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Australiens grüne Energie als Trumpf im KI-Rechenzentrums-Wettlauf

Mit günstiger Solarenergie und viel Platz lockt Australien Milliarden-Investitionen für KI-Rechenzentren an.

• 3 Min
Australiens grüne Energie als Trumpf im KI-Rechenzentrums-Wettlauf

Australien positioniert sich als überraschender Profiteur des globalen KI-Booms. Das Land setzt dabei nicht auf Chips oder Software, sondern auf eine natürliche Ressource: extrem günstige grüne Energie. Während andere Regionen unter dem Widerstand von Anwohnern gegen neue Rechenzentren leiden, lockt Australien mit Platz und Solarstrom zu Weltmarktpreisen.

Der Begriff „Bananas" – ein frustrierter Politiker prägte ihn für „build absolutely nothing anywhere near anything" – beschreibt die wachsende Blockadehaltung vielerorts. Auch Australien kämpft mit Widerständen gegen Rechenzentren. Doch die Chancen überwiegen: Künstliche Intelligenz könnte dem Land endlich einen Weg bieten, seine reichlichen erneuerbaren Energien zu exportieren.

Australien im globalen Vergleich noch im Mittelfeld

Mit einer installierten KI-Rechenleistung von lediglich 1,4 Gigawatt liegt Australien aktuell im Mittelfeld. Zum Vergleich: Der Raum Dallas-Fort Worth in den USA kommt auf ähnliche Werte, während der Spitzenreiter Nord-Virginia stolze 4,5 GW vorweisen kann. Doch die Dynamik ist beachtlich.

Der KI-Konzern Anthropic hat in dieser Woche seinen ersten Vertrag für einen Rechenzentrumsstandort in Australien unterzeichnet. Das Projekt in der Nähe von Brisbane hat ein Volumen von umgerechnet 21 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Australische Dollar). In New South Wales, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat, laufen fortgeschrittene Verhandlungen für Projekte, die insgesamt 13 GW anstreben – mehr als der aktuelle durchschnittliche Tagesbedarf des gesamten Bundesstaates.

Energiebedarf wird massiv steigen

Bis zum Jahr 2050 könnten Rechenzentren laut Schätzung des nationalen Netzbetreibers zwölf Prozent der gesamten Stromversorgung Australiens ausmachen. Derzeit sind es lediglich zwei Prozent. Vorausgesetzt, die Projekte werden tatsächlich gebaut. Denn der Traum von Rechenzentren bei skeptischen Wählern zu verkaufen, erweist sich weltweit als schwierig.

Über das Argument der strategischen Infrastruktur hinaus sind die wirtschaftlichen Perspektiven nicht glänzend. Ein Großteil des Mehrwerts verbleibt bei Chip- und Softwareanbietern sowie den Inhabern des geistigen Eigentums – also bei US-Unternehmen. Für Australien wäre die Entwicklung von Rechenzentren dennoch ein hilfreicher Weg, um einer schwächelnden Konsumwirtschaft entgegenzuwirken.

Milliardeninvestitionen bis 2030 erwartet

Laut der Commonwealth Bank of Australia sind bis 2030 Investitionen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar für Rechenzentrumspläne erforderlich. Das Land verfügt zudem über nahezu unbegrenzten Raum zur Erzeugung erneuerbarer Elektrizität. Eine Studie aus dem Jahr 2024 über die Grünenergiekapazität der G20-Länder schätzte, dass Australiens Energiebedarf bis 2050 weniger als ein Prozent seines Solar- oder Windpotenzials ausmachen würde.

Erneuerbare Energien zählen in Australien zu den günstigsten der Welt. Mit 40 US-Dollar pro Megawattstunde liegt die Solarenergie des Landes laut Internationaler Agentur für Erneuerbare Energien auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien und ist 35 Prozent günstiger als in den USA.

Vom Wasserstoff-Traum zur KI-Realität

Australien hat zuvor bereits versucht, seine natürlichen Ressourcen auf klimafreundlichere Weise zu nutzen. Viel wurde vom Potenzial gesprochen, erneuerbaren Strom mittels Wasserstoff zu den Kunden für flüssiges Erdgas zu transportieren. Doch die Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben sich bisher nicht erfüllt.

Indem jedoch erneuerbare Energien in Rechenzentren eingespeist und dann Rechenleistung an den Rest der Welt verkauft wird, könnte dieser Reichtum gut genutzt werden. Für Aufgaben, bei denen Geschwindigkeit entscheidend ist – wie etwa bei autonomen Fahrzeugen – wäre dies nicht geeignet. Für das Training neuer KI-Modelle, eine Aufgabe, die Hunderte Milliarden Dollar an Investitionen bindet, könnte es jedoch bestens geeignet sein.

Ein enormes und kostspieliges Unterfangen zum Wechsel von Kohle zu erneuerbaren Energiequellen läuft bereits landesweit. Die Nutzung des KI-Booms, um diese finanzielle Last zu verteilen, ist alles andere als verrückt – und könnte Australien zu einem der wichtigsten Standorte für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz machen.

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