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DAX rutscht unter 23.000 Punkte

Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

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DAX rutscht unter 23.000 Punkte

Der deutsche Leitindex DAX ist am Donnerstag unter die Marke von 23.000 Punkten gefallen. Gewinnmitnahmen belasteten den Aktienmarkt weiter, nachdem der Bundestag das milliardenschwere Finanzpaket verabschiedet hatte. Der DAX gab um rund 1,2 Prozent nach und schloss bei 22.999 Punkten. Während des Handelstages war der Index zwischenzeitlich um bis zu zwei Prozent gefallen. Bereits am Vortag hatten Investoren nach der jüngsten Rekordrallye ihre Gewinne realisiert. Seit Jahresbeginn hatte der DAX um bis zu 18 Prozent zugelegt, bevor nun eine Korrektur einsetzte.

Marktbeobachter Jens Klatt erklärte, dass die Kursverluste nach der Bundestagsentscheidung nicht überraschend seien. Er verwies auf das Börsenmuster „Buy the rumors, sell the news“, wonach Investoren bereits vor einem erwarteten Ereignis spekulieren und nach dessen Eintreten Gewinne mitnehmen. Zudem gab es von der Wall Street keine Unterstützung, da sich die kurzzeitige Erholung an den US-Börsen nicht fortsetzte.

Neben den Gewinnmitnahmen rückten auch geopolitische Risiken in den Fokus. Die Handelskonflikte mit den USA und die unberechenbare Zollpolitik von Präsident Donald Trump sorgten für Verunsicherung. Die EU hatte zwar beschlossen, die Gegenzölle auf amerikanische Stahl- und Aluminiumimporte um zwei Wochen zu verschieben, um Gespräche mit der US-Regierung zu ermöglichen. Dennoch warnten Analysten vor den wirtschaftlichen Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die Strafzölle das Wachstum dämpfen und die Inflation anheizen könnten.

Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed sorgte ebenfalls für Unsicherheit. Die Währungshüter hatten den Leitzins in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent belassen und signalisierten zwei kleinere Zinsschritte für das laufende Jahr. Marktteilnehmer fürchten jedoch, dass die Fed angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen möglicherweise nur eine Zinssenkung vornimmt oder ganz darauf verzichtet. Analysten sehen eine schwierige Balance zwischen steigender Inflation und wachsenden Rezessionsrisiken. In Europa hielt die britische Notenbank den Leitzins konstant bei 4,50 Prozent, während die Schweizerische Nationalbank ihn um 0,25 Prozentpunkte senkte. Die türkische Zentralbank hingegen hob den Zinssatz für kurzfristige Kredite an, um den Kursverfall der Lira einzudämmen.

Am Devisenmarkt verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0833 Dollar fest, nachdem er am Vortag noch bei 1,0897 Dollar gelegen hatte. Investoren bevorzugten den Dollar, da Zinssenkungen in den USA derzeit ausbleiben. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten bleibt die Dividendenausschüttung der großen deutschen Konzerne auf hohem Niveau. DAX- und MDAX-Unternehmen werden in diesem Jahr voraussichtlich 61 Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszahlen. Die höchste Summe schüttet der Versicherer Allianz mit fast sechs Milliarden Euro aus, gefolgt von der Deutschen Telekom und Mercedes-Benz.

Der Energiekonzern RWE kündigte an, seine Investitionen in den kommenden Jahren zu reduzieren. Statt der ursprünglich geplanten 45 Milliarden Euro sollen bis 2030 nur noch 35 Milliarden Euro investiert werden. Das Unternehmen begründete dies mit geopolitischen Unsicherheiten, gestiegenen Zinsen und Lieferkettenproblemen. Auch die deutsche Automobilbranche bleibt von internationalen Handelskonflikten betroffen. Mercedes-Chef Ola Källenius plädierte für den Wegfall aller Autozölle zwischen den USA und der EU, doch Trump hatte einen ähnlichen Vorschlag bereits 2018 abgelehnt. Stattdessen plant er, ab April einen Importzoll von 25 Prozent auf europäische Autos zu verhängen.

Trotz drohender Zölle verzeichnete die deutsche Automobilindustrie im vergangenen Jahr steigende Exporte. Laut Statistischem Bundesamt wurden 3,4 Millionen Pkw im Wert von 135 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Der Autozulieferer ZF meldete hingegen einen Milliardenverlust für 2024, bedingt durch hohe Rückstellungen für Umstrukturierungen. Auch der US-Elektroautobauer Tesla geriet in die Schlagzeilen: Wegen herabfallender Karosserieteile musste das Unternehmen in den USA 46.000 Cybertrucks zurückrufen.

In der Versicherungsbranche verstärkt der deutsche Konzern Ergo seine Präsenz in den USA durch die Übernahme von Next Insurance. Die Tochtergesellschaft der Munich Re investiert 2,6 Milliarden Dollar in den US-Versicherer, der sich auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert hat. In der Technologiebranche berichteten Medien, dass Apple jährlich über eine Milliarde Dollar mit seinem Streamingdienst Apple TV+ verliere. Trotz hoher Investitionen in Inhalte sei der Dienst weiterhin defizitär. Die Nestlé-Gruppe kündigte an, zwei Werke in Deutschland zu schließen oder zu verkaufen, was 230 Arbeitsplätze betrifft. Gründe seien steigende Kosten und eine veränderte Verbrauchernachfrage.

Im MDAX kündigte Knorr-Bremse eine höhere Dividende an, während der Mobilfunkanbieter Freenet ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 100 Millionen Euro plant. Der Motorenhersteller Deutz sieht Wachstumspotenzial in der Rüstungsbranche und will künftig verstärkt Motoren für militärische Zwecke liefern. Die RTL Group meldete für 2024 einen sinkenden Gewinn trotz leicht gestiegener Umsätze. Der japanische Technologiekonzern SoftBank kündigte schließlich die Übernahme des US-Chipunternehmens Ampere Computing für 6,5 Milliarden Dollar an. Ziel der Akquisition sei es, die Position im Bereich der künstlichen Intelligenz zu stärken.

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