Citi und BofA sperren KI-Agenten den Zugang zu Kundenkonten
Die US-Großbanken Citigroup und Bank of America blockieren KI-Agenten den Zugriff auf Kundeneinlagen, um Daten und stabile Einlagen zu schützen.

Citigroup und die Bank of America sind die jüngsten US-Banken, die KI-Agenten den Zugang zu Kundenkonten verwehren. Die Institute reagieren damit auf wachsende Sorgen, dass autonome Software-Assistenten Einlagen abbauen könnten, indem sie stillstehendes Geld auf der Suche nach höheren Renditen verschieben. Wie die Financial Times berichtet, äußern Kreditgeber gegenüber Aufsichtsbehörden genau diese Bedenken.
Citi erklärte, es erlaube „KI-Agenten oder -Assistenten von Drittanbietern nicht, sich in ein Kundenkonto einzuloggen oder direkt auf unseren digitalen Banking-Plattformen Transaktionen durchzuführen". Dies diene dazu, Kundendaten und Konten besser zu schützen. Kunden können laut Citi weiterhin bestimmten Open-Banking-Anbietern einen begrenzten Lesezugriff auf ihre Kontoinformationen gewähren.
Auch Brian Moynihan, Vorstandschef der Bank of America, deutete an, dass sein Institut den Zugang von KI-Agenten zu Privatkundeneinlagen einschränkt. Gleichzeitig entwickelt die Bank Protokolle, um festzustellen, welche Entität letztlich für Zahlungen haftet, die von künstlicher Intelligenz autorisiert wurden. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte, dass die Bank of America den Zugriff eingeschränkt hat.
Die Details
Moynihan machte die Haltung seines Hauses am Mittwoch gegenüber dem Sender CNBC deutlich. „Wir sind der festen Überzeugung, dass ein Mensch im Kreislauf sein muss, um Geldbewegungen von Ihrem Konto zu autorisieren", sagte er. Man arbeite mit Anbietern agentischer Agenten zusammen, um klarzustellen: „Hey, Sie wollen wirklich nicht, dass Verbraucher zurückkommen und sagen: Geld wurde von meinem Konto transferiert, und ich weiß nicht warum, und ich weiß nicht, wohin es gegangen ist, und der Agent hat das gemacht."
Die Schritte der beiden Institute folgen der Einführung des persönlichen KI-Assistenten Muse von Meta im September. Diese hatte die Befürchtung geschürt, dass Bots im Namen der Verbraucher große Summen an stillstehendem Geld von Bankeinlagen abziehen, um Renditen zu optimieren. KI-Unternehmen eilen derzeit mit neuen Tools und Chatbots heraus, die Verbrauchern helfen sollen, ihre persönlichen Finanzen zu verwalten.
Ein Bericht von Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo, verstärkte diese Bedenken. Der Ökonom warnte, dass KI-Assistenten Haushaltsbargeld automatisch auf Konten mit 3,3 bis 5 Prozent Zinsen umschichten könnten, statt auf dem nationalen Durchschnitt von 0,1 Prozent für Girokonten zu verbleiben. JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo halten 1,6 Billionen US-Dollar an zinslosen Einlagen – das entspricht 16 Prozent ihrer Verbindlichkeiten.
Die Auszahlung eines Zinssatzes von 3 Prozent auf diese Einlagen würde die drei Institute jährlich 47 Milliarden US-Dollar kosten, fast die Hälfte ihres gemeinsamen jährlichen Gewinns. Müssten Banken höhere Zinssätze für Retail-Einlagen zahlen, um zu verhindern, dass Kunden nach einer höheren Rendite woanders suchen, könnte dies ihre Gewinne erheblich schmälern. „Wenn jeder Haushalt KI-Agenten nutzen würde, um die Rendite seiner Bargeldbestände zu optimieren, könnten Banken einen großen Teil der günstigen Einlagen verlieren, auf die sie für die Vergabe von Krediten angewiesen sind. Das wäre ein Problem für das gesamte Finanzsystem", schrieb Slok.
Laut einer mit den Gesprächen vertrauten Person haben Führungskräfte der Wall Street auch Kontakt zu Aufsichtsbehörden der Federal Reserve aufgenommen, um Bedenken über den starken Anstieg der Nutzung von KI-Agenten durch Verbraucher für finanzielle Transaktionen auszudrücken. Die Fed lehnte eine Kommentierung ab. Aufsichtsbehörden haben die Schritte der Banken, KI-Agenten den Zugriff auf Kundenkonten zu blockieren, privat begrüßt.
