Chery bringt iCAUR mit Defender-Klon V27 2027 nach Großbritannien
Der chinesische Hersteller Chery startet Anfang 2027 mit seiner fünften Marke iCAUR in Großbritannien – der V27 erinnert stark an den Land Rover Defender.

Chery Automobile Co. weitet sein Engagement auf dem britischen Automarkt deutlich aus. Der chinesische Hersteller kündigte am Donnerstag an, seine Marke iCAUR ab Anfang 2027 im Vereinigten Königreich zu verkaufen. Erstes Modell im Programm ist der V27 – ein kantig-schultriger SUV, der optisch an den Land Rover Defender erinnert.
Für Chery ist iCAUR bereits die fünfte Marke, unter der das Unternehmen in Großbritannien antritt. Vor ihr positionierte der Konzern dort die Marken Omoda, Jaecoo, Lepas sowie die namensgleiche Hauptmarke. Der Schritt fällt in eine Phase, in der chinesische Fahrzeuge auf der Insel auf ungewöhnlich großes Interesse stoßen.
Denn Chery hat britische Verbraucher nach Einschätzung von Bloomberg bereits einmal mit einem SUV überzeugt, der sich problemlos als Range Rover Evoque ausgeben könnte. Mit dem V27 folgt nun ein Modell, das optisch identisch zum Land Rover Defender ist. Der Hersteller setzt damit erneut auf ein Design, das stark an etablierte britische Geländewagen-Ikonen angelehnt ist – ein Muster, das in der Branche längst Gesprächsstoff ist.
Die Details
Die Ankündigung datiert auf Donnerstag, die Veröffentlichung der Meldung erfolgte am 15. Oktober 2026. Der Verkaufsstart der Marke iCAUR in Großbritannien ist für Anfang 2027 vorgesehen. Der V27 wird das erste Fahrzeug sein, das im iCAUR-Programm in den Showrooms erhältlich ist.
Damit umfasst das britische Markenportfolio von Chery künftig fünf Namen:
- Omoda
- Jaecoo
- Lepas
- die namensgleiche Hauptmarke Chery
- iCAUR
Auffällig ist die zeitliche Nähe der Ankündigung zum Debüt der Marke Jaecoo, die erst in diesem Sommer in Großbritannien für Aufmerksamkeit sorgte. Chery fährt damit eine Strategie, mehrere Marken parallel in einem einzigen Auslandsmarkt zu platzieren, statt eine einzige Dachmarke aufzubauen. Konkrete Finanzkennzahlen, Absatzziele oder eine Börsennotierung nennt die Meldung nicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.10.2026 berichtete aktien.news, wie Großbritannien den chinesischen Range-Rover-Klon Jaecoo 7 entdeckte. Im Mittelpunkt stand damals der 33-jährige Mark Thewlis von der südenglischen Küste, der auf der Suche nach einem neuen Familienwagen feststellte, wie viel günstiger der chinesische SUV im Vergleich zu Luxusmarken mit ähnlichem Erscheinungsbild und Fahrgefühl ist. Seine bevorzugte Variante des Jaecoo 7 berechnete er auf das Äquivalent von rund 50.000 US-Dollar – etwa die Hälfte des Preises eines optisch ähnlichen Range-Rover-Modells.
Am 06.10.2026 folgte ein weiterer Bericht, wonach sich Großbritannien zur überraschenden Hochburg für chinesische Automobile entwickelt. Keine andere große Industrienation habe Fahrzeuge aus China so enthusiastisch aufgenommen wie das Vereinigte Königreich, hieß es darin – mit dem Jaecoo 7 als zentralem Modell, das optisch und haptisch an einen Range Rover erinnert, aber nur die Hälfte kostet.
Nur einen Tag später, am 07.10.2026, berichtete aktien.news über den Luxus-Neustart von Jaguar. Der britische Traditionshersteller bringt mit dem Jaguar Type 01 ein vollelektrisches Modell auf den Markt, das mit einem Einstiegspreis von 130.000 Pfund im Vereinigten Königreich und 130.000 Dollar in den USA doppelt so viel kostet wie seine bisherigen vergleichbaren Modelle. Jaguar verfolgt damit nach mehr als einem Jahrzehnt rückläufiger Verkäufe eine bewusste Premiumstrategie.
