Bucher Industries erwartet 2026 niedrigere Umsätze und sinkende Margen
Der Schweizer Maschinenbauer leidet unter Dürrefolgen im Landmaschinengeschäft und einem Einbruch bei der Glasbehälter-Technik.

Der Schweizer Maschinenbauer Bucher Industries rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit leicht niedrigeren Umsätzen und einer operativen Marge unter dem Niveau des Vorjahres. Als Hauptgründe nennt das Unternehmen Dürre-bedingte Einbußen im Geschäft mit landwirtschaftlichen Geräten sowie einen Rückgang in der Glasbehälter-Maschinentechnik. Diese beiden Belastungen überkompensieren das Wachstum im Hydraulikgeschäft.
Wichtig für die Einordnung der Prognose: Die Margenprognose für 2026 schließt einen Gewinn von CHF 43 Millionen aus dem Verkauf eines Grundstücks im Jahr 2025 aus. Dieser Sonderertrag hatte das Ergebnis des laufenden Jahres einmalig gestützt und fällt im kommenden Jahr weg.
Bereits in den ersten neun Monaten zeigte sich die Schwäche. Der Umsatz ging um 2,8% auf CHF 2,10 Milliarden zurück, nach CHF 2,16 Milliarden im Vorjahr. Auf bereinigter Basis, also angepasst an Währungseffekte und Akquisitionen, entspricht das einem Rückgang von 1,3%.
Die Details
Die Auftragseingänge sanken um 1,4% auf CHF 2,03 Milliarden von CHF 2,06 Milliarden. Bereinigt um Währungseffekte legten sie dagegen um 0,2% zu. Diese Differenz zeigt, wie stark Währungseffekte die berichteten Zahlen verzerren.
Den deutlichsten Gegenwind spürt die Kuhn Group, die Sparte für landwirtschaftliche Geräte. Sie meldete Auftragseingänge von CHF 720 Millionen in den ersten neun Monaten, ein Rückgang von 7,2% gegenüber CHF 776 Millionen im Vorjahr. Bereinigt um Währungseffekte beträgt das Minus 5,1%. Der Umsatz fiel um 1,8% auf CHF 802 Millionen von CHF 816 Millionen.
Als Ursache nennt das Unternehmen die extreme Dürre in Europa, die die Erträge bei Feldfrüchten und Futtermitteln reduzierte. Gleichzeitig erhöhten höhere Dünger- und Dieselpreise die Betriebskosten der Landwirte. Hinzu kommt ein Konjunkturabschwung in Brasilien, der dazu führte, dass die lokalen Produktionsstandorte deutlich unter ihrer Kapazitätsgrenze arbeiteten. Die Auftragseingänge im dritten Quartal wurden durch frühere Vorbestellprogramme in den Vereinigten Staaten gestützt, die einige Nachfrage vorverlagerten.
Noch härter traf es Bucher Emhart Glass. Die Sparte verzeichnete Umsätze von CHF 206 Millionen, ein Rückgang von 20,9% gegenüber CHF 261 Millionen im Vorjahr. Als Gründe nennt das Unternehmen niedrige Auftragseingänge in vorherigen Perioden und das Fehlen neuer Großprojekte. Die Auftragseingänge beliefen sich auf CHF 216 Millionen im Vergleich zu CHF 218 Millionen im Vorjahr. Sehr niedrige Kapazitätsauslastungen an den Produktionsstätten führten zu kostensenkenden Maßnahmen.