Beamte sind der Ansicht, dass möglicherweise eine rechtliche Klarstellung erforderlich ist, wie Kunden autonome Technologien autorisieren, finanzielle Transaktionen in ihrem Namen durchzuführen, und wer haftet, wenn etwas schiefgeht. Auch Jamie Dimon, Vorstandschef von JPMorgan Chase, sagte diese Woche, die Bank werde KI-Agenten vom Zugriff auf Kundenkonten ausschließen, „weil man keine rogue Agents haben will, und es könnten Tausende davon geben".
„Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Kunden auf die richtige Weise schützen. Deshalb entwickeln wir auch Tools dafür", sagte Dimon in einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals. „In der Zwischenzeit werden wir nicht jeden beliebigen externen Agenten ins Unternehmen lassen, denn das ist für Kunden und für JPMorgan einfach zu riskant."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die wachsende Begeisterung für künstliche Intelligenz Finanzaktien unter Druck setzt. Auslöser war das zunehmende Interesse am KI-Agenten „Muse" von Meta Platforms. An den Märkten wuchs die Sorge, dass Geld künftig noch leichter beweglich wird – mit Folgen für alle Institute, die Kundengelder einsammeln und darauf eine Verzinsung erwirtschaften. Der KBW Nasdaq Bank Index brach in dieser Woche um fast 3 Prozent ein.
Ebenfalls am 24.09.2026 meldete aktien.news, dass der sogenannte KI-Schock-Trade ein neues Ziel erreicht hat: die Banken. Finanzwerte waren in jüngster Zeit die schlechtesten Wertpapiere am Markt, wie das Analysehaus Bespoke feststellte. Investoren beginnen zu befürchten, dass die zunehmende Verbreitung von KI-Agenten das Geschäftsmodell der Institute untergräbt – und damit eine Stütze, die in den vergangenen Jahren für stabile Erträge gesorgt hat.
Am 28.09.2026 berichtete aktien.news über eine Warnung des Apollo-Chefvolkswirts Torsten Slok, wonach ein Bank Run infolge von agentic AI möglich sei. Muse und ähnliche Assistenten könnten das Bargeld von Privathaushalten automatisch auf Konten umleiten, die 3,3% bis 5,0% Zinsen bieten – verglichen mit einem nationalen Durchschnitt von 0,1% auf Girokonten. Am 09.10.2026 widmete sich aktien.news der Frage, warum Bankaktien trotz steigender Zinsen unter Druck geraten. Im Regelfall überwiegt der positive Effekt höherer Zinsen, doch der jüngste Rückgang der Bankaktienkurse spiegelte Sorgen wider, dass ungewöhnliche Kräfte am Werk sind.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Signal, dass sich das Geschäftsmodell der Banken im Kern verändern könnte. Die Institute verdienen traditionell daran, dass Kundengelder günstig auf Konten liegen bleiben. Wenn KI-Agenten dieses Geld automatisch zu höheren Renditen verschieben, gerät eine zentrale Ertragsquelle unter Druck. Die Archive zeigen, dass die Märkte diese Sorge bereits einpreisen: Finanzwerte zählten zeitweise zu den schwächsten Wertpapieren.
Zugleich reagieren die Banken nicht tatenlos. Sie blockieren den Zugriff externer Agenten und suchen nach Wegen, Einlagen zu binden. Christoph Stegmeier, Senior Partner bei der Beratungsfirma Simon-Kucher, sagte, Banken müssten Kunden durch Dinge wie erweiterte Treueprogramme, die sich auf die angebotenen Kreditsätze auswirken, dazu incentivieren, ihr Sparengeld bei ihnen zu belassen. „Sie müssen Ihre Einlageprodukte klebriger machen", sagte Stegmeier. Für Anleger bedeutet das: Der Wettbewerb um Einlagen könnte sich verschärfen – mit Folgen für die Zinsangebote an Sparer.
Ausblick
Die Banken arbeiten nach den Angaben aus dem Quelltext weiter an Protokollen, um Haftungsfragen bei KI-autorisierten Zahlungen zu klären. Die Bank of America entwickelt solche Regeln, während sie den Zugang von KI-Agenten zu Privatkundeneinlagen einschränkt. Aufseher halten möglicherweise eine rechtliche Klarstellung für nötig, wie Kunden autonome Technologien autorisieren und wer bei Fehlern haftet. Die Federal Reserve lehnte eine Kommentierung ab. Offen bleibt, wie sich die Praxis der Institute weiterentwickelt, während KI-Anbieter neue Finanz-Tools auf den Markt bringen.
Kurz erklärt
- KI-Agent: Ein autonomer Software-Assistent, der im Auftrag von Nutzern eigenständig Aufgaben wie Finanztransaktionen ausführen kann.
- Einlagen: Bei Banken geparkte Kundengelder, die die Institute für die Kreditvergabe nutzen.
- Open Banking: Verfahren, bei dem Kunden Drittanbietern einen begrenzten Zugriff auf ihre Kontoinformationen erlauben.
