JPMorgan verfehlt Gewinnerwartungen: Schwäche im Handelsgeschäft belastet Quartalszahlen
Die US-Großbank verfehlt erstmals seit fast drei Jahren die Analystenprognose, während der Anleihehandel den ersten Rückgang seit über zwei Jahren verzeichnet.

JPMorgan Chase hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten verfehlt. Wie das Unternehmen mitteilte, lag der Gewinn bei 5,57 US-Dollar pro Aktie, während Analysten im Durchschnitt mit 5,85 US-Dollar gerechnet hatten. Für die größte US-Bank ist das ein ungewöhnlicher Dämpfer: Ein solches Verfehlen der Konsensschätzung hat es bei dem Institut seit fast drei Jahren nicht mehr gegeben.
Die Aktie reagierte zunächst mit einem Minus von 3 Prozent, erholte sich im vorbörslichen Handel aber wieder und notierte zuletzt mit einem Plus von 0,8 Prozent. Der Markt bewertete die Zahlen damit weniger dramatisch als der erste Kursrutsch vermuten ließ. Im Zentrum der Kritik steht die nachlassende Dynamik im Handels- und Investmentbanking-Geschäft.
Wie Reuters berichtet, bremsten die Marktvolatilität und ein unsicheres wirtschaftliches Umfeld die Aktivitäten. Bloomberg hebt hervor, dass insbesondere der Rückgang der Erträge im Anleihehandel (Fixed Income) überraschte. Dieser fiel im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent – der erste Rückgang in diesem Bereich seit mehr als zwei Jahren.
Die Details
Finanzvorstand Jeremy Barnum bezeichnete diese Entwicklung als Teil des „normalen Geschäftsverlaufs". Die Gesamterträge im Handelsbereich beliefen sich auf 10,3 Milliarden US-Dollar und verfehlten damit die Erwartungen von 10,5 Milliarden US-Dollar. Auch in den Bereichen Aktienemissionen und Fremdkapitalfinanzierung blieb das Institut hinter den Konsensschätzungen zurück.
Chris Marinac, Forschungsdirektor bei Janney Montgomery Scott, bestätigte, dass es bei den Gebühren für das Investmentbanking und den Handelsaktivitäten zu leichten Enttäuschungen gekommen sei. Zwar stiegen die Erträge der gesamten Handelssparte im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent – getrieben durch einen Anstieg im Aktiengeschäft um 49 Prozent –, doch blieb das Wachstum insgesamt am unteren Ende der bankeigenen Prognosen. Diese hatten zuvor ein Plus im „mittleren bis hohen Zehnerbereich" in Aussicht gestellt.
CEO Jamie Dimon betonte trotz der Dämpfer die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft, die weiterhin von starken Unternehmensinvestitionen und gesundem Konsum profitiere. Dies stützte das für die Bank zentrale Kreditgeschäft: Der Nettozinsertrag (ohne Handelsaktivitäten) stieg um 6 Prozent auf 24,7 Milliarden US-Dollar, während das Kreditvolumen im Jahresvergleich um 10 Prozent zunahm.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Enttäuschung fällt in ein Umfeld, in dem die Erwartungen zuvor deutlich höher gesteckt waren. Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass JPMorgan für das dritte Quartal mit deutlichen Zuwächsen sowohl im Handelsgeschäft als auch im Investmentbanking rechnete. Co-Präsident Doug Petno gab diese Einschätzung auf einer Konferenz der Barclays Plc bekannt. Demnach sollten die Handelserlöse für den Zeitraum bis zum 30. September um einen Prozentsatz im mittleren bis hohen Teenagerbereich steigen; auch die Investmentbanking-Gebühren könnten um einen ähnlichen Betrag zulegen.
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger die quartalsweisen Bankergebnisse der USA genau daraufhin prüfen würden, ob der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen das Deal-Making und das Kreditwachstum dämpfen sowie die Refinanzierungskosten in der gesamten Branche erhöhen könnte. Für die größten Banken wurde erwartet, dass die Ergebnisse im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Die Einnahmen aus Investmentbanking und Handel fielen deutlich höher aus als im Vorquartal, und es gab bislang keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditportfolios. Dennoch standen die Aktien der Banken unter Druck, da die Anleiherenditen auf ein mehrjähriges Hoch geklettert waren.
Der Vergleich mit dem Jahresauftakt zeigt, wie hoch die Messlatte lag. Am 14.04.2026 berichtete aktien.news, dass JPMorgan im ersten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten klar übertroffen hatte. Die größte US-Bank meldete einen Gewinn von 5,94 Dollar je Aktie – deutlich mehr als die von LSEG ermittelten Konsensschätzungen von 5,45 Dollar. Der Nettoumsatz stieg um 10 Prozent auf 50,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Wall-Street-Erwartungen von 49,2 Milliarden Dollar erheblich.
Haupttreiber des starken Ergebnisses war das Handelsgeschäft: Die Markterträge kletterten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar. Dabei legte das Rentenhandelsgeschäft um 21 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar zu, während das Aktiengeschäft um 17 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar wuchs. In einem zweiten Bericht vom 14.04.2026 hieß es, JPMorgan habe im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von 16,5 Milliarden US-Dollar erzielt – ein deutlicher Sprung gegenüber den 14,6 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 49,84 Milliarden Dollar und übertraf die erwarteten 49,13 Milliarden Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die wichtigste Botschaft, dass das Bild gemischt ausfällt. Auf der einen Seite steht ein verfehltes Gewinnziel und ein überraschender Rückgang im Anleihehandel, der als erste Schwäche in diesem Bereich seit mehr als zwei Jahren gewertet wird. Auf der anderen Seite wächst das klassische Kreditgeschäft weiter: Der Nettozinsertrag ohne Handelsaktivitäten legte um 6 Prozent auf 24,7 Milliarden US-Dollar zu, das Kreditvolumen stieg um 10 Prozent.
Die Handelssparte insgesamt wuchs zwar um 15 Prozent, blieb aber am unteren Rand der eigenen Prognose. Wer in Bankaktien investiert ist, sollte daher weniger auf die kurzfristige Kursreaktion als auf die Frage achten, ob sich das Investmentbanking und der Anleihehandel im vierten Quartal wieder beleben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Für das laufende Jahr prognostiziert die Bank einen Nettozinsertrag von etwa 106,2 Milliarden US-Dollar – beziehungsweise 97,2 Milliarden US-Dollar ohne Handelsgeschäft. Für 2027 wurde ein vorläufiger Ausblick von rund 107 Milliarden US-Dollar gegeben.
Hinsichtlich des IPO-Marktes, der nach einem starken Jahresauftakt zuletzt an Schwung verloren hat, zeigen sich Analysten vorsichtig optimistisch. Der Markt sei nicht geschlossen, sondern selektiv; bei einer Stabilisierung der Bedingungen könnten aufgeschobene Börsengänge im vierten Quartal nachgeholt werden.
Kurz erklärt
- Nettozinsertrag: Die Differenz zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen einer Bank, also der Gewinn aus dem klassischen Kredit- und Einlagengeschäft.
- Fixed Income: Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen, der neben dem Aktienhandel eine wichtige Säule des Handelsgeschäfts von Banken ist.
- Investmentbanking: Das Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen, der Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie der Begleitung von Börsengängen und Kapitalmaßnahmen.
