Chinas Exporte steigen 27 Prozent dank globalem KI-Boom
Chinas Exportwachstum übertrifft im Juni alle Erwartungen – angetrieben von Chips und Rechenleistung für den weltweiten KI-Boom.

Chinas Exporte sind im Juni um 27% im Jahresvergleich gestiegen – die stärkste Performance seit vier Monaten. Damit übertraf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sowohl den Zuwachs von 19,4% im Mai als auch die Ökonomenprognose von 18,2%. Treiber des Wachstums sind vor allem Chips und Rechenkapazitäten, die die globale KI-Nachfrage bedienen.
Auch die Importseite überraschte positiv: Die Einfuhren sprangen um 36% nach oben, nach einem Plus von 27,4% im Vormonat – ein Fünfjahreshoch. Ökonomen hatten lediglich ein Wachstum von 24% erwartet. Chinas Handelsüberschuss kletterte im Juni auf 125,6 Milliarden US-Dollar, nach 105,4 Milliarden US-Dollar im Mai.
„Die anhaltende Exportstärke, die vor allem durch KI getrieben wird, deutet auf ein besseres zweites Halbjahr hin", sagte Xu Tianchen, Senior Economist bei der Economist Intelligence Unit in Peking. Er verwies zudem auf einen expansiveren Politikmix, beschleunigte Staatsausgaben sowie eine leichte geldpolitische Lockerung als unterstützende Faktoren. Gleichzeitig warnte er: „Die Binnennachfrage bleibt eine Belastung. Die Einzelhandelsumsätze stagnieren weitgehend, und die Anlageinvestitionen waren im vergangenen Monat rückläufig."
Rekordabhängigkeit vom Auslandsgeschäft
Die starken Exportzahlen verschleiern strukturelle Schwächen der chinesischen Wirtschaft. Da die Politik noch immer keine Lösung für die langwierige Immobilienkrise gefunden hat, die die Inlandsnachfrage seit Jahren belastet, sind chinesische Hersteller zunehmend auf ausländische Käufer angewiesen. Das Verhältnis der jährlichen Exporte zum gesamten Fertigungsumsatz erreichte in den ersten vier Monaten dieses Jahres 24% – der höchste Stand seit Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001. Zum Vergleich: 2019 lag die Quote noch bei 18,3%, im vergangenen Jahr bei 22,3%.
Das Beratungsunternehmen Gavekal Dragonomics kommentierte dies in einem aktuellen Bericht: „Das würde für ein kleines, exportorientiertes Land als hoch gelten; für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist es bemerkenswert." Zhiwei Zhang, Chefökonom bei Pinpoint Asset Management, zeigte sich zwar zuversichtlich für die zweite Jahreshälfte, mahnte aber: „Gleichzeitig erhöht dies den Druck auf die Handelsspannungen zwischen China und seinen Handelspartnern, insbesondere Europa."
Chips treiben Importe – keine Erholung der Binnennachfrage
Der sprunghafte Anstieg der Importzahlen sollte nicht als Zeichen einer erstarkenden Binnennachfrage gewertet werden. Julian Evans-Pritchard, Leiter der China-Ökonomie bei Capital Economics, betonte, dass „wie bei den Exporten die sprunghaft steigenden Halbleiterpreise eine Schlüsselrolle beim Anstieg der Importwerte spielen". Die Importe aus Südkorea, einem wichtigen Chiphersteller, stiegen im Juni um 85% im Jahresvergleich. Käufe aus Taiwan, einem weiteren großen Halbleiterproduzenten, legten im gleichen Zeitraum um 41,1% zu.
Auf der Energieseite zeigt sich ein anderes Bild: Die Ölimporte des weltweit größten Energieabnehmers erreichten im Juni den niedrigsten Stand seit Oktober 2016. Die Erdgaskäufe seit Jahresbeginn sanken im Vergleich zum Vorjahr um 3,4%. Stattdessen setzt China verstärkt auf Kohle – die Kohleimporte stiegen im Juni im Jahresvergleich um 29%.
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Zur AktienanalyseWachstumsprognose für zweites Quartal gedämpft
Die starken Handelsdaten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Technologieexporte allein keine gesamte Volkswirtschaft dauerhaft stützen können. Laut einer Reuters-Umfrage wird für das zweite Quartal 2025 ein BIP-Wachstum von lediglich 4,5% im Jahresvergleich erwartet – nach 5,0% im ersten Quartal. Die offiziellen BIP-Daten sollten am Tag nach der Veröffentlichung der Handelsdaten bekannt gegeben werden.
Vizewirtschaftsminister Wang Jun zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Exporte trotz externen Drucks auch in der zweiten Jahreshälfte widerstandsfähig bleiben würden, und hob dabei insbesondere die Technologieexporte hervor. China hält damit Kurs, das zweite Jahr in Folge einen Handelsüberschuss von über einer Billion US-Dollar zu erzielen – ein Rekordwert, der die globalen Handelsbeziehungen weiter belasten dürfte.