Einzig Bucher Hydraulics entwickelte sich positiv. Die Auftragseingänge stiegen um 5,8% auf CHF 502 Millionen von CHF 474 Millionen im Vorjahr, bereinigt um Währungseffekte sogar um 8,6%. Getrieben wurde das Wachstum durch steigende Nachfrage nach Baumaschinen und mobiler elektrischer Antriebstechnologie. Der Umsatz erhöhte sich auf CHF 497 Millionen von CHF 475 Millionen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die schwache Entwicklung bei Bucher ist kein Einzelfall in der Branche. Bereits am 17.02.2026 berichtete aktien.news, dass der Land- und Baumaschinenhersteller CNH Industrial eine deutlich unter den Markterwartungen liegende Gewinnprognose für 2026 vorgelegt hat. Das Unternehmen rechnet mit einem bereinigten Jahresgewinn zwischen 0,35 und 0,45 US-Dollar je Aktie, deutlich unter den Analystenschätzungen von 0,54 Dollar. Als Hauptgründe nannte CNH niedrige Erntepreise, gestiegene Inputkosten und eine sich wandelnde Handelspolitik.
Auch im Schweizer Maschinenbau machte sich der Gegenwind bemerkbar. Am 17.07.2026 meldete aktien.news, dass die Mikron Group AG für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang des Nettoumsatzes um 5,9 Prozent verzeichnete. Der Gesamtumsatz belief sich auf CHF 180,50 Millionen, die operative Gewinnmarge fiel von 11,3 Prozent auf 8,9 Prozent.
Am 04.02.2026 berichtete aktien.news zudem, dass der Ölsaatverarbeiter Bunge Global mit seiner Gewinnprognose für 2026 deutlich unter den Analystenerwartungen lag. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Bunge mit einem bereinigten Gewinn pro Aktie zwischen 7,50 und 8,00 US-Dollar, während die Wall Street mit 8,71 Dollar gerechnet hatte.
Ein Gegenbeispiel lieferte die Munters Group AB. Wie aktien.news am 23.10.2026 berichtete, erreichte der Auftragseingang des schwedischen Unternehmens im dritten Quartal SEK 7,1 Milliarden und lag damit 70 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings blieb die bereinigte EBITA-Marge mit 12,2 Prozent unter den 13,5 Prozent des dritten Quartals 2025.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Schweizer Industrieaktien investiert sind, zeigt der Bericht ein gemischtes Bild. Bucher ist breit aufgestellt, doch die einzelnen Sparten entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während die Landtechnik und die Glasbehälter-Technik unter Druck stehen, wächst das Hydraulikgeschäft.
Bemerkenswert ist die Unterscheidung zwischen berichteten und bereinigten Zahlen. Die Auftragseingänge sanken nominal um 1,4%, bereinigt legten sie jedoch um 0,2% zu. Anleger sollten daher beide Kennzahlen im Blick behalten, um Währungseffekte nicht mit operativer Schwäche zu verwechseln.
Zudem ist der Sonderertrag aus dem Grundstücksverkauf von CHF 43 Millionen zu beachten. Er stützte das Ergebnis 2025, wird aber in der Prognose für 2026 bewusst ausgeklammert. Das bedeutet, dass ein Teil des erwarteten Margenrückgangs auf den Wegfall dieses Einmaleffekts zurückgeht und nicht ausschließlich auf die operative Entwicklung.
Ausblick
Für die einzelnen Sparten gibt Bucher unterschiedliche Erwartungen. Kuhn erwartet stabile vergleichbare Umsätze und eine etwas niedrigere operative Marge. Bucher Emhart Glass rechnet mit deutlich niedrigeren Umsätzen und einer signifikant niedrigeren operativen Marge als im Jahr 2025.
Bucher Hydraulics stellt dagegen leicht höhere Umsätze und eine leicht höhere operative Marge in Aussicht. Bucher Municipal erwartet leicht niedrigere Umsätze, Bucher Specials leicht höhere Umsätze. Beide Sparten erwarten niedrigere operative Margen.
Kurz erklärt
- Auftragseingang: Der Gesamtwert aller verbindlich eingegangenen Bestellungen eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum.
- Operative Marge: Das Verhältnis des operativen Gewinns zum Umsatz und damit ein Maß für die Profitabilität des Kerngeschäfts.
- Bereinigte Basis: Kennzahlen, die um Sondereffekte wie Währungsschwankungen oder Zukäufe angepasst werden, um die operative Entwicklung sichtbar zu machen.
