Chinas Steuereinnahmen steigen um 5,1 Prozent, Grundstücksverkäufe brechen ein
Staatseinnahmen legen in den ersten neun Monaten 2026 zu, während die Erlöse aus Grundstücksverkäufen weiter einbrechen.

Chinas Staatseinnahmen sind in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 im Jahresvergleich um 5,1 Prozent gestiegen. Das teilte das chinesische Finanzministerium am Freitag in Peking mit. Im Zeitraum Januar bis August hatte das Plus noch 5,7 Prozent betragen, sodass sich das Wachstumstempo zuletzt leicht abschwächte.
Insgesamt beliefen sich die Staatseinnahmen von Januar bis September auf 17,2 Billionen Yuan, umgerechnet 2,58 Billionen US-Dollar. Dabei wuchsen die Steuereinnahmen mit 6,1 Prozent deutlich stärker als die nicht-steuerlichen Einnahmen, die um 1,2 Prozent zulegten. Die Steuereinnahmen bilden damit weiterhin die tragende Säule der staatlichen Finanzierung.
Auf der Ausgabenseite fiel das Wachstum dagegen verhaltener aus. Die Staatsausgaben lagen im Berichtszeitraum um 1,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. In den ersten acht Monaten hatte der Anstieg noch 1,2 Prozent betragen, was einer leichten Verlangsamung entspricht.
Die Details
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz am Freitag war die Ausgabe lokaler Spezialanleihen. China habe die Ausgabe dieser Papiere in diesem Jahr beschleunigt und plane, einen Teil der Quote für 2027 vorzuziehen, sagte Zhao Zeyong, ein Beamter des Finanzministeriums. Die Netto-Spezialanleihe-Ausgabe von Januar bis September erreichte 3,56 Billionen Yuan und machte damit 81 Prozent der jährlichen Quote aus. Allein im September lag die Ausgabe bei 633,5 Milliarden Yuan, ein Anstieg um 214,8 Milliarden Yuan gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres.
Deutlich schwächer entwickelten sich die Einnahmen aus dem Verkauf staatlicher Grundstücke. Sie gingen im Zeitraum Januar bis September im Jahresvergleich um 27,9 Prozent zurück. Im Vergleich zu den ersten acht Monaten dieses Jahres, als sie noch um 28,6 Prozent gesunken waren, hat sich der Rückgang damit etwas verringert.
Hinter dem Einbruch steht die anhaltende Schwäche des Immobiliensektors. Der seit Mitte 2021 andauernde Abschwung hat die Einnahmen aus Grundstückverkäufen geschmälert, die traditionell eine entscheidende Finanzierungsquelle für lokale Regierungen in China darstellen. Für die Kommunen, die einen Großteil ihrer Investitionen und Infrastrukturprojekte aus diesen Erlösen finanzieren, bleibt die Lage angespannt. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Rückgang zwar leicht abschwächt, von einer Stabilisierung auf dem früheren Niveau aber weiterhin keine Rede sein kann.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen setzen eine Reihe von Meldungen fort, über die aktien.news in diesem Jahr berichtet hat. Bereits am 30.01.2026 berichtete aktien.news, dass die chinesischen Staatseinnahmen im Jahr 2025 erstmals seit der Corona-Pandemie zurückgingen – und zwar um 1,7 Prozent auf 21,6 Billionen Yuan (umgerechnet rund 2,9 Billionen Euro). Die Staatsausgaben stiegen im gleichen Zeitraum lediglich um 1,0 Prozent auf 28,7 Billionen Yuan, eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem Wachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2024. Der letzte Einnahmenrückgang hatte sich 2020 ereignet, als die COVID-19-Pandemie die Wirtschaftstätigkeit lähmte.
Am 25.04.2026 meldete aktien.news, dass China im ersten Quartal 2026 seine Staatsausgaben deutlich beschleunigt habe. Laut Daten des Finanzministeriums erreichten die Fiskalausgaben in den ersten drei Monaten 7,47 Billionen Yuan (umgerechnet rund 1,09 Billionen US-Dollar), ein Anstieg von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das war eine spürbare Beschleunigung gegenüber der Wachstumsrate von lediglich 1 Prozent im gesamten Jahr 2025. Die Ausgaben im ersten Quartal machten 24,9 Prozent des gesamten Jahresbudgets aus – laut Finanzministerium der höchste Anteil der Haushaltsausschöpfung in den vergangenen Jahren.
Ein Tag später, am 26.04.2026, berichtete aktien.news ergänzend, dass die Fiskaleinnahmen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 6,16 Billionen Yuan gestiegen seien. Auch damals lag der Anteil der Staatsausgaben am Jahresbudget bei 24,9 Prozent. Die Behörden hatten sich klar dazu bekannt, die staatlichen Ausgaben zu erhöhen, um das diesjährige Wirtschaftswachstumsziel zu erreichen.
Zuletzt berichtete aktien.news am 14.10.2026 über die Kreditvergabe: Die neuen Bankkredite in China stiegen im September stärker als erwartet und erholten sich deutlich von der schwachen August-Zahl. Chinesische Banken vergaben im September neue Kredite in Höhe von 1,08 Billionen Yuan (rund 161,37 Milliarden US-Dollar), während Analysten mit 975 Milliarden Yuan gerechnet hatten. Im August hatten die neuen Kredite lediglich 60 Milliarden Yuan betragen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Zahlen vor allem ein Stimmungsindikator für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die wieder steigenden Steuereinnahmen deuten darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Aktivität stabilisiert, nachdem die Einnahmen 2025 noch rückläufig waren. Die beschleunigte Ausgabe von Spezialanleihen zeigt zugleich, dass Peking fiskalische Impulse setzt, um die Konjunktur zu stützen.
Das anhaltend schwache Wachstum der Staatsausgaben von nur 1,0 Prozent relativiert dieses Bild jedoch. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben bleibt bestehen, und die lokalen Regierungen stehen weiterhin unter Druck, weil die Erlöse aus Grundstücksverkäufen um 27,9 Prozent eingebrochen sind. Anleger, die in chinesische Aktien, Anleihen oder Immobilienwerte investiert sind, sollten diese strukturellen Belastungen im Blick behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Bemerkenswert ist auch der Zusammenhang mit der Kreditvergabe: Die im Oktober gemeldete Erholung der Bankkredite im September deutet darauf hin, dass die Kreditnachfrage wieder anzieht. Zusammen mit den höheren Steuereinnahmen ergibt sich ein Bild einer Wirtschaft, die sich langsam erholt, ohne dass die Immobilienkrise bereits überwunden wäre.
Ausblick
Das Finanzministerium hat angekündigt, einen Teil der Quote für lokale Spezialanleihen des Jahres 2027 vorzuziehen. Damit will Peking die Finanzierung von Projekten früher ermöglichen. Zhao Zeyong zufolge liegt die Netto-Ausgabe der Spezialanleihen mit 81 Prozent der Jahresquote bereits weit fortgeschritten. Weitere konkrete Termine oder Zielmarken nannte die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Spezialanleihen: Von lokalen Regierungen begebene Anleihen, mit denen vor allem Infrastrukturprojekte finanziert werden.
- Nicht-steuerliche Einnahmen: Staatliche Erlöse, die nicht aus Steuern stammen, etwa Gebühren oder Erträge aus Vermögenswerten.
- Grundstücksverkäufe: Verkauf von Nutzungsrechten an staatlichem Land, eine traditionelle Einnahmequelle lokaler Behörden.
