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Barclays: Britische Aktien leiden unter Technologielücke und Kapitalabflüssen

Nicht nur der Brexit belastet den britischen Aktienmarkt – Technologiemangel und anhaltende Kapitalflucht sind laut Barclays ebenso schuldig.

• 3 Min
Barclays: Britische Aktien leiden unter Technologielücke und Kapitalabflüssen

Britische Aktien haben seit dem Brexit-Referendum 2016 ein „verlorenes Jahrzehnt" erlebt. Strategen der Barclays Bank argumentieren jedoch, dass die massive Underperformance nicht allein dem Brexit anzulasten ist. Neben dem politischen Einschnitt spielen das fehlende Engagement im Technologiesektor sowie anhaltende Kapitalabflüsse eine ebenso entscheidende Rolle.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Obwohl die britischen Leitindizes nahe ihrer Allzeithochs notieren, hat der MSCI U.K. seit dem Referendum gegenüber dem MSCI World um 128 Prozent und gegenüber dem Euro Stoxx 50 um 30 Prozent schlechter abgeschnitten. Großbritanniens Anteil an der globalen Marktkapitalisierung ist auf ein Rekordtief von rund 3 Prozent gesunken. Lediglich chinesische Aktien schnitten im selben Zeitraum noch schwächer ab.

„Es lässt sich kaum leugnen, dass es im letzten Jahrzehnt einen Exodus aus dem britischen Aktienmarkt gegeben hat. Die Underperformance seit 2016 ist in der Tat hauptsächlich auf ein De-Rating zurückzuführen und ging mit signifikanten Abflüssen einher", schrieben die Strategen unter der Leitung von Emmanuel Cau.

Technologielücke als strukturelles Problem

Ein zentrales strukturelles Problem ist die fehlende Technologiegewichtung. Der MSCI U.K. Index weist nahezu keine Gewichtung im Technologiesektor auf. Zum Vergleich: US-amerikanische und globale Benchmarks investieren jeweils mehr als 30 Prozent in diesen Sektor, die Eurozone immerhin rund 16 Prozent. Für deutsche Anleger, die an die starke Technologiekomponente globaler Indizes gewöhnt sind, verdeutlicht dies die strukturelle Schwäche des britischen Marktes.

Das Jahr 2016 markierte zudem den Höhepunkt bei den Bewertungen britischer Aktien sowie bei den Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen (FDI). In den Folgejahren fielen die Netto-FDI dauerhaft negativ aus. Gleichzeitig brachen die IPO-Aktivitäten im Vereinigten Königreich sowohl volumen- als auch wertmäßig stark ein, während sich der europäische Primärmarkt ohne Großbritannien behaupten konnte. Private-Equity-Übernahmen und steigende Aktienrückkäufe verknappten das Aktienangebot zusätzlich.

Inländische Investoren ziehen sich zurück

Auch auf der Nachfrageseite zeigt sich ein besorgniserregender Trend. Der Anteil inländischer Investoren an britischen Aktien sank von rund 80 Prozent in den frühen 1990er Jahren auf heute etwa 23 Prozent. Britische Privatanleger bevorzugen weiterhin Sparkonten gegenüber Aktieninvestments – ein Verhalten, das den Markt strukturell schwächt.

„Unserer Ansicht nach sind Reformen zur Förderung von Börsengängen und zum Wiederaufbau der heimischen Investorenbasis erforderlich, damit sich dieser Trend umkehrt", so die Barclays-Strategen.

Barclays bleibt bei „Underweight" – sieht aber punktuelle Chancen

Barclays behält seine „Underweight"-Einstufung für britische Aktien bei. Das für 2026 erwartete Gewinnwachstum je Aktie von 20 Prozent ist stark auf die Sektoren Energie und Rohstoffe konzentriert – ein Rückenwind, der nun nachlässt, da die Ölpreise infolge eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran fallen. Für die zweite Jahreshälfte bevorzugen die Strategen die zyklischer ausgerichtete Eurozone gegenüber dem defensiv positionierten Vereinigten Königreich.

Dennoch identifiziert das Barclays-Team punktuelle Investmentchancen im britischen Markt:

Britische Banken

werden aufgrund der Gewinnentwicklung und moderater Bewertungen als attraktiv eingestuft -

Wohnungsbauunternehmen und Immobilienwerte

gelten angesichts der eingepreisten Risikoprämie als taktisch interessant

Großbritannien sollte laut den Strategen zusammen mit dem restlichen Europa weiterhin als Diversifikationsinstrument nützlich sein. Besonders glänzen könnte der Markt, sollte es zu einem Rücksetzer bei KI- und Technologiewerten kommen – dann würde die defensive Ausrichtung des britischen Marktes zum Vorteil werden.

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