Ebenfalls am 05.10.2026 meldete aktien.news, dass Großbritannien Zölle auf Importe chinesischer Elektrofahrzeuge vorbereitet. Das berichtete die Londoner „Times" am Sonntag. Mit den geplanten Maßnahmen will London eine zentrale Sorge der Europäischen Union adressieren. Die EU hatte Großbritannien davor gewarnt, dass das Land vom Programm „Made in Europe" ausgeschlossen werden könnte, falls es keine Maßnahmen gegen den Import chinesischer E-Autos ergreift. Hintergrund ist die Sorge von EU-Beamten, dass chinesische Automobilhersteller das Vereinigte Königreich als Durchgangsweg in die europäischen Märkte nutzen könnten.
Was das für Anleger bedeutet
Die Meldung ist ein weiteres Puzzlestück in einem Markt, der sich für chinesische Hersteller schneller öffnet als die meisten anderen großen Industrienationen. Für deutsche Privatanleger ist der Vorgang vor allem deshalb relevant, weil er zeigt, wie stark der Handel mit Automobilen inzwischen zum geopolitischen Thema geworden ist: Auf der einen Seite steht die wachsende Präsenz chinesischer Marken, auf der anderen Seite drohen Zölle und der Ausschluss vom Programm „Made in Europe".
Chery selbst nennt in der Meldung keine Umsatz-, Absatz- oder Gewinnzahlen, und auch die ERKANNTEN ENTITÄTEN enthalten weder Ticker noch Beträge. Eine direkte Investition in das Unternehmen lässt sich aus dieser Nachricht daher nicht ableiten. Beobachten lässt sich jedoch der Wettbewerbsdruck, der auf etablierten SUV-Anbietern lastet – sowohl auf britischen Traditionsmarken als auch auf deutschen Herstellern, die im Premiumsegment mit ähnlichen Fahrzeugklassen antreten.
Bemerkenswert ist die Preisdifferenz, die im britischen Markt bereits sichtbar ist: Ein chinesischer SUV mit Range-Rover-Anmutung kostet nach den früheren Berichten von aktien.news rund die Hälfte eines optisch ähnlichen Modells der etablierten Marke. Sollte sich dieses Muster auf weitere Segmente ausdehnen, dürfte der Margendruck in der Branche zunehmen.
Ausblick
Der nächste konkrete Termin steht bereits fest: Anfang 2027 soll der Verkauf von iCAUR-Fahrzeugen in Großbritannien beginnen, den Anfang macht der V27 in den Showrooms. Ob und wann weitere Modelle der Marke folgen, geht aus der Meldung nicht hervor – der Hinweis, dass der V27 das erste Fahrzeug im iCAUR-Programm sein wird, deutet jedoch auf eine breitere Modellpalette hin.
Offen bleibt zudem die Zollfrage. Großbritannien bereitet nach dem Bericht der Londoner „Times" vom 05.10.2026 Abgaben auf Importe chinesischer Elektrofahrzeuge vor. Sollten diese tatsächlich kommen, könnten sie die Kalkulation chinesischer Hersteller im Vereinigten Königreich verändern – ein Risiko, das auch für die erst für 2027 geplante Markteinführung von iCAUR relevant ist. Auf der anderen Seite positioniert sich Jaguar mit dem Type 01 und einem Einstiegspreis von 130.000 Pfund bewusst im Luxussegment und damit in einem anderen Preiskorridor als die chinesischen Neuankömmlinge.
Kurz erklärt
- SUV: Sport Utility Vehicle, ein höher gelegtes Fahrzeug mit geländewagenähnlicher Karosserie und viel Platz für Passagiere und Gepäck.
- Submarke: Eine eigenständig auftretende Marke eines Herstellers, die parallel zu dessen Hauptmarke im selben Markt verkauft wird.
- Zoll: Eine staatliche Abgabe auf importierte Waren, die den Preis ausländischer Produkte im Inland erhöht.
