Bitkom-Umfrage: Deutsche stehen KI im Auto überwiegend offen gegenüber
Eine Bitkom-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen begrüßt KI-Funktionen im Auto, besonders wenn sie Sicherheit und Schutz erhöhen.

Die Mehrheit der Deutschen steht Künstlicher Intelligenz im Auto offen gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 1000 Personen ab 16 Jahren befragt wurden. Am größten ist die Zustimmung dort, wo KI unmittelbar Sicherheit und Schutz erhöht.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Diebstahl und Unfällen. 83 Prozent der Befragten begrüßen es, wenn eine KI einen erkannten Diebstahlversuch blockiert. 78 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die KI im Ernstfall automatisch die Kontrolle übernimmt, um einen Unfall zu vermeiden. Weitere 69 Prozent befürworten eine KI-Erkennung von Fahruntüchtigkeit, und 53 Prozent sind für ein aktives KI-Eingreifen, wenn riskantes Fahrverhalten erkannt wird.
Der Verband sieht darin ein klares Muster. "Besonders groß ist das Interesse an Anwendungen, die Sicherheit und Schutz erhöhen", so die Einschätzung von Bitkom. Die Bereitschaft, KI im Auto zu akzeptieren, hängt also stark davon ab, welchen konkreten Nutzen die Technik im Alltag stiftet.
Die Details
Ein zweiter Befund der Umfrage betrifft die Erwartung an das autonome Fahren. 69 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass selbstfahrende Fahrzeuge künftig zum Standard werden. Vor einem Jahr lag dieser Wert erst bei 53 Prozent. Die Erwartungshaltung hat sich damit innerhalb eines Jahres deutlich verschoben.
Bei der Frage, welche autonomen Verkehrsmittel die Menschen tatsächlich nutzen würden, zeigt sich ein differenziertes Bild. Die größte Nutzungsbereitschaft gibt es bei Bussen und Bahnen. Am geringsten ist sie bei Schiffen und Flugzeugen. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine breite Grauzone, in der die Akzeptanz stark vom jeweiligen Einsatzzweck abhängt.
Auch das eigene Mobilitätsverhalten hat sich im Vergleich zu 2024 spürbar verändert. Das Fahrrad nutzen 43 Prozent der Befragten häufiger als zuvor, acht Prozent seltener. Zu Fuß gehen 26 Prozent öfter, fünf Prozent weniger. Beim Flugzeug zeigt sich die gegenläufige Entwicklung: 36 Prozent fliegen weniger, ein Prozent mehr. Das eigene Auto nutzen 21 Prozent seltener und 16 Prozent häufiger.
Hinter diesen Verschiebungen stehen mehrere Beweggründe. Genannt werden Klimaschutz, gestiegene Benzinpreise, der Wegfall von Dienstreisen und die Unzuverlässigkeit der Bahn. Bei den einzelnen Verkehrsmitteln fallen die Verschiebungen unterschiedlich aus: Taxis werden seltener genutzt, während Uber und Bolt stabil bleiben. Busse und Bahnen verlieren insgesamt, wobei die Bahn vor allem im Fernverkehr Einbußen verzeichnet.
Parallel dazu verändert sich der Fahrzeugbestand. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ist mehr als jeder vierte neu zugelassene Pkw elektrisch. Damit wächst auch der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Die Autobahn GmbH gibt weitere Flächen für Lademöglichkeiten frei. Private Investoren sollen Schnellladesäulen an nicht bewirtschafteten Rastanlagen aufbauen, die Ausschreibungen dafür starten im Frühjahr 2027.
Für die Verbreitung autonomer Fahrzeuge braucht es aus Sicht der Branche verlässliche Leitplanken. Tanja Rückert, Expertin bei Bitkom, formuliert die Anforderungen so: "Es braucht einheitliche Regeln, verlässliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, autonome Fahrzeuge im realen Verkehr zu erproben". Modellregionen könnten dabei helfen, autonome Mobilität in den Alltagsverkehr zu integrieren und in die Fläche zu bringen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 25.04.2026 berichtete aktien.news, dass Chinas Autoindustrie die KI-Integration auf Geheiß Pekings vorantreibt. Nachdem das Land 25 Jahre gebraucht habe, um den globalen Markt für Elektrofahrzeuge zu dominieren, steuere die Automobilindustrie nun auf den nächsten großen Umbruch zu. Grundlage sei der jüngste Fünfjahresplan mit dem nationalen Programm "AI Plus", das KI-Systeme in die Fertigung, das Gesundheitswesen und nahezu jeden anderen Wirtschaftsbereich einbetten soll.
