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China kämpft gegen Taifune und tödliche Überschwemmungen gleichzeitig

Rekordregenfälle, Dammbrüche und mindestens 71 Tote – während Taifun Bavi mit 175 km/h auf Ostchina zusteuert.

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Zentral- und Südchina stehen unter dem Druck einer beispiellosen Extremwetterlage. Taifun Maysak, der erste tropische Wirbelsturm des Jahres, der das chinesische Festland erreichte, hinterließ eine Spur der Verwüstung – und bereits nähert sich mit Taifun Bavi der nächste schwere Sturm der ostchinesischen Küste.

In der südlichen Grenzregion Guangxi kamen mindestens 39 Menschen ums Leben, nachdem tagelange Regenfälle einen Damm in der Stadt Hengzhou zum Bersten brachten und umliegende Siedlungen überfluteten. Mehrere Städte meldeten Rekordniederschläge: In den am stärksten betroffenen Gebieten fielen innerhalb von nur 24 Stunden mehr als 90 Zentimeter Regen. Zusätzlich forderten Tornados in der zentralchinesischen Provinz Hubei mindestens 11 Todesopfer, während ein Erdrutsch in der nordwestlichen Provinz Gansu 21 Menschen das Leben kostete und sieben weitere verletzte.

Die Behörden in Guangxi setzten im Rahmen von Such- und Rettungseinsätzen rund 8.000 Einsatzkräfte sowie Boots- und Drohnenflotten ein. Etwa 130.000 Einwohner wurden bereits evakuiert, während viele weitere in überfluteten Häusern festsitzen oder in höher gelegenen Gebieten Schutz suchen.

Taifun Bavi auf dem Weg nach Ostchina

Während die Aufräumarbeiten nach Maysak laufen, bereitet sich China bereits auf den nächsten Sturm vor. Taifun Bavi verzeichnete laut dem Hong Kong Observatory maximale anhaltende Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometern pro Stunde und wurde zunächst als „Super-Taifun" eingestuft. Inzwischen hat er sich auf einen „schweren Taifun" mit Windgeschwindigkeiten von 175 km/h abgeschwächt, bleibt aber eine ernste Bedrohung.

In Taiwan strich der internationale Flughafen Taoyuan in Erwartung des Sturms hunderte Flüge. Der Börsenhandel wurde ausgesetzt und Schulen blieben am Freitag geschlossen. Auch in Hongkong und Ostchina kam es zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr. Chinas Staatschef Xi Jinping forderte „maximale Anstrengungen", um den Betroffenen zu helfen. Die Zentralbehörden wiesen Lokalregierungen an, die Maßnahmen zur Hochwasserprävention zu verstärken und Straßen sowie Brücken an Flüssen zu inspizieren.

Kuriose und gefährliche Folgen der Fluten

Die Überschwemmungen in Hengzhou hatten auch ungewöhnliche Konsequenzen: Die Überflutung einer Schlangenfarm führte zum Entkommen von rund 900 Schlangen, darunter Kobras. Lokale Medien berichteten, dass mindestens eine Person getötet und etwa ein Dutzend durch giftige Bisse verletzt wurden. In sozialen Medien kursierten Videos, die Kobras in braunem Hochwasser zeigten – von der FT jedoch nicht verifiziert. Im Guigang-Zoo töteten die Überschwemmungen drei Löwen und befreiten zahlreiche weitere Tiere, darunter Zebras und Hirsche.

Klimawandel verschärft Extremwetterrisiken

Die Ereignisse verdeutlichen Chinas wachsende Anfälligkeit gegenüber extremen Wetterphänomenen. Benjamin Horton, Dekan der School of Energy and Environment an der City University of Hong Kong, ordnet die Lage wissenschaftlich ein: „Diese Ereignisse mögen sich für uns extrem anfühlen, aber statistisch gesehen sind sie es heute nicht mehr."

Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Industriezeitalter nähert sich Schätzungen zufolge 1,4 Grad Celsius an, was weltweit zu häufigeren und intensiveren Wetterphänomenen führt. Der Sommer auf der Nordhalbkugel war besonders tödlich: Die Landtemperaturen im Juni machten den Monat zum zweitwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und die globale durchschnittliche Meerestemperatur erreichte einen neuen Höchststand.

China ist zwar das Land mit den größten Fortschritten beim Ausbau erneuerbarer Energien, bleibt aber aufgrund seines wachsenden Energiebedarfs und der fortgesetzten Verbrennung fossiler Brennstoffe der weltweit größte jährliche Verursacher von Treibhausgasen. Horton warnt zudem, dass die rasche Urbanisierung in Verbindung mit der kontinentalen Landmasse dazu führe, dass sich China schneller erwärme als andere Regionen der Welt.

Besonders besorgniserregend ist laut Horton das Zusammentreffen mehrerer Gefahren: „Es gab katastrophale Überschwemmungen, und nun kommt zusätzlich ein Taifun hinzu, sodass sich die Gefahren überschneiden." Solche „kombinierten" Gefahren erhöhten das Risiko einer „humanitären Katastrophe" erheblich – eine Warnung, die angesichts der aktuellen Lage in China kaum aktueller sein könnte.

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