EU-Kommission vertieft Kartellprüfung der XXXLutz-Übernahme des Möbelriesen Porta
Brüssel geht in die zweite Prüfphase: Die Wettbewerbshüter sehen erhebliche Risiken für den Wettbewerb im Möbelhandel.

Die EU-Kommission vertieft ihre Kartellprüfung der geplanten Übernahme der Porta-Gruppe durch den Möbelriesen XXXLutz. Nach Abschluss der ersten Prüfphase, die gut vier Wochen dauerte, meldete die Wettbewerbsbehörde Bedenken wegen einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs an. Damit geht das Verfahren in die zweite Phase, die bis spätestens 25. Februar 2027 abgeschlossen sein soll.
XXXLutz hatte den Übernahmeplan bereits im Januar 2025 öffentlich gemacht. Die offizielle Fusionsanmeldung bei der Kommission erfolgte allerdings erst Anfang September 2026. Beobachter stuften diese lange Vorlaufphase als ungewöhnlich ein. Schon im Juli prüfte die Kommission einen möglichen Verstoß gegen die Stillhalteverpflichtung, die Unternehmen während eines laufenden Fusionsverfahrens bindet.
Konzentrierte Macht auf beiden Marktseiten
Die Brüsseler Wettbewerbshüter sehen gleich zwei Problemfelder: eine konzentrierte Angebotsmacht und eine konzentrierte Nachfragemacht. Auf der Angebotsseite entstünde durch den Zusammenschluss der beiden Möbel-Discounter ein besonders marktmächtiger Akteur. XXXLutz betreibt in Deutschland 58 Häuser, Porta bringt 28 Möbelhäuser ein. Hinzu kommen die XXXLutz-Töchter Mömax mit 116 Häusern (davon 52 in Deutschland), Poco mit 132 Häusern, Roller und Möbel Schulenburg mit einem 50-Prozent-Anteil und 116 Filialen sowie Möbel Boss mit 95 Filialen in Deutschland.
Auf der Beschaffungsseite sieht die Kommission Risiken vor allem in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Dort treffen die Einkaufsaktivitäten der beiden Gruppen aufeinander: In Tschechien und der Slowakei betreibt Porta über die Marke Asko 21 Häuser, XXXLutz ist dort mit 14 beziehungsweise 15 Möbelix-Filialen vertreten.
Giga International als Schlüssel
Eine zentrale Rolle spielt die Einkaufsgemeinschaft Giga International mit Sitz in Würzburg, die 2015 von XXXLutz gegründet wurde. Porta musste zum Jahresende 2025 aus der Konkurrenzgemeinschaft Begros ausscheiden. Ein Eintritt von Porta in Giga ist allerdings erst nach einer EU-Genehmigung möglich. Außerhalb von Giga bleibt mit Sconto Möbel nur noch ein einziger größerer Möbel-Discounter, der rund 20 Filialen in Deutschland betreibt.
Für die Hersteller ist diese Entwicklung brisant. Nach Angaben des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM) erzielen viele Produzenten 50 Prozent und mehr ihres Umsatzes mit den Giga-Händlern. VDM-Geschäftsführer Jan Kurth formuliert es deutlich: "Die fortschreitende Konsolidierung im Möbelhandel betrachten wir seit geraumer Zeit mit Sorge. Unsere Produzenten sehen sich immer weniger, zugleich aber immer mächtigeren Handelspartnern gegenüber."
Erfahrungen aus dem Jahr 2020
Die Branche blickt auf einen Präzedenzfall zurück: 2020 genehmigte das Bundeskartellamt die Fusion von XXXLutz mit Roller, Tejo's und Schulenburg. Damals wurden 22 von 155 Standorten nicht übernommen, unter anderem wegen Überschneidungen in den Ballungsräumen Braunschweig, Hannover, Berlin und Leipzig. XXXLutz-Deutschlandchef Alois Kobler sprach in diesem Zusammenhang von "weißen Flecken" in Ostdeutschland. Branchenkenner erwarten nun größere Einschränkungen als 2020.
Die Möbelindustrie steht ohnehin unter Druck: Sie verlor in vier Jahren rund 20 Prozent ihrer Umsätze, im ersten Halbjahr 2025 lag das Minus bei 2,7 Prozent. Belastend wirken schwaches Konsumklima, gestiegene Kosten und die schwache Baukonjunktur. China hat Polen als wichtigstes Möbel-Importland abgelöst; seit 2019 stiegen die chinesischen Möbelimporte nach Deutschland um 50 Prozent. Giga vergibt Aufträge zunehmend an Hersteller in China, Ungarn und Rumänien.
Worauf Anleger achten sollten
Für Privatanleger ist die Entscheidung vor allem für die Möbelbranche und deren Zulieferer relevant. Einige Hersteller sehen in einem starken europäischen Händler durchaus einen Vorteil, weil er ihnen Größe und Verhandlungsmacht gegenüber asiatischen Wettbewerbern verschaffen könnte. Andere fürchten die Abhängigkeit von wenigen Abnehmern.
XXXLutz-Deutschlandchef Alois Kobler zeigt sich gelassen: "Das geht alles seinen Weg. Wir sind da sehr zuversichtlich." Porta-Chef Paul de Jong betont: "Das ist eine Fleißarbeit und dauert seine Zeit. Aber das heißt nicht, dass wir Probleme haben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zu einem positiven Ergebnis kommen." VDM-Geschäftsführer Kurth wünscht sich nach der langen Vorlaufphase vor allem zeitnahe Klarheit.
Die Kommission dürfte im weiteren Verfahren Optionen und Bedingungen für eine Genehmigung aufzeigen und könnte eine große Herstellerbefragung wiederholen. Bis zum 25. Februar 2027 bleibt damit Zeit für Auflagen, die den Wettbewerb sichern sollen.