Am 29.04.2026 berichtete aktien.news über die Fortschritte beim autonomen Fahren. Dmitri Dolgov, Co-CEO von Waymo, zeigte sich demnach überrascht, als ein Waymo-Fahrzeug in San Francisco einen hinter einem Bus verborgenen Fußgänger entdeckte und auswich. Das Fahrzeug habe aus minimalen Bewegungssignalen der Füße der Person vorhergesagt, dass sie hinter dem Bus hervortreten würde – ohne direkte Sichtlinie.
Am 25.05.2026 berichtete aktien.news, dass Robotaxis auf der Automesse in Peking erstmals im Mittelpunkt des Geschehens standen. Automobilhersteller, Mobilitätsplattformen und Technologiekonzerne präsentierten dort ihre Versionen des autonomen Ride-Hailing. Zugleich blieb die Einordnung nüchtern: Ein dicht besetztes Rennen sei nicht gleichbedeutend mit einem reifen Markt, der Aufbau eines kommerziell skalierbaren und sicher betreibbaren Systems bleibe eine enorme Herausforderung.
Am 12.04.2026 berichtete aktien.news über das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld in Deutschland. Damals prägten sinkende Kraftstoffpreise, ein ins Stocken geratener Umbau der Schuldenbremse sowie neue Weichenstellungen bei Künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren das Bild. Laut einer SWR-Datenanalyse kostete Super E5 im Durchschnitt 2,15 Euro pro Liter, E10 lag bei 2,09 Euro und Diesel bei 2,30 Euro.
Was das für Anleger bedeutet
Die Umfragewerte sind kein Börsenkatalysator, aber sie liefern eine wichtige Orientierung. Sie zeigen, welche KI-Funktionen auf Akzeptanz stoßen und welche nicht. Für Unternehmen, die Assistenzsysteme, Sensorik oder Software für Fahrzeuge entwickeln, ist das ein Signal: Sicherheitsfunktionen lassen sich leichter am Markt erklären als vollautonome Versprechen.
Gleichzeitig macht die Umfrage deutlich, dass die Erwartung an autonomes Fahren steigt. Wenn 69 Prozent der Befragten selbstfahrende Fahrzeuge künftig für den Standard halten, wächst der Druck auf Hersteller und Regulierung, liefern zu müssen. Anleger sollten dabei zwischen Erwartung und tatsächlicher Zulassung unterscheiden: Eine hohe Zustimmung in Umfragen bedeutet nicht automatisch eine schnelle Markteinführung.
Ein zweiter Punkt betrifft die Infrastruktur. Der steigende Anteil elektrischer Neuwagen und die geplanten Ausschreibungen für Schnellladesäulen zeigen, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur vorankommt. Davon könnten Betreiber von Ladeinfrastruktur, Anbieter von Ladetechnik und Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette profitieren. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hängt jedoch von der tatsächlichen Umsetzung ab.
Ausblick
Konkrete Termine gibt es bislang wenige. Die Ausschreibungen für Schnellladesäulen an nicht bewirtschafteten Rastanlagen sollen im Frühjahr 2027 starten. Zuvor hatte die Autobahn GmbH bereits weitere Flächen für Lademöglichkeiten freigegeben. Für die Verbreitung autonomer Fahrzeuge setzt die Branche auf Modellregionen, in denen die Technik im realen Verkehr erprobt werden kann. Ob und wann daraus ein flächendeckender Regelbetrieb wird, ist offen.
Kurz erklärt
- Autonomes Fahren: Fahrzeuge bewegen sich ohne menschlichen Eingriff fort, wobei Sensoren und Software die Umgebung erfassen und Entscheidungen treffen.
- Schnellladesäule: Eine Ladestation mit hoher Ladeleistung, die Elektroautos in kurzer Zeit wieder auflädt.
- Modellregion: Ein abgegrenztes Gebiet, in dem neue Mobilitätskonzepte unter realen Bedingungen getestet werden.
