ist. Nach der Verschiebung hält der Staat die größte Beteiligung, während die Duvals zum zweitgrößten Aktionär werden. Beide Seiten erneuern dabei ein Bündnis, das die Eigentümerstruktur des Konzerns neu ordnet.
Vorstandsvorsitzende Christel Bories bezeichnete den Vorschlag des französischen Staates als „die beste Lösung“, um die finanzielle Position von Eramet zu sichern und die Versorgung Frankreichs und Europas mit strategischen Metallen zu stärken. Sie äußerte sich während eines Telefonkonferenzgesprächs mit Reportern.
Eine vollständige Übernahme durch den Staat schloss Bories ausdrücklich aus. „Die Idee ist es keineswegs, Eramet zu verstaatlichen“, betonte sie. Frankreich werde unterhalb der Schwelle von 50 Prozent bei Kapital- und Stimmrechtsanteilen bleiben. Wie viel Geld der Staat konkret investiert, hängt nach ihren Angaben von den Marktbedingungen und den Vereinbarungen mit den Duvals ab. Eine exakte Summe nannte sie daher nicht.
Neben der Kapitalerhöhung beabsichtigt Eramet, Beteiligungen an einigen Vermögenswerten zu verkaufen. Einzelheiten zu möglichen Transaktionen wollte Bories jedoch nicht preisgeben. Damit stehen zwei Bausteine nebeneinander: frisches Kapital von außen und der Verkauf eigener Anteile.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.07.2026 berichtete aktien.news, dass Eramet gemeinsam mit seiner gabunischen Tochtergesellschaft Eramet Comilog eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) mit der Regierung von Gabun unterzeichnet hat. Der vereinbarte Fahrplan sieht vor, die Verarbeitung von bis zu 700 Kilotonnen Manganerz pro Jahr in Gabun bis Ende 2031 zu ermöglichen. Ziel ist es, den Anteil des lokal verarbeiteten Manganerzes deutlich zu erhöhen. Gabun zählt zu den bedeutendsten Manganförderländern weltweit, und Eramet gehört über Comilog zu den wichtigsten Akteuren.
Der Schritt zur Kapitalerhöhung war intern schon länger vorbereitet: Eramet hatte sie bereits im Februar angekündigt, um sich von einem Einbruch der Gewinne und einem Anstieg der Schulden zu erholen. Neben der finanziellen Schieflage belastete das Unternehmen in diesem Jahr eine Führungskrise. Der ehemalige CEO Paulo Castellari wurde entlassen, der ehemalige Finanzvorstand Abel Martins-Alexandre verließ das Unternehmen. Bories übernahm die Rolle der CEO vorübergehend.
Auch im weiteren Marktumfeld der Bergbaubranche bewegt sich einiges. Am 09.10.2026 berichtete aktien.news über den umstrittenen Nickel-Deal zwischen MMG und Anglo American, der nach einer EU-Anhörung auf der Kippe steht, sowie über West African Resources und Fortescue im Fokus der Märkte. Am 22.09.2026 stimmten die Aktionäre des Eisenerzproduzenten Ferrexpo mit überwältigender Mehrheit einer Notkapitalerhöhung über rund 100 Millionen US-Dollar zu, um den laufenden Betrieb zu finanzieren und eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Und am 01.05.2026 erreichten die Aktien von Sumitomo Corp ein Rekordhoch, nachdem das Unternehmen den vollständigen Ausstieg aus dem Nickelprojekt Ambatovy in Madagaskar angekündigt hatte.
Diese Beispiele zeigen, wie stark die Rohstoffbranche derzeit in Bewegung ist: Kapitalmaßnahmen, Beteiligungsverkäufe und der Umgang mit strategischen Metallen prägen die Agenda vieler Konzerne – und Eramet steht mit seiner Kapitalerhöhung mitten in diesem Umfeld.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre von Eramet verändert sich vor allem die Eigentümerstruktur des Unternehmens. Die Klärung der Anteilsverhältnisse hat nach den Worten von Bories einen konkreten Nebeneffekt: Sie dürfte die Rekrutierung des nächsten Chief Executive Officer erleichtern. Das könnte die Führungskrise entschärfen, die das Unternehmen in diesem Jahr begleitet hat.
Gleichzeitig verändert eine Kapitalerhöhung typischerweise die Verwässerung bestehender Anteile, weil neue Aktien ausgegeben werden. Der französische Staat begibt sich mit bis zu 49 Prozent knapp unter die Schwelle, ab der von einer Kontrolle gesprochen würde – ein bewusster Schritt, den Bories in der Telefonkonferenz betonte. Wie viel Kapital der Staat letztlich einsetzt, bleibt bis zur Umsetzung offen und hängt von den Marktbedingungen und den Vereinbarungen mit den Duvals ab.
Zusätzlich plant Eramet, Beteiligungen an einigen Vermögenswerten zu verkaufen, um die eigene Position zu stärken. Einzelheiten zu möglichen Transaktionen nannte Bories jedoch nicht. Für Anleger ist dies ein Signal, dass neben frischem Kapital auch ein Umbau des Portfolios auf der Agenda steht. Die Kombination aus staatlicher Beteiligung, Bündnis mit der Familie Duval und Verkaufsplänen macht Eramet zu einem Fall, bei dem sich die Eigentümer- und die Finanzstruktur gleichzeitig verändern.
Ausblick
Klar terminiert ist bislang nur ein Datum: Die Kapitalerhöhung soll zwischen der Veröffentlichung der Quartalszahlen für das dritte Quartal am 29. Oktober und dem Jahresende erfolgen. Bis dahin dürften weitere Details erwartet werden, insbesondere zur konkreten Höhe der staatlichen Investition.
Offen ist auch weiterhin die künftige Besetzung der Unternehmensspitze. Die Klärung der Aktienstruktur soll die Suche nach einem neuen Chief Executive Officer unterstützen. Neben der finanziellen Restrukturierung will Eramet Vermögenswerte veräußern, ohne bislang konkrete Transaktionen zu benennen. In Gabun läuft parallel der Plan, die Verarbeitung von bis zu 700 Kilotonnen Manganerz pro Jahr bis Ende 2031 auszubauen.
Kurz erklärt
- Kapitalerhöhung: Eine Kapitalerhöhung ist die Ausgabe neuer Aktien durch ein Unternehmen, um zusätzliches Eigenkapital einzunehmen.
- Aktionär: Ein Aktionär ist der Inhaber von Unternehmensanteilen und damit Miteigentümer des Unternehmens.
- Memorandum of Understanding: Ein MoU ist eine unverbindliche Absichtserklärung zwischen zwei oder mehr Parteien über ein geplantes gemeinsames Vorhaben.
