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Cannabis- und Psychedelika-Reformen revolutionieren den Markt für psychische Gesundheit

US-Bundespolitik öffnet institutionellem Kapital und beschleunigten Zulassungen Tür und Tor – mit weitreichenden Folgen für Anleger.

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Cannabis- und Psychedelika-Reformen revolutionieren den Markt für psychische Gesundheit

Verschiebungen in der US-Bundespolitik gestalten die Aussichten für medizinisches Cannabis und psychedelische Therapien grundlegend neu. Innerhalb weniger Wochen haben Maßnahmen der Exekutive mehrere Marktsegmente als klare Profiteure herausgeschält – mit erheblichen Konsequenzen für Investoren und die Gesundheitsbranche weltweit.

Der entscheidende Wendepunkt kam am 23. April, als der amtierende US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche die endgültige Anordnung unterzeichnete, die staatlich lizenziertes medizinisches Cannabis in Schedule III einstuft. Der bundesweite Vorstoß zur Umstufung hatte bereits im Mai 2024 begonnen, war jedoch durch eine verschobene Zwischenbeschwerde über ein Jahr lang in der Schwebe geblieben. Kurz nach der Unterzeichnung gab die DEA bekannt, Anträge auf Bundesschutz von Unternehmen für medizinisches Cannabis entgegenzunehmen. Das Justizministerium kündigte zudem an, dass am 29. Juni eine neue administrative Anhörung beginnt, um die umfassendere Umstufung von „gesamtem Cannabis" zu erörtern.

Steuerliche Entlastung als zentraler Katalysator

Für große Betreiber wie Curaleaf Holdings, Green Thumb Industries, Cresco Labs und Trulieve Cannabis ist der primäre Katalysator der Wegfall der Steuerlast gemäß Section 280E des US-Steuerrechts. Das Finanzministerium und die Steuerbehörde IRS erklärten, sie erwarten, dass die Cannabis-Umstufung „erhebliche positive steuerliche Folgen für Unternehmen in der medizinischen Marihuana-Industrie haben wird". Leitlinien zur Anwendung der 280E-Entlastung sollen in Kürze folgen.

„Historisch gesehen hat diese Bestimmung die effektiven Bundessteuersätze auf bis zu 70 Prozent oder mehr getrieben, was den Cashflow erheblich einschränkte und die finanzielle Performance verzerrte", erklärte Terry Mendez, CEO von Safe Harbor Financial. „Die Entlastung von 280E sollte die Liquidität der Betreiber, die finanzielle Transparenz und die Kreditqualität verbessern, was allesamt grundlegend für nachhaltige Bankbeziehungen ist."

Dennoch betont Mendez die Grenzen der Reform: „Es ersetzt nicht die Notwendigkeit einer umfassenden Bundesreform. Eine dauerhafte Lösung erfordert ein Tätigwerden des Kongresses, einschließlich der Verabschiedung des SAFER Banking Act." Zentrale regulatorische Einschränkungen bleiben bestehen – insbesondere keine bundesweite Legalisierung und keine Steuererleichterung für Anbieter im Bereich des Freizeitkonsums für Erwachsene.

Adam Stettner, CEO von FundCanna, sieht strukturelle Auswirkungen: „Die Anordnung beginnt, einen bundesweiten Pfad für medizinisches Cannabis innerhalb eines etablierten Regulierungsrahmens zu formalisieren. Dies legt die Messlatte für die operative Disziplin höher und signalisiert institutionellem Kapital, dass Teile des Cannabismarktes standardisierter und finanzierbarer werden."

Widersprüche in der Bundespolitik

Ryan Hunter von Spherex weist auf eine logische Inkonsistenz hin: Die Regierung treibt medizinisches Cannabis unter Schedule III voran, während gleichzeitig ein bundesweites Verbot von berauschenden, aus Hanf gewonnenen Produkten im November in Kraft treten soll. Präsident Trump hat den Kongress aufgefordert, die anstehenden Hanf-THC-Beschränkungen zu ändern, stößt dabei jedoch auf Widerstand einer Koalition aus prohibitionistisch eingestellten Gesetzgebern und traditionellen Cannabis-Unternehmen.

Josh Kesselman von High Times warnte zudem, dass ein Fehltritt in Washington eine Handvoll Unternehmen begünstigen könnte, die am besten positioniert sind, um die neuen, strengen Anforderungen an Compliance und Kapitalzugang zu bewältigen – während unabhängige Betreiber und Kleinbauern marginalisiert werden. Die Bundesstrategie scheint letztendlich auf eine Konsolidierung hinauszulaufen, die das Feld für einen hochgradig kontrollierten, institutionalisierten Markt ebnet.

Executive Order beschleunigt Psychedelika-Zulassungen

Parallel zur Cannabisreform unterzeichnete Präsident Trump am 18. April die Executive Order „Accelerating Medical Treatments for Serious Mental Illness". Die Anordnung weist die FDA an, Zulassungsanträge für psychedelische Medikamente vorrangig zu behandeln, und stellt 50 Millionen US-Dollar an HHS-Mitteln für die Forschung bereit.

Die FDA kündigte daraufhin mehrere neue Schritte an:

  • Priorisierung sogenannter Breakthrough-Therapien für nationale Prioritäts-Gutscheinprogramme
  • Einrichtung eines „Right-to-Try"-Pfades für berechtigte Patienten zum Zugang zu experimentellen Therapien
  • Partnerschaften mit der VA und staatlichen Regierungen zur Ausweitung klinischer Studien und der Forschungsförderung

Shea Wihlborg, Analyst bei ARK Invest, bezeichnete die Anordnung als „klares Signal", dass die Bundesbehörden an einem Strang ziehen. FDA-Kommissar Marty Makary hat angedeutet, dass die erste Zulassung bereits in diesem Sommer erfolgen könnte. Als kommerzielle Vorlage dient Spravato, das bereits eine Run Rate von fast 2 Milliarden US-Dollar erreicht hat.

COMPASS Pathways als Vorreiter im Psychedelika-Segment

Besonders im Fokus steht COMPASS Pathways (NASDAQ: CMPS), das nach der Executive Order ein fortlaufendes FDA-Überprüfungsverfahren und einen National Priority Voucher für seine Psilocybin-Behandlung COMP360 erhielt. Laut Wihlborg führt COMP360 das „psychedelische Feld an" und könnte potenziell das erste klassische Psychedelikum sein, das eine FDA-Zulassung erhält.

Makary kündigte an, dass insgesamt drei Commissioner's National Priority Vouchers (CNPVs) für psychedelische Verbindungen ausgegeben werden. Transcend Therapeutics hat öffentlich erklärt, dass ihm eine vorrangige Prüfung gewährt wurde. Das Usona Institute, eine gemeinnützige medizinische Forschungsorganisation, erhielt ebenfalls einen Voucher – dieser gewährleistet ein hohes Maß an bundesstaatlicher Priorität nach Abschluss seiner uAspire-Phase-3-Studie, die Psilocybin als Behandlung für schwere depressive Störungen untersucht.

Die Entwicklungen in den USA dürften auch für europäische und deutsche Investoren von wachsendem Interesse sein, da die regulatorischen Weichenstellungen in Washington häufig als Blaupause für internationale Märkte dienen und die Bewertungen global agierender Unternehmen in diesen Segmenten direkt beeinflussen.

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