Eisenerz steigt leicht: Chinas Nachfrage sinkt langsamer als erwartet
Die Notierungen an den Börsen in Dalian und Singapur legen zu, doch die Aussicht auf ein Überangebot im vierten Quartal bremst.

Die Preise für Eisenerz sind am Montag leicht gestiegen, nachdem sie in den vorangegangenen zwei Monaten dramatisch eingebrochen waren. Der am meisten gehandelte Eisenerz-Future an der Dalian Commodity Exchange (DCE) legte bis 0158 Uhr GMT um 0,59 Prozent auf 679 Yuan (102,05 US-Dollar) pro Tonne zu. Der Benchmark-Dezember-Future für Eisenerz an der Singapore Exchange stieg bis 0148 Uhr GMT um 0,61 Prozent auf 91,3 US-Dollar pro Tonne.
Gestützt wurde die Erholung durch einen langsameren als erwarteten Nachfragerückgang im wichtigsten Verbraucherland China. Zugleich hielten die Erwartungen auf ein Überangebot im vierten Quartal die Gewinne begrenzt. Der Markt bewegt sich damit weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen schwachen Fundamentaldaten und ersten Stabilisierungszeichen.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung zeigt, wie stark die Notierungen zuletzt unter Druck standen. Im September und Oktober verzeichnete der DCE-Kontrakt jeweils Verluste von 3,4 Prozent und 4,3 Prozent. Der Singapore-Future gab in den Vormonaten September und Oktober um 6,1 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent nach.
Der Rückgang der chinesischen Roheisenproduktion fiel geringer aus als erwartet
Einige chinesische Stahlhersteller begannen angesichts schwacher Profitabilität mit Wartungsarbeiten an ihren Anlagen. Mehrere andere Unternehmen in nördlichen Regionen drosselten ihre Produktion vorübergehend, um die lokale Luftqualität zu verbessern. Dies weckte am Markt die Erwartung eines starken Rückgangs der Roheisenproduktion, die als wichtiger Indikator für die Eisenerznachfrage gilt.
Die tatsächlichen Daten fielen dann jedoch moderater aus. Laut dem Beratungsunternehmen Mysteel ging die durchschnittliche tägliche Roheisenproduktion unter den befragten chinesischen Stahlherstellern nur leicht gegenüber der Vorwoche auf rund 2,32 Millionen Tonnen bis zum 29. Oktober zurück. Der erwartete Einbruch blieb damit aus, was den Preisen Auftrieb gab.
Analysten des Brokers Guoxin Futures sehen die Lage weiterhin vorsichtig. "Eisenerz ist angesichts der schwachen Fundamentaldaten nach unten riskant, aber das Marktgefühl hat sich etwas erholt, da die Preise nahe dem Unterstützungsniveau gefallen sind", schrieben sie in einer Notiz. Dies habe dazu beigetragen, dass die Eisenerzpreise Stabilisierungszeichen zeigten, fügten sie hinzu.
Kokskohle und Koks geben nach, Stahlbenchmarks entwickeln sich uneinheitlich
Auch die übrigen Einsatzstoffe der Stahlproduktion bewegten sich. Kokskohle und Koks fielen um jeweils 0,95 Prozent beziehungsweise 1,6 Prozent. Begünstigt wurden diese Verluste durch die wachsende Erwartung einer schnelleren Erholung des Angebots, Hintergrund sind staatliche Aufrufe zur Sicherung der Energieversorgung im Winter.
Die Benchmarks für Stahl an der Shanghai Futures Exchange entwickelten sich gemischt. Stabstahl legte um 0,59 Prozent zu, Warmband verlor 0,57 Prozent, während Edelstahl um 0,34 Prozent gewann. Damit zeigt sich auch auf der Stahlseite ein uneinheitliches Bild, das die Unsicherheit über die weitere Nachfrageentwicklung widerspiegelt.
Bereits am 27.10.2026 war Eisenerz auf ein Zwei-Jahres-Tief gefallen
Die aktuelle Erholung ist vor dem Hintergrund einer längeren Schwächephase zu lesen. Bereits am 27.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Eisenerzpreise auf ihr tiefstes Niveau seit mehr als zwei Jahren gefallen waren. Der meistgehandelte Future an der DCE verlor damals bis 02:14 Uhr GMT 1,19 Prozent auf 662 Yuan (rund 99,25 US-Dollar) pro Tonne und hatte zuvor mit 661,5 Yuan den schwächsten Stand seit dem 24. September 2024 erreicht. Auch der Referenz-Vertrag für November-Eisenerz an der Singapore Exchange sank um 1,15 Prozent auf 89,45 US-Dollar pro Tonne.
