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GLP-1-Abnehmspritzen verändern den 40-Milliarden-Dollar-Cannabismarkt

Die wachsende Beliebtheit von GLP-1-Präparaten wie Ozempic verändert das Konsumverhalten auf dem US-Cannabismarkt spürbar.

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GLP-1-Abnehmspritzen verändern den 40-Milliarden-Dollar-Cannabismarkt

Die rasant steigende Nachfrage nach GLP-1-Abnehmpräparaten wie Semaglutid oder Tirzepatid hinterlässt unerwartete Spuren in einem ganz anderen Markt: dem rund 40 Milliarden US-Dollar schweren amerikanischen Cannabismarkt. Experten und Branchenvertreter berichten, dass sich das Konsumverhalten von Cannabis-Nutzern, die gleichzeitig GLP-1-Therapien anwenden, merklich verändert – und Einzelhändler reagieren bereits darauf.

Nutzer in Online-Foren schildern ein verringertes Verlangen nach Cannabis sowie Unsicherheit darüber, wie GLP-1-Therapien die typischen Nachwirkungen von Marihuana beeinflussen könnten. Besonders betroffen sind die sogenannten „Munchies" – die appetitgetriebenen Heißhungerattacken, die viele Cannabiskonsumenten kennen. Verkaufsstellen registrieren derweil eine deutliche Verschiebung der Kundenpräferenzen.

Händler passen ihr Angebot an

Stoops NYC, eine Verkaufsstelle im New Yorker Flatiron-Distrikt, empfiehlt Kunden, die GLP-1-Medikamente einnehmen, bereits verstärkt niedriger dosierte Produkte – darunter Edibles, Vapes oder Tinkturen. Der Hintergrund ist eine konkrete physiologische Wechselwirkung: GLP-1-Therapien verlangsamen die Magenentleerung, was den Wirkungseintritt von Cannabis-Edibles verzögern kann. Das erhöht das Risiko, dass Konsumenten zu früh weitere Dosen einnehmen und in der Folge einen unerwartet starken Rausch erleben.

Wendy Bronfein, Mitbegründerin und Chief Brand Officer bei Curio Wellness, betonte die Notwendigkeit besserer Aufklärung: „Da die Akzeptanz von GLP zunimmt, prüfen wir Möglichkeiten, am Point of Sale eine klarere Beratung anzubieten." Damit spricht sie ein branchenweites Problem an, das bislang kaum öffentlich diskutiert wird.

Auch das Konsumverhalten selbst wandelt sich. Steph Woods, Vice President of Sales bei SōRSE Technology, beobachtet, dass einige Nutzer Alkohol durch Cannabis ersetzen, während andere zu einer gezielteren Anwendung bei Schlafstörungen oder Stress übergehen. Daten der gemeinnützigen Cannabis-Bildungsorganisation Realm of Caring belegen zudem eine wachsende Neugier der Verbraucher: Seit 2024 gehörten zu den 20 häufigsten Anfragen bei der Cannabis-Hotline Themen wie „THC zur Gewichtsabnahme", „Cannabissorten, die den Appetit zügeln" und „Edibles, die nicht hungrig machen".

Wissenschaft beginnt, den Zusammenhang zu erforschen

Die Forschung holt nun auf. Das National Institute on Drug Abuse finanziert in diesem Jahr eine klinische Studie, die Tirzepatid – den Wirkstoff in den Abnehmpräparaten von Eli Lilly – als potenzielle Behandlung für Cannabis-Konsumstörungen untersucht. Dr. Nora Volkow, Direktorin der Behörde, verwies zudem auf retrospektive Analysen elektronischer Gesundheitsakten: Demnach erzielten Diabetes-Patienten, denen GLP-1-Medikamente wie Semaglutid verschrieben wurden, signifikant bessere Ergebnisse in Bezug auf Cannabis-Konsumstörungen als Patienten unter anderen Diabetes-Behandlungen. Eine weitere Studie des Brigham and Women's Hospital soll voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres beginnen.

Trotz der wachsenden Evidenz mahnen Brancheninsider zur Vorsicht. Michael Flemmens, Executive Vice President of Research bei SōRSE Technology, warnt vor voreiligen Schlüssen: „Hier gibt es kein Eins-plus-eins-ist-gleich-zwei-Szenario." Er betont, dass Unterschiede im Stoffwechsel, in der Dosierung, der Toleranz und sogar der Art des verwendeten GLP-1-Medikaments eine entscheidende Rolle spielen. Viele Belege seien weiterhin anekdotisch, so der Experte.

Für den deutschen Markt ist das Thema zwar noch weniger akut – Cannabis wurde hierzulande erst 2024 teilweise legalisiert –, doch die Entwicklungen in den USA könnten als Frühindikator dienen. Auch in Deutschland steigt die Verschreibung von GLP-1-Präparaten wie Ozempic oder Mounjaro stark an, und mit der wachsenden Cannabiskultur könnten ähnliche Wechselwirkungen zunehmend relevant werden.

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