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Barclays: Ferrari-Abverkauf nach Luce-Enthüllung ist übertrieben

Ferraris erstes Elektroauto Luce sorgt für Kurseinbruch – Barclays sieht darin eine überzogene Marktreaktion und hält an seiner Kaufempfehlung fest.

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Barclays: Ferrari-Abverkauf nach Luce-Enthüllung ist übertrieben

Die Ferrari-Aktie geriet am Mittwoch unter erheblichen Druck, nachdem der italienische Luxusautomobilhersteller das Außendesign seines ersten vollelektrischen Modells präsentierte. Der neue Ferrari Luce stieß in den Medien auf heftige Kritik, da sein Erscheinungsbild stark von der klassischen Ferrari-Ästhetik abweicht. In den anderthalb Tagen nach der Markteinführung blieben die Ferrari-Aktien um 9% hinter dem SXAP-Index zurück.

Barclays-Analyst Henning Cosman rät Anlegern jedoch zur Besonnenheit. Er bezeichnet den Ausverkauf als überzogen und wertet das Design-Wagnis als bewussten und strategisch sinnvollen Schritt. „Wir betrachten dies als eine überzogene Reaktion", schrieb Barclays in seiner Einschätzung.

Was steckt hinter dem Luce-Design?

Der Ferrari Luce ist ein viertüriger, fünfsitziger, vollelektrischer Sportwagen mit einer Leistung von mehr als 1.000 PS. Er beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und kostet vor der Individualisierung 550.000 Euro. Das Außendesign wurde gemeinsam mit dem Designbüro LoveFrom entwickelt – unter der Leitung des ehemaligen Apple-Chefdesigners Jony Ive und des Designers Marc Newson. Das Fahrzeug folgt einem extremen „Form-follows-Function"-Ansatz zur Reduzierung des Luftwiderstands, was die ungewöhnliche Optik erklärt und die Abkehr vom klassischen Ferrari-Look begründet.

Die Auslieferungen sollen voraussichtlich im vierten Quartal 2026 beginnen, die Serienproduktion ist für 2027 geplant. Barclays weist darauf hin, dass der Luce lediglich eines von 20 geplanten Modellanläufen zwischen 2026 und 2030 ist und nur etwa 3,5% des Gesamtabsatzes ausmachen wird. Aus dieser Perspektive erscheint die Marktreaktion tatsächlich unverhältnismäßig stark.

Das „Innovator's Dilemma" als strategischer Rahmen

Barclays ordnet Ferraris Schritt in einen größeren strategischen Kontext ein. Die Bank verweist auf das von Harvard-Professor Clayton Christensen beschriebene „Innovator's Dilemma" – die Herausforderung für etablierte Unternehmen, disruptive Innovationen zu wagen, ohne ihre Kernkundschaft zu verprellen. Barclays räumte ein, das Design selbst nicht zu lieben, lobte jedoch ausdrücklich „den Mut, das Innovator's Dilemma direkt anzugehen, auch wenn Kernkunden und Investoren kurzfristig damit ringen könnten".

Die Bank begrüßte zudem Ferraris Bereitschaft, „kurzfristig (potenziell) im Kleinen zu scheitern, anstatt nicht zu versuchen, erfolgreich zu sein." Diese Haltung spiegelt eine langfristige Investmentperspektive wider, die kurzfristige Unsicherheiten zugunsten strategischer Positionierung in Kauf nimmt.

Barclays bewertet die Ferrari-Aktie weiterhin mit „Overweight" und einem Kursziel von 355 Euro. Für Anleger, die auf den Kursrückgang nervös reagiert haben, liefert die Analyse damit eine klare Botschaft: Der Luce ist ein kalkuliertes Risiko eines Unternehmens, das die Elektromobilität auf seine eigene, kompromisslose Weise angeht – und das bei einem Modell, das im Gesamtportfolio nur eine Nebenrolle spielt.

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