Nur zwei Wochen zuvor, am 12.10.2026, hatte aktien.news noch über steigende Notierungen berichtet. Damals stieg der meistgehandelte Eisenerzkontrakt an der DCE um 0,15 Prozent auf 684,5 Yuan (umgerechnet rund 102,27 US-Dollar) pro Tonne, während das Benchmark-Eisenerz für November an der Singapore Exchange um 0,67 Prozent auf 91,20 US-Dollar pro Tonne zulegte. Treibende Kraft war die Erwartung, dass chinesische Stahlproduzenten nach dem einwöchigen Nationalfeiertag ihre Lagerbestände wieder auffüllen würden.
Weiter zurück liegt der Bericht vom 17.09.2026. Damals waren die Eisenerzpreise am zweiten Handelstag in Folge gestiegen, weil chinesische Stahlhersteller vor dem Nationalfeiertag ihre Seefracht-Einkäufe intensivierten. Der DCE-Future legte bis 01:47 Uhr GMT um 0,35 Prozent auf 711 Yuan (105,94 US-Dollar) pro Tonne zu, der Benchmark-Oktober-Future in Singapur stieg bis 01:37 Uhr GMT um 0,26 Prozent auf 96,05 US-Dollar pro Tonne. Schrumpfende Margen trübten jedoch die Nachfrageprognose und begrenzten das Preispotenzial nach oben.
Auch am 23.06.2026 stand der Markt unter Druck. Nach Angaben von aktien.news fielen die Eisenerzpreise damals auf ein fast viermonatiges Tief. Der meistgehandelte Kontrakt an der DCE sank bis 03:00 Uhr GMT um 0,74 Prozent auf 737 Yuan (umgerechnet 108,81 US-Dollar) pro Tonne und hatte im Handelsverlauf mit 736 Yuan den niedrigsten Stand seit dem 24. Februar erreicht. Der Referenzkontrakt für Juli an der Singapore Exchange notierte 0,45 Prozent niedriger bei 97,80 US-Dollar pro Tonne.
Für deutsche Anleger bleibt die chinesische Stahlproduktion der entscheidende Faktor
Für Privatanleger in Deutschland ist die Meldung vor allem als Stimmungsindikator für den Rohstoffsektor relevant. Die Preisentwicklung von Eisenerz hängt maßgeblich an der chinesischen Stahlproduktion, die wiederum von der Profitabilität der dortigen Hersteller und von regulatorischen Vorgaben zur Luftqualität beeinflusst wird. Beide Faktoren sind im Quelltext als unmittelbare Treiber der aktuellen Entwicklung genannt.
Hinzu kommt die Erwartung eines Überangebots im vierten Quartal, die nach Angaben aus dem Quelltext die Gewinne begrenzt hält. Anleger sollten daher die weitere Entwicklung der Roheisenproduktion sowie die Angebotslage genau verfolgen. Die jüngsten Stabilisierungszeichen sind vor dem Hintergrund der vorangegangenen Verluste von 3,4 Prozent und 4,3 Prozent an der DCE im September und Oktober zu bewerten.
Neue Impulse dürften von der Roheisenproduktion und der Winterversorgung kommen
Für die kommenden Wochen lassen sich aus dem Quelltext zwei konkrete Beobachtungspunkte ableiten. Zum einen bleibt die durchschnittliche tägliche Roheisenproduktion der befragten chinesischen Stahlhersteller der zentrale Indikator für die Eisenerznachfrage; der jüngste Mysteel-Wert bis zum 29. Oktober lag bei rund 2,32 Millionen Tonnen. Zum anderen könnten die staatlichen Aufrufe zur Sicherung der Energieversorgung im Winter das Angebot bei Kokskohle und Koks schneller erholen lassen, was die Preise dieser Einsatzstoffe weiter belasten würde.
Ob die Erholung beim Eisenerz Bestand hat, hängt nach Einschätzung der zitierten Analysten von Guoxin Futures davon ab, wie sich das Marktgefühl nahe dem Unterstützungsniveau weiterentwickelt. Konkrete Prognosen oder Zielmarken nennt die Quelle nicht.
Diese Fachbegriffe helfen beim Einordnen der Meldung
- Eisenerz-Future: Ein standardisierter Terminkontrakt, mit dem Marktteilnehmer den Preis von Eisenerz zu einem künftigen Zeitpunkt handeln.
- Roheisenproduktion: Die Menge an Roheisen, die Stahlwerke in einem Zeitraum erzeugen, und ein wichtiger Maßstab für den Bedarf an Eisenerz.
- Kokskohle: Eine spezielle Kohleart, die in der Stahlproduktion als Einsatzstoff dient und deren Preis eng mit der Stahlkonjunktur verknüpft ist.
