Bank of Korea: Geldpolitik bleibt restriktiv wegen anhaltender Inflation
Gouverneur Shin Hyun Song hält an restriktivem Kurs fest, da die Inflation über dem Zielwert bleibt.

Die Bank of Korea (BOK) wird ihre restriktive Geldpolitik beibehalten, um den anhaltenden Preisdruck einzudämmen. Sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation dürften nach Einschätzung der südkoreanischen Zentralbank für „eine gewisse Zeit" über dem Zielwert von 2 Prozent liegen. Das erklärte Gouverneur Shin Hyun Song am Dienstag.
„Die Inflation hat wirklich zugenommen, sowohl durch kostengetriebene als auch nachfragebedingte Faktoren", sagte Shin und verwies auf steigende Energiekosten infolge des Krieges im Nahen Osten sowie auf die stark ansteigende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz, bei der Südkorea eine Schlüsselrolle spielt.
„In (Süd-)Korea überlagert der KI-Zyklus den negativen Effekt aus dem Nahen Osten. Für die Inflation summieren sie sich natürlich", so Shin bei einer Sitzung während der jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Bangkok. Die Äußerungen fielen in einem Reuters-Bericht vom 13. Oktober.
Die Details
Im September hatte sich die jährliche Verbraucherpreissteigerung in Südkorea auf 2,9 Prozent verlangsamt. Damit lag sie zwar unter dem Niveau früherer Monate, aber weiterhin deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 2 Prozent. Genau diese anhaltende Differenz ist der Grund, warum die Notenbank nach den Worten ihres Gouverneurs vorerst nicht von ihrem restriktiven Kurs abrücken will.
Shins Äußerungen folgen auf Aussagen von Präsident Lee Jae Myung, der bereits zuvor am Tag erklärt hatte, dass ein kurzfristiger Zinsanstieg nahezu sicher sei. Südkorea müsse die wachsende Renditedifferenz zu den Vereinigten Staaten schließen und sich der globalen geldpolitischen Straffung anpassen, so der Präsident.
Der Leitzins liegt derzeit bei 3,00 Prozent. Zu diesem Niveau war er nach zwei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen im Juli und August gelangt. Gouverneur Shin sagte gegenüber Reportern nach der Sitzung, die aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen hätten „sicherlich einige erwünschte Effekte" gehabt. Eine Aussage dazu, ob es bei der geldpolitischen Überprüfung der Zentralbank am 22. Oktober zu einer weiteren Zinsanhebung kommen werde, verweigerte er jedoch.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Haltung der Bank of Korea ist Teil einer länger angelegten geldpolitischen Wende. Bereits am 26.02.2026 berichtete aktien.news, dass die BOK ihren Leitzins unverändert bei 2,50 Prozent belassen hatte. Als Begründung nannte die Notenbank damals die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit sowie eine abkühlende Inflation, die ihr mehr Spielraum zur Bewertung des weiteren Kurses verschaffte. Gleichzeitig hob sie ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,8 auf 2,0 Prozent an und verwies auf den von künstlicher Intelligenz befeuerten Halbleiterboom als wesentlichen Treiber.
Am 15.04.2026 berichtete aktien.news, dass der designierte Gouverneur Shin Hyun-song bei seiner parlamentarischen Bestätigungsanhörung in Seoul einen möglichen geldpolitischen Kurswechsel signalisiert hatte. Shin erklärte damals, die Zentralbank müsse reagieren, falls angebotsseitige Schocks infolge des Nahostkonflikts zu anhaltendem Inflationsdruck führten. „Ein bedeutender Test steht bevor. Angesichts der aktuellen Situation, in der die Krise im Nahen Osten nicht schnell gelöst wurde, glaube ich, dass der Preisdruck anhalten wird", sagte Shin damals.
Am 14.07.2026 berichtete aktien.news, dass die BOK vor ihrer ersten Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren stand. Laut einer Reuters-Umfrage unter 37 Ökonomen erwarteten 36 von ihnen, dass die Zentralbank ihren Leitzins am 16. Juli auf 2,75 Prozent anheben würde. Treiber waren eine hartnäckig hohe Inflation sowie ein robustes Wirtschaftswachstum. Die Verbraucherinflation in Südkorea hatte sich im Juni auf 3,2 Prozent beschleunigt – ein 2,5-Jahres-Hoch – und lag damit den vierten Monat in Folge über dem BOK-Zielwert von 2 Prozent.
Am 16.07.2026 berichtete aktien.news, dass die BOK ihren Leitzins tatsächlich um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent anhob. Es war die erste Zinserhöhung der südkoreanischen Zentralbank seit Anfang 2023, also seit mehr als dreieinhalb Jahren. Als Preistreiber nannte die Berichterstattung steigende Energieimportkosten, Lieferkettenstörungen infolge des Krieges im Nahen Osten sowie eine anhaltende Schwäche der südkoreanischen Währung Won.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in Südkorea vor allem deshalb relevant, weil das Land als stark exportorientierte Volkswirtschaft und als zentraler Akteur in der Halbleiter- und KI-Lieferkette gilt. Ein restriktiver geldpolitischer Kurs in Seoul wirkt sich auf die Bewertung südkoreanischer Aktien und auf die Attraktivität von Anleihen aus dem Land aus. Zudem kann eine anhaltende Zinsdifferenz zu den Vereinigten Staaten den Wechselkurs des Won beeinflussen, was wiederum die Exportwirtschaft und damit verbundene Unternehmen betrifft.
Die Kombination aus kostengetriebener und nachfragebedingter Inflation, die Gouverneur Shin beschreibt, ist für Anleger ein Hinweis darauf, dass die Notenbank ihren Handlungsspielraum als begrenzt ansieht. Solange sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation über dem Zielwert von 2 Prozent liegen, dürfte der Druck in Richtung höherer Zinsen bestehen bleiben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste konkrete Termin ist die geldpolitische Überprüfung der Bank of Korea am 22. Oktober. Ob es dort zu einer weiteren Zinsanhebung kommt, ließ Gouverneur Shin ausdrücklich offen. Klar ist aus seinen Aussagen lediglich, dass die Notenbank die Inflation für „eine gewisse Zeit" über dem Zielwert erwartet und deshalb an ihrem restriktiven Kurs festhalten will. Präsident Lee Jae Myung hatte zuvor einen kurzfristigen Zinsanstieg als nahezu sicher bezeichnet.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz einer Zentralbank, zu dem sich Geschäftsbanken Geld beschaffen können und der die Geldpolitik eines Landes steuert.
- Kerninflation: Die Teuerungsrate ohne stark schwankende Preise wie Energie und Lebensmittel, die den zugrunde liegenden Preistrend besser abbildet.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
